Caines Corner
Caines Corner: BE

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Eine Bernd Eichinger Produktion – Eine unendliche Geschichte für den Film.
Bernd Eichinger wurde 11. April 1949 in Neuburg an der Donau geboren und verstarb am 24. Januar 2011 in Los Angeles. Ob Produktion, Drehbuchschreiben oder Regie führen, er hatte überall seine kreativen Finger im Spiel. Ich habe die Biographie von seiner Frau Katja Eichinger gelesen. Dabei entwickelte sich das Gefühl der Trauer, dass ich diesen großen Filmliebhaber nicht mehr persönlich kennenlernen konnte. „BE“ so der Titel des Buchs ist im Hoffmann und Campe Verlag erschienen und nimmt den Zuschauer auf eine „Lebensreise“ mit und konfrontiert den Leser mit seiner grenzenlosen Film-Leidenschaft Bernd Eichingers, aber auch mit seinen Dämonen.

Filmedrehen war für den bekannten deutschen Filmproduzenten wie „Krieg führen“! So viele Male musste er im wahrsten Sinne des Wortes alles riskieren, um seine Vorstellung in seinen Filmen durchzusetzen. Er schuf vor allem in den 80er und 90er-Jahren etwas ganz Neues, nämlich den Produzentenfilm! In allen seinen Überlegungen versuchte er die Vorstellungen der Zuschauer zu berücksichtigen, denn die Filme wurden für das Publikum und nicht für die Kritiker gemacht. In Europa war immer schon der Autorenfilm das Maß aller Dinge. Aber nicht für den Absolventen der Filmhochschule München, der unterhaltsame Filme für ein intelligentes Publikum kreieren wollte. Dabei wurde ihm Kontrollsucht unterstellt, doch genau das Gegenteil sollte nicht selten der Wahrheit entsprechen. Als Produzent schuf er Rahmenbedingungen für die Dreharbeiten. Dass die meisten Dreharbeiten recht oft auf Messers Schneide lagen, versuchte er vom Filmteam fernzuhalten, das heißt in anderen Worten als Produzent versuchte er sein Team zu schützen. Jedes Mal war das eine neue Herausforderung für ihn. Er sah sich selbst als Arbeitgeber. Nicht nur das, Bernd Eichinger entdeckte viele Talente und förderte sie auch. Einer der aktuell bekanntesten Filmemacher Deutschlands Michael „Bully“ Herbig kann das mit „Der Schuh des Manitu“ bestimmt bezeugen. Der Film wurde mit über 10 Millionen Zuschauern zu einem der erfolgreichsten Filme im Land überhaupt. Die lokalen Förderstellen lehnten den Film aufgrund von „zu wenig Humor und kaum Potential“ ab. Was für eine Ironie des Schicksals. Auch in den 80er-Jahren wollte er mit „Otto“ seinen ersten Kinofilm produzieren. Beim Besuch der Dreharbeiten von „Die unendliche Geschichte“ war der Komödiant besorgt, dass die Constantinfilm nach diesem Film pleite gehen würde und ging zum ewigen Konkurrenten Horst Wendtlandt. Das ist der Mann, der auch die Karl-May- und Edgar Wallace-Filme, aber auch die Bud Spencer/Terence Hill-Meisterwerke auf die deutsche Leinwand brachte.

Seiner Zeit voraus war Eichinger auch deshalb, weil er es verstand einen Eventfilm groß zu starten. Nicht mit einer kleinen Kopienzahl beginnen, sondern gleich mit mehreren hundert Rollen in ganz Deutschland gleich starten, war seine Überzeugung. „Zombie - Dawn of the Dead“, „Das Boot“ und „Conan - Der Barbar“ sind Zeugnisse des richtigen Riechers! Besonders spannend war auch der Coup, den er mit „Fantastic Four“ bei Marvel landen konnte. Dabei verhandelte Bernd Eichinger offensichtlich mit dem Meister höchstpersönlich: Stan Lee, Beruf: Erfinder zahlreicher Comic-Helden des Marvel-Universums. Erinnerung: Das war in einer Zeit, in der noch wenige Studios auf Comic-Verfilmungen setzten. Um die Rechte an den „Fantastic Four“ nicht zu verlieren, ließ der Produzent Anfang der 90er einen Low-Budget-Film drehen. Viele Jahre später sollte sich ein Einsatz vor allem finanziell lohnen. Die Filme selbst waren nicht das, was Bernd Eichinger sich erwartete. Auch der Zuschauer war nicht davon begeistert.

Auch die Anekdote wo er für „Operation Walküre“ als Produzent gefragt wurde mitzuwirken, ist ein Zeugnis seiner Überzeugung. Er wurde gefragt, ob er bei diesem Tom-Cruise-Projekt als Produzent fungieren wollte. Dabei wollte man nur seinen Namen in Deutschland nutzen um über seine Kontakte schwererhältliche Drehgenehmigungen an Originalschauplätzen zu bekommen. Da er aber nicht das Drehbuch bekommen konnte, verzichtete er auf 1 Million Dollar. Das war auch für einen erfolgsverwöhnten Produzenten viel Geld!

Sein ganzes Leben wurden seine Filme vor allem in der Heimat verrissen. Kurz vor seinem Tod wurde er aber als Produzent für sein Lebenswerk gewürdigt. Was ihn aber sicher noch glücklicher machen würde, ist, dass auch lange nach seinem Ableben von diesen Filmen gesprochen werden wird:

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Deutschland 1981, Regie: Uli Edel
Die unendliche Geschichte
USA/D 1984, Regie: Wolfgang Petersen
Der Name der Rose
D/I/F 1986, Regie: Jean-Jacques Annaud
Letzte Ausfahrt Brooklyn
USA/D/UK 1989, Regie: Uli Edel
Das Geisterhaus
USA/D/DK/ P 1993, Regie: Bille August
Der bewegte Mann
Deutschland 1994, Regie: Sönke Wortmann
Resident Evil
USA/D/F/ UK 2002, Regie: Paul W.S. Anderson
Der Untergang
Deutschland 2004, Regie: Oliver Hirschbiegel
Das Parfum
D/F/E 2006, Regie: Tom Tykwer
Der Baader-Meinhof Komplex
Deutschland 2008, Regie: Uli Edel


Welchen Film wirst Du immer mit Bernd Eichinger in Verbindung bringen?
Der Autor
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Forum

  • Ab 1989

    (dh. ab meinem 13 Lebensjahr) habe ich jeden genannten Bernd-Eichinger-Film von LETZTE AUSFAHRT BROOKLYN im Grazer Opernkino (das es leider schon lange nicht mehr gibt) bis DER BAADER MEINHOF KOMPLEX im Geidorf im Kino gesehen! Alle Kinobesuche sind immer noch in guter Erinnerung!
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    30.10.2012, 18:31 Uhr