Neu im Kino
Neu im Kino: Woche 4

Neu im Kino: Woche 4

Der Film und seine mannigfaltigen Spielarten: ob Stummfilm, Film noir, Drama, Thriller, Romanverfilmung oder Komödie - diese Kinowoche wird abwechslungsreich.
The Artist
Anfang der Woche wurde „The Artist“ in 10 Oscarkategorien nominiert - Ende der Woche kommt der moderne Stummfilm nun endlich in die hiesigen Lichtspielhäuser. Eine still-schmeichelnde Hommage an die große Stummfilmzeit Hollywoods erschuf der französische Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius mit diesem in schwarz-weiß gedrehten Filmerlebnis. Interessant dabei die Tatsache, dass die Filmnation Frankreich ähnlich große Bedeutung für das Medium Film in Europa hatte wie die Traumfabrik für die amerikanische Industrie.

Hollywood, 1927: George Valentin (Jean Dujardin) ist ein gefeierter Stummfilmstar seiner Zeit, doch diese Karriere wird sich schon bald dem Ende neigen, denn der Tonfilm erringt immer größeren Zuspruch. Als sich George in die bis dato noch unbekannte Statistin Peppy Miller (Berenice Bejo) verliebt, geht ein Stern auf - während der eines anderen verglüht. Was sich vordergründig nach einem klassischen Drama über Liebe, Aufstieg und Fall anhört, erweist sich durch einige Detailverliebtheit und filmische Referenzen im Grunde als Würdigung und Verneigung vor der bedeutenden Stummfilm-Ära, in der Filmemachen noch auf das Wesentliche reduziert war: das Erzählen einer Geschichte mit rein optischen Mitteln.

Drive
Tagsüber arbeitet der Driver (Ryan Gosling) als Stuntman in Hollywoodfilmen, nachts als Fluchtwagenfahrer bei Einbrüchen. Er ist ein distanzierter Einzelgänger mit Pokerface und effektiv in dem, was er tut. Aber als er die neue Nachbarin Irene (Carrey Mulligan) kennenlernt und sich zaghaft in sie verliebt, beginnen sich die Dinge schlagartig (im wahrsten Sinne des Wortes) zu ändern. Für den Mann ohne richtigen Namen, Vergangenheit, Familie oder sichtbare Emotionen erzeugen diese neuen Gefühle einen Wiederspruch und werden ihm schlussendlich zum Verhängnis…

Ein kompromissloser Thriller mit Film noir-Elementen von dem Dänen Nicolas Winding Refn, der dafür in Cannes bereits mit einem Preis als bestes Regiewerk ausgezeichnet wurde.


The Descendants
Für Anwalt Matt King (George Clooney) bricht eine Welt zusammen als seine Frau nach einem Bootsunfall ins Koma fällt und er auch noch erfährt, dass sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann hatte. Zusammen mit seinen beiden Töchtern, um die er sich nun allein kümmern muss, begibt er sich auf die Suche nach ihrem unbekannten Liebhaber und beginnt dabei aus seiner eigenen Lethargie aufzuwachen.

Clooney könnte für seine überzeugend eigenwillige Darstellung des betrogenen und in eine Lebenskrise geratenen Protagonisten möglicherweise einen Oscar abräumen. Ein sehenswertes Drama, stimmig in Szene gesetzt durch Alexander Payne („Sideways“).

Ein riskanter Plan
Regisseur Asger Leths Thriller ist konzipiert wie ein Puzzle - das Bild setzt sich Stück für Stück zusammen und erscheint erst zum Schluss in seiner Ganzheit. Ein Mann steht am Abgrund: Der ehemalige Polizist Nick Cassidy (Sam Worthington) muss als gesuchter Krimineller seine Unschuld beweisen. Er gibt vor, sich von einem Hochhaus stürzen zu wollen. Je mehr die Polizeipsychologin Lydia Mercer (Elisabeth Banks) ihm sein Vorhaben auszureden versucht, umso stärker kommt ihr der Verdacht, dass es dabei um etwas ganz anderes geht.

Fünf Freunde
Unter der Regie des Deutschen Mike Marzuk entstand hier ein freundlicher Familienfilm, der in etwas modernisierter Form auf der erfolgreichen Kinderbuchreihe (im Original „Famous Five“) von Enid Blyton basiert. Spannend wird es bestimmt, wenn sich fünf Freunde - genauer gesagt vier Kinder und ein Hund - in den Ferien auf Gangsterjagd machen, um mit ihren Spürnasen eine Verschwörung aufzudecken.

Jack und Jill
Adam Sandler in einer Doppelrolle als unei(n)iges Zwillingspaar: Werbefachmann Jack Sadelstein führt zusammen mit seiner Ehefrau Erin (Katie Holmes) ein beschauliches Familienleben. Diese Idylle wird einmal im Jahr, und zwar zu Thanksgiving, durch seine viel zu anspruchsvolle und nervige Zwillingsschwester Jill ins Wanken - und Jack selbst an den Rand des Wahnsinns gebracht. Zu erwarten und zu sehen sind etliche niveaulose Scherzchen, die selbst Stars wie Johnny Depp oder Al Pacino nicht aufzubessern vermögen.

Sonstiges
In Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol startet die heimische Dokumentation „Heil Hitler - Die Russen kommen“, die ab nächster Woche auch in Graz zu sehen ist. Von Sonntag bis Dienstag werden die Ägyptischen Filmtage im Grazer Rechbauerkino zu Gast sein.
Die Autorin
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T.W.

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