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Interview mit Peri Baumeister

Interview mit Peri Baumeister

Marie-Christine Romirer sprach für Uncut mit Peri Baumeister über den Film „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“.
Montag Abend in Wien. Beim Interview sitzt mir eine junge, sehr sympatische Schauspielerin entgegen – Peri Baumeister. Wir tragen sogar die gleiche Jeansjacke, wie ihr sofort aufgefallen ist. Wir reden über „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“, ihr erster Film, über „Russendisko“, über Zweifel, Traumrollen und ihre Schwester – Muriel Baumeister. Man wird sie bestimmt auch (bald) ohne Hinweis auf ihre Schwester kennen, denn sie weiß, was sie will und nimmt, was kommt.

Uncut: Bist du das erste Mal in Wien?
Peri Baumeister: Nein, ich war ja beim Dreh in Wien, einen großen Teil des Films haben wir ja hier gedreht und ich war wohl auch schon, sagte meine Mutter, in Wien, als ich sehr klein war, aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Wie gefällt dir Wien?
Sehr gut. Ich habe es gerade gesagt, dass ich von einem sehr netten Fahrer vom Flughafen abgeholt wurde und wir sind durch Wien gefahren. Ich finde es einfach unglaublich schön. Ich mag diese alten Häuser und es gibt noch diesen alten Charme, die kleinen Gassen und alles ist so schön prunkvoll. Es ist richtig schön.

Zur Zeit laufen zwei Filme von dir im Kino, „Russendisko“ und „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“, die aber beide sehr unterschiedlich sind. Wie waren die Unterschiede beim Dreh oder was drehst du lieber?
An sich ist es nicht schwer zu switchen, es lag zwischen den Filmen auch viel Zeit. Grundsätzlich mag ich aber Filme sehr gerne, wo es um etwas geht, wo der Betrag hoch ist, wo der Konflikt groß ist, wo die Sehnsucht der Figuren und auch die Fallhöhen dadurch entsprechend groß sind. Das interessiert mich mehr, fordert mich mehr, macht mir, absurderweise, mehr Spaß. Und ganz ehrlich gesagt finde ich es schwieriger jemanden zu spielen, der modern ist und dadurch vielleicht auch näher an mir dran ist. Dann kommst du in den Raum hinein und sagst einen Satz – das ist manchmal schwieriger, als wenn man eine große, dramatische Szene hat, wo man von der Figur getragen wird, wo man es einfach spielt, wo es aus dir rausschwappt, wo man sich selber auch vergisst. Gute Laune haben oder spielen ist manchmal schwieriger.

Wie waren die Dreharbeiten zu „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ für dich?
Abgesehen davon, dass ich natürlich eine absolute Anfängerin war und auch mit vielen technischen Dingen erst einmal klar kommen musste – alles war neu. Und neu ist immer erst einmal auch Überforderung. Aber bei Überforderung und hohen Ansprüchen ist es immer so, dass man anfangs gar nicht merkt, dass man neues lernt. Und ich wurde da so hineingeschubst, das hat mir auch gut getan, ich konnte gar nicht viel darüber nachdenken, was ich gerade alles verstehen muss. Natürlich waren die Dreharbeiten anstrengend, jeder Tag hat eine Menge gekostet. Wenn man den Film sieht, weiß man auch, warum. Es gab keinen Tag, an dem es nicht bis aufs Blut ging. Aber für mich, ich kann ja nur für mich sprechen, ist genau das das Schöne, wenn man viel zu spielen hat.

Es gab ja beim Dreh für euch Schauspieler eine Familienaufstellung – wie war das für dich? Hat sie dir für die Rolle der Grete Trakl viel geholfen?
Ja, absolut. Also ich hatte ja keinen Vergleich. Ich möchte, ehrlich gesagt, nicht so viel darüber erzählen, weil ich das sehr privat fand. Wer schon einmal eine Familienaufstellung gemacht hat, der weiß, dass es einfach an Grenzen ging. Anfangs wussten wir gar nicht, dass wir schon die Trakl-Familie aufstellen, wir dachten, es soll eine Probe sein – da wurden wir sozusagen ein bisschen hinters Licht geführt.
Ich bin eigentlich kein esotherischer Mensch, kein Mensch, der für so etwas schnell zu haben ist. Ich bin da eher kritisch. Aber da werden Energien freigesetzt durch die Konstellation, wie Menschen zueinander in Raum stehen. Und ich weiß, dass Lars (Eidinger) und Petra (Morzè) sehr nah beieinander standen und ich stand außen vor – ich gehörte nicht dazu. Das hat so viel in mir freigesetzt – genau das ist es, was als Vorbereitung wirklich toll war, denn es hat die Emotionen verankert. Man hatte plötzlich das Gefühl, dass man weiß, woher diese Emotionen auch kommen – und warum. Und auch was es ist. Es ist nämlich nicht immer nur das Erste, das man sich vorstellt – die liebt halt ihren Bruder. Es waren auch große Eifersuchtsmomente, Wut und ganz viel Aggression dabei. Eben genau nicht die ersten Emotionen, die einem einfallen würden.

