Caines Corner
Caines Corner: Kinojahresrückblick 2012

Caines Corner: Kinojahresrückblick 2012

Leander Caine mit einem ersten vorläufigen Rückblick auf das vergangene Kinojahr.
In vielen Filmen wurde das Szenario des Weltuntergangs im Jahr 2012 mit unglaublichen visuellen und pyrotechnischen Tricks prognostiziert. Das Kinojahr selbst geht als ein Jahr der Fortsetzungen in die Historie ein, das einerseits von kreativer Armut, aber andererseits auch von kommerziellem Denken geprägt war. „Risikoaversion“, wie es in jedem BWL-Buch definiert wird, war auch heuer eine weitverbreitete Produzenteneinstellung. Das Dauerthema 3D konnte leider auch nicht zufriedenstellend gelöst werden, so dass ich wahrhaft vor dem Dilemma stehe nicht zu wissen, was ich machen soll, wenn ich einen Film grundsätzlich gerne anschauen möchte, das Event aber leider nicht in gutem altmodischen 2D angeboten wird …
Knapp vor Jahresende gab es eine „Erschütterung der Macht“: George Lucas verkauft seine „Lucasfilm“ mit den „Star Wars“ und „Indiana Jones“-Rechten an den Disney-Konzern. Hoffe im Namen aller Fans, dass diese 2 Filmserien mit Intelligenz, Herz und Humor fortgesetzt werden. Die Vorfreude ist auf jeden Fall schon da :-)

Top 3:
Liebe
A/D/F 2012, Regie: Michael Haneke
Der Cannes-Sieger 2012 ist auch mein persönlicher Favorit! Michael Haneke ist mit den zwei grandiosen Darstellern Jean-Luis Trintignant und Emmanuelle Riva ein unglaublich sensibler Film über das Leben und den Tod gelungen, die für ihre Schauspielkunst mit dem Oscar ausgezeichnet werden müssen!

Hugo Cabret
USA 2011, Regie: Martin Scorsese
Martin Scorsese beweist mit „Hugo“, dass der 3D-Einsatz sinnvoll sein kann, wenn auch die Story und die Umsetzung überzeugen! Zusätzlich ist es ein weiterer Liebesbeweis an das Kino! Leider war das auch der einzige Filme im gesamten Kinojahr, dass mit der Dreidimensionalität einen Mehrnutzen generieren konnte.

Ziemlich beste Freunde
Frankreich 2011, Regie: Olivier Nakache, Eric Toledano
Das Kulturereignis 2011 startete erst heuer im deutschsprachigen Kino und begeisterte das Publikum! Zu Recht sahen den Film in Deutschland knapp 9 Mio. Kinobesucher und in Österreich etwas weniger als 1 Mio. In einem Wort zusammengefasst: Meisterwerk!

Flop 3:
Zorn der Titanen
USA 2012, Regie: Jonathan Liebesman
Die Hoffnung, dass die Fortsetzung von „Kampf der Titanen“ nicht so misslingen kann wie der 1. Teil war leider vergebens! So viele talentierte Schauspieler wie Liam Neeson, Ralph Finnes, Bill Nighy und Sam Worthington suboptimal einzusetzen, ist grob fahrlässig. Aber Jonathan Liebesmann kann es einfach nicht besser!

Darkest Hour
USA 2011, Regie: Chris Gorak
Ein Sci-Fi-Film, der in Russland spielt, war eine gute Idee. Aber der Film ist einfach nur langweilig – schade um das Potential!

Resident Evil: Retribution
USA/D 2012, Regie: Paul W.S. Anderson
Auch der dritte Flop-Film in dieser Auswahl wurde im Kino nur in der 3D Version angeboten. Aber das wahre Problem ist, dass es sich um eine Art „Remake“ des Vorgängers handelt. Nachdem der Vorgänger aber überraschend überzeugen konnte, ist der aktuelle Teil ein großer Rückschritt.


Spezialpreis „Zum Glück gesehen“:
The Cabin in the Woods
USA 2011, Regie: Drew Goddard
Wirklich ein origineller Film über eine kleine Gruppe von Teenagern, die in einer Waldhütte es mit einem „mörderischen Spiel“ zu tun bekommen! Überraschend gute Einfälle und ein starkes Drehbuch sollten nicht nur den Genre-Fan begeistern.

Cold Blood
USA 2012, Regie: Stefan Ruzowitzky
Der österreichische Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky hat einen kleinen Film für sein US-Debüt ausgewählt und fasziniert mit einer „Fargo“-esken Inszenierung. Eric Bana und Olivia Wilde als Geschwisterpaar auf der Flucht spielen ihre „kalten“ Rollen außergewöhnlich gut. Super-Film, wo der „Schnee“ allen Beteiligten fast die Show stiehlt.

Schutzengel
Deutschland 2012, Regie: Til Schweiger
Til Schweiger ist nicht nur ein beliebter Schauspieler, sondern ein verdammt guter Regisseur. Leider ist das Publikum bei seinem aktuellen Regiewerk wenig interessiert gewesen. Hoffe, dass er sich nicht entmutigen lässt und weiterhin „leidenschaftliche“ Filme neben seinen Komödien dreht. Ein absoluter Hit ist Moritz Bleibtreus Rolle im Film!

Spezialpreis „Leider nicht verpasst“:
96 Hours - Taken 2
Frankreich 2012, Regie: Olivier Megaton
Das einzig Originelle an dieser Fortsetzung eines Filmhits ist die Location Istanbul. Und sonst? Alles schon 1.000 Mal gesehen.

