Berlinale 2012
Die Berlinale-Jury 2012

Die Berlinale-Jury 2012

Die diesjährige Jury rund um den britischen Kult-Regisseur Mike Leigh steht Journalisten aus aller Welt Rede und Antwort.
Es werden wieder Bären verliehen!!! Und wo Bären verliehen werden, braucht es jemanden der sie verleiht. Diese edle Aufgabe darf wie jedes Jahr ein scheinbar bunt zusammen gewürfelter Haufen von Experten mit unterschiedlichen Berufsbezeichnungen und aus unterschiedlichen Kunstrichtungen übernehmen. Eines haben Sie jedoch gemeinsam: Sie alle kennen sich in ihrem jeweiligen Metier sehr genau aus. Genauer gesagt handelt es sich um acht Persönlichkeiten aus den Bereichen Literatur, Schauspiel, Drehbuch, Regie und Fotografie. Heute Vormittag begann langsam aber sicher der Berlinale-Rummel und die acht Jurymitglieder gaben sich unter anfänglichem Blitzlichtgewitter auf der obligatorischen Pressekonferenz die Ehre.

„Es ist schön so viel Zeit damit aufzuwenden einfach nur über Filme nachzudenken. Ganz besonders, wenn es die Filme von Anderen aus der ganzen Welt sind“, verkündet Mike Leigh gut gelaunt. Der diesjährige Jurypräsident und somit auch Wortführer der Festivaljury betont auch gleich, dass sie während des Festivals viel essen, viel reden und vor allem sehr viel lachen werden – zumindest letzteres fällt nicht schwer zu glauben, wenn man verfolgt wie der siebenfach für den Oscar nominierte Sympathieträger mit seinem trockenen britischen Humor manch eigenartige Fragen von Journalisten kontert. Was für Leigh das besondere an der Berlinale ist? „Der Geist und die Individualität des Festivals!“ Außerdem findet er es toll, dass die Berlinale bei solcher Eiseskälte stattfindet. So halten die Menschen mehr zusammen!!! „Jeder Film muss nach seinen spezifischen Eigenheiten beurteilt werden und man kann auch keinen Film ansehen ohne nicht auch Rückschlüsse auf aktuelle Ereignisse des Weltgeschehens ziehen zu können“, verkündet der Jurypapa, der auch immer wieder für seine KollegInnen einspringen muss.

So geschehen gleich zu beginn der Veranstaltung, als ein Journalist Jake Gyllenhaal als Außenseiter der hochkarätigen Jury und als etwas fehl am Platz bezeichnet, da er aus Hollywood kommt und noch nie auf der Berlinale war. Leigh greift Gyllenhaal sogleich unter die Arme: „Er fühlt sich nicht als Außenseiter, weil er keiner ist.“ Gyllenhaal meint nur kurz, dass er sich den Aussagen seines Vorredners anschließt und gibt sich in weiterer Folge leicht beleidigt: „Das schöne an der Juryarbeit ist, dass man sich erst am Ende des Festivals zu irgendetwas äußern muss – und so mache ich das auch.“

Mit dem algerischen Schriftsteller Boualem Sansal und dem niederländischen Fotografen Anton Corbijnhaben haben sich auch zwei fachfremde Personen in die von Dieter Kosslick zusammengestellte Truppe gesellt. „Ich bin ein Mann des Wortes, kann aber vielleicht mit dem Blick eines Schriftstellers andere Dinge in den Filmen erkennen“, zeigt Sansal seine Qualiltäten auf und macht somit klar, dass wirklich alle in der Jury ihre Daseinsberechtigung haben.

Sängerin und Schauspielerin Charlotte Gainsbourg freut sich vor allem nach ihrer Schwangerschaft endlich wieder einmal ins Kino gehen zu können. Die deutsche Schauspielerin Barbara Sukowa erklärt sich ihre Nominierung für die Jury wiederum so, dass es normal ist, als alternde Schauspielerin überall hin eingeladen zu werden. Zu guter letzt komplettieren der iranische Regisseur Asghar Farhadi („Nader und Simin“) und der französische Filmemacher François Ozon die illustre Runde. Dass er in der Jury sitzt nennt Ozon eine große Ausnahme, da er eigentlich lieber Filme macht und für so etwas keine Zeit hat – letztendlich ist er aber (wie alle) zu großer Mike Leigh-Fan um dieses Angebot ausschlagen hätte zu können.

Einige mehr oder weniger interessante Aussagen und unzählige Lobeshymnen für Kosslick später, klingt dieser Programmpunkt mit einer interessanten Diskussion über Hollywood und das Weltkino aus. Mike Leigh bemerkt sehr erfreut eine positive Entwicklung. Hollywood verliere demnach leicht seinen Einfluss in der Welt (zumindest auf den großen Festivals) und es gibt mittlerweile auch in den USA eine neue Autorenfilmbewegung.
Der Autor
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patzwey

Forum

  • Toller Auftakt

    Na bei diesem humorvollen und bunten Auftakt kann das Festival ja nur unterhaltsam werden! Jake Gyll soll nicht beleidigt sein - die Mädels am Roten Teppich werden schon nach ihm kreischen! :-) Zieht Euch warm an - die Heizstrahler gibt es nur für die Stars! Und noch ein Nachtrag: willkommen Patrick im "erlauchten Kreis" der UNCUT-Berlinale-BerichterstatterInnen. ;-)
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    10.02.2012, 10:45 Uhr