Hattest du jemals Zweifel, ob du diese Rolle spielen kannst?
Ich habe in meinem ganzen Leben in diesem Beruf noch nie keine Zweifel gehabt. Aber ich habe auch einen großen Willen. Und ich habe nie angezweifelt, dass mein Wille nicht größer ist, als mein Zweifel.

Du hast ja auch für die Rolle den Max-Öphüls-Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin erhalten. Wie fühlt man sich, wenn man seinen ersten Preis entgegen nehmen darf?
Es war einfach der Wahnsinn. Der Film war ja gar nicht im Wettbewerg und ich hatte einfach nicht erwartet, dass ich den Preis bekomme.
Es war mein erstes Drehbuch, mein erstes Casting, mein erstes Mal vor der Kamera, mein erster Preis.

Wir haben schon vorher darüber gesprochen, dass jetzt zwei Filme von dir im Kino laufen, der Fernsehfilm „Ein weites Herz“ ist abgedreht, das alles in relativ kurzer Zeit. Kannst du sagen, dass du den Durchbruch geschafft hast?
Ich glaube schon, dass es Schauspielerinnen gibt, die sagen können „ja, ich habe es geschafft“. Aber ich für mich kann sagen, dass man sich nie sicher sein kann. Da musst du dich schon einige Jahre beständig halten können, gute Entscheidungen treffen und Glück haben. Wichtig ist auch, das dann weiter halten zu können, Priotitäten zu setzen. Wenn man so eine Karriere macht, entscheidet man sich auch gegen viele andere Dinge.

Deine Schwester – Muriel Baumeister – ist ja auch Schauspielerin. Werdet ihr oft verglichen oder vergleicht ihr selbst, welche Rollen ihr spielt?
Nein. Also die Medien vergleichen uns schon oft. Es heißt auch oft „die kleine Schwester von Muriel Baumeister“. Das ist auch okay so. Also noch stört es mich nicht. Wir selbst vergleichen uns nicht – ich bin sehr gerne ihre Schwester, wir sind eine Familie.

Gibt es eine Traumrolle für dich?
Ja. Ich will es eigentlich nie sagen, weil es so kitschig ist, aber ich will Julia (Anm.: Romeo und Julia). Und ich würde wahnsinnig gerne einmal einen Tanzfilm machen. Ich tanze irrsinnig gerne und durfte es für „Russendisko“ machen. Ich bin keine ausgebildete Tänzerin, bin mir auch nicht sicher, ob es eine gute Sache wäre, aber ich würde es so gern machen.

Gibt es schon Aussichten auf zukünftige Projekte?
Nichts, worüber man reden kann.

Hollywood ist ja das Mekka des Films. Ist es ein Traum von dir, nach Amerika zu gehen?
Für mich überhaupt nicht – wahrscheinlich sollte ich jetzt ja sagen, damit ich mir die Chance nicht verbaue. ;)
Ehrlich gesagt, blicke ich nicht so weit in die Zukunft. Ich bin mit der momentanen Situation so glücklich, sie ist so großartig, dass ich erst einmal damit beschäftigt bin und nicht so weit denke. Ich muss sagen, dass ich gerne auch im deutschen Theater sein möchte, mich zieht es nicht nach Amerika. Klar möchte ich alles einmal ausprobieren, in einem amerikanischen Film mitzuspielen, auf Englisch zu spielen, noch lieber in einem französischen Film mitzuspielen – das sind alles Dinge, die ich unglaublich gerne machen würde. Aber ich würde nicht nach Amerika gehen und versuchen in Hollywood ein Bein reinzusetzen. Wichtig ist, dass ich das nehme, was kommt. Und daran glaube ich, dass das das richtige ist. Wenn natürlich eine Chance kommt, dann werde ich sie nutzen.

Bis jetzt hat das ganz gut geklappt. Eine Schauspielerin, von der man bestimmt noch vieles hören wird.
Die Autorin
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Forum

  • Tolles Interview!

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Interview! Interessante Fragen sympathischer Eindruck.
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    14.06.2012, 14:19 Uhr