Snow White and the Huntsman
USA 2012, Regie: Rupert Sanders
Was kommt heraus, wenn man schamlos „Der Herr der Ringe“ mit einem „Twilight“-Charakter kreuzt, ist eine etwas andere „Schneewitchen“-Story.

John Carter
USA 2012, Regie: Andrew Stanton
Was ein großer Sci-Fi-Film hätte werden können, ist ein überlanger und insgesamt enttäuschender Kino-Beitrag des Disney-Konzerns geworden, dass aber ein „Köpferollen“ in der Chefetage zur Folge hatte.
Der Autor
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Forum

  • überraschungen und enttäuschungen

    --amour: _für einen haneke_ erstaunlich flach und eindimensional, trotz hervorragender schauspielerleistungen. (wäre amour eine US-produktion, und riva eine hollywood-veteranin, wäre ihr der oscar allerdings nicht zu nehmen.)
    --hugo cabret: scorseses liebe zu film und filmgeschichte lässt mich kalt. anstatt stummfilmklassiker zu zerschreddern und farbig-technisch “aufzumotzen“, schau ich mir lieber die originale an, zum x-ten mal. (da hatte sogar the artist mehr charme aufzubieten.)
    --cabin in the woods: nicht übel, und mit einem überraschenden ende – weltuntergang mal anders ;-)
    --snow white: wer hätte gedacht, dass hemsworth schauspielern kann?

    meine großen enttäuschungen...
    --j.edgar mit latex in der hauptrolle, und
    --the iron lady, mangels politischer standpunkte eine demente schlüssellochgeschichte
    --W.E.: kleider machen keine filme (auch wenn sie noch so edel sind)!

    ...und highlights:
    --dame könis as spion: spionage als schach- und versteckspiel, atmosphärisch dicht und grandios gespielt
    --skyfall: mit ein paar ikonenbildenden klassikern einer der besten bonds ever – und nicht nur für fans; düster und bedrückend wie the dark knight rises, in endzeitstimmung angekommen in der gegenwart
    (bitterer beigeschmack: judi denchs abschied wegen ihrer erblindung)
    --we need to talk about kevin: völlig überraschend für mich einer der eindrücklichsten filme der letzten jahre, mit nachhaltigem rumoren in kopf und bauch (herzlichsten dank an uncut für die freikarte!)

    durchaus solide produktionen:
    --verblendung (sofern man nicht allzu strenge vergleiche mit dem original zieht)
    --argo (spannende mainstream-ware, mit einschränkungen)

    trotz vieler fortsetzungen ein erstaunlich gutes jahr, mit frankenweenie (tim burton back to his roots), the master, lincoln, django unchained und zero dark thirty just around the corner.
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    28.11.2012, 21:29 Uhr
  • Zu früh und unvollständig

    Leider hab ich ihn noch nicht gesehen, aber "Skyfall" fehlt hier völlig. Der erfolgreichste JB-Film aller Zeiten mit durchwegs guten Kritiken. Was ist mit "Merida", einem weiteren höchst gelungenen Pixar-Film?? Außerdem läuft im Dezember noch "The Hobbit", das Filmhightlight des Jahres, an. Man soll das Jahr nicht vor Silvester loben - "vorläufig" hin oder her. Ich finde dieses allseits um sich greifende Vorauseilen echt langsam ätzend - Die Adventeinkaufszeit beginnt schon eine Woche vor dem Advent, die Nikoläuse gibt es fast schon gleichzeitig mit den Halloween-Kürbissen und die Jahresrückblicke (auch im Fernsehen) finden immer früher statt. Der ganze Dezember liegt noch vor uns, Leute! Was war damals, als der Tsunami am Stefanitag passierte: alle Rückblicke waren für den Kübel. Bitte nicht als persönlichen Angriff verstehen, Leander, aber ich meine, es ist einfach noch zu früh für einen Rückblick.
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    28.11.2012, 09:16 Uhr
    • Zeitpunkt

      Das Problem ist, dass Caines Corner eben nur alle vier Wochen erscheint. Und für die Dezember-Ausgabe ist dann der DVD-Rückblick geplant.
      Aber ich gebe dir schon recht, dass das eigentlich erst am 1. Jänner erscheinen dürfte und nicht früher. Sonst ist es kein Jahresrückblick.
      Wir können das aber gerne als Anregung aufnehmen, es in Zukunft später zu veröffentlichen.
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      28.11.2012, 09:43 Uhr
    • zeitpunkt

      angesichts der späten starttermine guter filme (weihnachten und oscar-season!) wäre es vielleicht gscheiter, den DVD-rückblick zeitlich vorzuziehen.
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      28.11.2012, 21:30 Uhr
  • Geschmäcker reichen nicht aus, diese Kluft zu überwinden

    Da muss ich leider teilweise, wo ich es weiß, widersprechen.

    Amour: Haneke kann mich hier nicht abholen. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Pflegeheim als Zivildiener Schlimmeres gesehen habe? Den kleinen Mann fand ich aber rührend. Die Synchro nahm dem Film viel.

    Resident Evil: Toller Film, der zeigt, wie man Videospiele langeweilefrei ins Kino bringen kann. Bitte keine Story , nur Frauen, Popcorn und Unterhaltung.

    Schutzengel: Kenne nur den Trailer und die vernichtende FM4-Kritik und vertraue denen auch.

    D'accord: Cabin in the Woods war All Thumbs up.
    Was fehlt? Prometheus war ein guter Film. The Dark Knight Rises noch besser als der Vorgänger! Rum Diary, Brave, Hotel Transsilvania, Vielleicht lieber morgen, Dredd alle anständig. Hab sicher was vergessen.
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    28.11.2012, 02:02 Uhr