Berlinale 2013
Berlinale Tag 7

Berlinale Tag 7

Heute führte uns unsere filmische Weltreise von einem Schrottplatz in Bosnien über die Wälder von Texas im Nachtzug nach Lissabon, von dort weiter in die Türkei, nach Indien, Korea und schließlich nach Kuba.
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von (Harry.Potter)
Wie schon öfter in den letzten Jahren läuft die Berlinale auch in diesem Jahr über den Aschermittwoch. Für viele bedeutet dieser Tag eine gewisse Ausnüchterung nach den ausgelassenen Feiern des Faschingdienstages, andere nehmen ihn zum Anlass, der Vergänglichkeit alles Irdischen gewahr zu werden und sich Vorsätze für die beginnende Fastenzeit zu nehmen. Asche, Umkehr, Einkehr und Rückblende sind Schlagworte, die man mit diesem Tag verbinden kann. Und auch wenn die Berlinale auch heute ganz normal weiterlief, lassen sich diese Begriffe irgendwie doch auch in den Filmen des Wettbewerbs wiederfinden, die heute gezeigt wurden.

„Rückblende“ ist ein gute Stichwort für Bille Augusts Film „Nachtzug nach Lissabon“, der außer Konkurrenz im Wettbewerb läuft. Eine Verfilmung des Romans von Pascal Mercier, die aus der Zeit des Widerstandes gegen die Diktatur in Portugal im vergangenen Jahrhundert erzählt.

„Umkehr“ lässt sich im bosnischen Film „An Episode in the Life of an Iron Picker“ erkennen, bei dem Danis Tanovic (Oscarpreisträger 2011 für „No Man’s Land“) Regie geführt hat. Entschieden zu oft muss eine Frau aus einer bettelarmen Roma-Familie umkehren und wieder nachhause fahren, weil sie eine dringend notwendige Operation nicht bezahlen kann. Niemand kümmert sich um sie, weil sie keine Sozialversicherung hat – ihre lebensbedrohliche Situation ist allen egal.

Genug Zeit zur „Einkehr“ in der Abgeschiedenheit der Wälder von Texas halten die beiden Straßenarbeiter Alvin (Paul Rudd) und Lance (Emile Hirsch) während sie im Film „Prince Avalanche“ über den Sommer die Straßenmarkierungen erneuern sollen. Obwohl sich Alvin alle Mühe gibt, dem jüngeren und etwas unbeholfenen Lance (der zugleich der Bruder seiner Freundin ist) Disziplin und Pfadfinderfähigkeiten fürs Überleben im Wald beizubringen, geraten die beiden spätestens dann aneinander, als Alvins Freundin mit ihm in einem Brief Schluss macht. Umgeben sind sie von der Asche der verbrannten Bäume, die vor einem Jahr durch verheerende Waldbrände in Texas vernichtet wurden.

Patrick hat sich heute für Euch sogar in die sehr experimentelle Festivalschiene „Forum Expanded“ vorgewagt, in der sehr ungewöhnliche experimentelle Beiträge von Nachwuchsfilmern gezeigt werden. Außerdem hat er im Panorama die Filme „The Swimming Pool“ aus Kuba sowie „Kai po che! - Brothers for Life“ aus Indien, „Baek Ya (White Night)“ aus Südkorea sowie den im wörtlichen Sinne eiskalten türkischen Film „Cold“ unter die Lupe genommen und hat, wie ihr im Podcast des Tages erfahren werdet, sehr unterschiedliche Eindrücke mitgenommen.

Interessanterweise gab es aber auch heute noch keinen klaren Favoriten für das Rennen um die Goldenen Bären, wir dürfen also gespannt bleiben, wie die noch verbleibenden drei Filme („The Croods“ und „Dark Blood“ ausgenommen, die außer Konkurrenz gezeigt werden) ankommen, die morgen und übermorgen noch auf dem Programm stehen.