Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Nordlichter

Kobergs Klarsicht: Nordlichter

Immer öfter erfreuen uns die Horden aus dem Norden mit ihren erquicklich eigenwilligen Filmen.
Die europäische Filmlandschaft ist eine vielfältige. Blabla. Solche und ähnliche salbungsvolle Äußerungen sind dermaßen politisch korrekt, dass die plötzliche Langeweile die sie hervorrufen, fast ihren hohen Wahrheitsgehalt in den Schatten stellt. Aber es ist nun einmal so und es ist erfreulich. Denn der ewige Reigen aus italienischer Leichtigkeit bei schwierigen Themen, den mürrisch ehrlichen englischen Komödien und dem österreichischen Mut zur Hässlichkeit beinhaltet einen Hauch von dem, was es so spannend macht, sich mit dem europäischen Kino auseinanderzusetzen. Zum deutschen Kino habe ich persönlich ja ein gespaltenes Verhältnis, laufen unsere Nachbarn doch vor allem dann zur Hochform auf, wenn sie ihre – und unsere gemeinsame – Vergangenheit bewältigen. Und dann sind da noch die Franzosen die sich – teilweise durchaus auch zu Recht – als Wegbereiter jedes filmischen Anspruches in Europa betrachten; eine Zuschreibung die manch österreichischen Filmkritiker dazu veranlasst, jeden Film am Ideal einer französischen Sozialkomödie zu messen.

Erstaunlich ist, dass sich die wunderbaren skandinavischen Filmemacher in diesem kontinentalen Planschbecken noch immer ihren Status als Geheimtipp bewahren konnten, auch wenn die Verfilmung von Stieg Larsons Millennium Trilogie ganz ordentlich an ihrer Unbekanntheit gerüttelt hat. Harte düstere Thriller sind ein Markenzeichen des cineastischen hohen Nordens und auch dieser Tage sind mit „ Headhunters “ und „ King of Devil's Island “ zwei Werke in unseren Kinos zu sehen, die dieser Kategorisierung bestens gerecht werden.

Doch die wahren Blüten auf der harschen skandinavischen Filmwiese sind ohne Zweifel die Komödien, die als solche oft nur schwer zu erkennen sind. Denn Regisseure wie Hans Petter Moland („Ein Mann von Welt “) und Lasse Spang Olsen („In China essen sie Hunde “) gehen mit einer derartigen Rücksichtslosigkeit zu Werke, dass wir Österreicher uns heimatverbunden an Streifen von Hader und Dorfer erinnert fühlen, während uns das Lachen im Hals stecken bleibt.

Dass sich die wachsende Zahl der Kulturpessimisten von den Lichtblicken aus dem Norden wunderbar verstanden fühlt und durch den zynischen Unterton gleichzeitig daran erinnert wird, dass in Wahrheit ja doch nicht alles so schlimm ist, mag Teil des Erfolgsrezepts der Olsens und Larsons des Filmgeschäfts sein. Tatsache ist auf jeden Fall, dass nicht nur das schlechte Wetter aus dem Norden kommt.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Treffend!

    Gut geschrieben und recherchiert. Hab ja auch in Berlin immer wieder das Vergnügen gehabt, nordeuropäische Streifen zu sehen. War stets überrascht - öfter angenehm als unangenehm.
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    25.04.2012, 18:09 Uhr