Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Phoenix aus der Asche

Kobergs Klarsicht: Phoenix aus der Asche

Joaquin Phoenix ist wohl doch nicht wahnsinnig. Er tut nur, was alle Stars tun und inszeniert sein öffentliches Leben
Wer die notwendige Muße hat, sich mit dem großen Unterhaltungskino und all seinem Drumherum auseinanderzusetzen, darf sich schon seit längerem über dramatische Inszenierungen etwas Abseits der Filmsets freuen. Bei all den Affären, Betrügereien und sonstigen Skandalen muss man dankbar sein, dass die amerikanische Ostküste etwas stärker besetzt ist, als die durchschnittliche Daily-Soap. Sonst wären recht bald alle Paarungsoptionen abgearbeitet und die Promotion-Manager – oder wer auch immer hier die Fäden zieht – müssten sich neue Methoden erdenken, um zu billiger Publicity zu kommen.

Vielleicht erliege ich hier ja dem Reiz der Verschwörungstheorien und Brangelina wollen sich tatsächlich immer dann trennen, wenn einer der beiden ein Filmprojekt abgeschlossen hat. Und Russell Crowes Verlangen, ein Telefon nach einem Hotelbediensteten zu werfen stand möglicher Weise nicht in Zusammenhang mit seinem im selben Zeitraum beworbenen Film „Das Comeback“. Aber, dass Ashton Kutcher seine gebotoxte Demi gerade zum Start seiner neuen Rolle in „Two and a Half Men“ betrogen haben soll, wirkt dann doch zu unwahrscheinlich.

Wunderbar also, dass einer, dessen plötzlichen Niedergang die Klatschpresse ebenfalls bereitwillig gefressen hat, nun mit einer Mockumentary – einer zynisch inszenierten Dokumentation – in die Kinos kommt. Joaquin Phoenix habe der Schauspielerei abgeschworen war zu hören. Er wolle nun als Rapper neu durchstarten. Und nach einer Reihe peinlicher Auftritte, die ihren Höhepunkt wohl bei David Lettermans Talkshow fanden, präsentiert Joaquins Schwager Casey Affleck nun sein Regiedebut „I'm Still Here“ und zeigt damit indirekt, dass zumindest große Teile des Abstieges von Joaquin Phoenix von Anfang an inszeniert waren.

Rund um das Privatleben der Stars hat sich eine amüsante Ebene der Semi-Realität gebildet; so augenscheinlich, dass es höchst an der Zeit war, sich auf dieses Spiel einzulassen und auf eben dieser Ebene eine Geschichte in Szene zu setzen, die letztendlich wieder im Kino präsentiert wird.

Fazit: Ganz jungfräulich ist die Realität nicht mehr, sobald sie einmal mit den Medien in Berührung gekommen ist.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Sehr treffend!

    Wie immer sehr spritzig und witzig formuliert und nebenbei eine Wohltat für cineastisch ausgebremste und intellektuell Unterforderte dieser Zeit. Bravo!
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    09.11.2011, 09:11 Uhr