Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Gretchens Fragen

Kobergs Klarsicht: Gretchens Fragen

DerKoberg fragt sich, ob Hollywoods Macher wirklich glauben, woran sie glauben.
Dass Hollywoods Stars und Sternchen gerne an Dinge glauben, um sich die Zeit zu vertreiben und in die Klatschspalten zu kommen, ist kein Geheimnis. Tom Cruise und John Travolta beispielsweise glauben, dass die Menschheit einst von einem Außerirdischen in einen Vulkan geworfen und gesprengt wurde (Scientology). George Lucas glaubt, dass 2012 die Welt untergeht (Maja-Kalender) und Mel Gibson glaubt, dass die Juden an sämtlichen Kriegen dieser Welt die Schuld tragen (christlich motivierter Antisemitismus).

Etwas weniger abstrus, dafür aber wohl massentauglicher, sind jene Glaubenskonzepte, die immer häufiger in mittelmäßige und schlechte Action-Streifen verpackt werden. Anfang des letzten Jahres kämpfte sich beispielsweise Denzel Washington durch eine postapokalyptische Welt um ein Buch zu beschützen, das die Menschheit retten würde („The Book of Eli“). Dass es sich bei dem Buch um die Bibel handelte war dabei weit weniger überraschend, als die Tatsache, dass ein Film über einen von Gott gesandten Superkrieger so ganz ohne Aufsehen durch unsere Kinos gelaufen ist.

Auf filmisch weit niedrigerem Niveau läuft dieser Tage Scott Stewards „Priest“. Der Regisseur, der schon vergangenes Jahr eine christlich-mystische Horrorvision rund um einen gefallenen Engel („Legion“) präsentiert hatte, verfilmt hier ein Comic über den Kampf zwischen Menschen und Vampiren. Daran ist freilich noch nichts Bemerkenswertes zu finden. Eigenwillig ist jedoch die erzählte Geschichte: Ein in der Vampirbekämpfung geschulter Kampf-Priester beschließt gegen den Willen der diktatorisch herrschenden Kirche wieder auf Vampirjagd zu gehen und erkennt zwischen all den Gemetzeln, dass der Wille Gottes nicht immer mit dem Willen der Kirche übereinstimmen muss.

Nun mag es ja sein, dass religiöse Strukturen, einfach gestrickten Geschichten etwas mehr Pepp verleihen. Und in der Kirche beheimatete Figuren haben der Filmgeschichte einige ihrer schönsten Bösewichte beschert. Aber der Umstand, dass religiös motivierte Krieger als Helden des einfachen Popcornkinos in Mode kommen, ist vielleicht doch nicht gänzlich unbedenklich. Immerhin sind es die ebenso religiös motivierten Kriegsführenden auf beiden Seiten, die den Krieg gegen den Terror immer wieder zu weit mehr machen, als zu einem notwendigen Einsatz für die Sicherheit der Allgemeinheit.

Man möchte also fast hoffen, dass hinter derartigen Filmen nur die zurückhaltend geistreichen Ideen eines mittelmäßigen Drehbuchschreibers stehen und nicht die Visionen und Ideologien irgendwelcher Produzenten, die ebenso gerne – aber weit weniger harmlos als die eingangs genannten – an Dinge glauben, die sie an uns weitergeben wollen.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • und...

    ...paul bettany spielt in jedem dieser familie einen verwirrten mönch, satanischen priester oder sonstigen jenseitigen gottesmann. ;-)
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    25.05.2011, 21:07 Uhr
  • Blinder Seher

    Also bei "Book of Eli" war ich mir unschlüssig, ob das biedere Propaganda für biblische Fundamentalismus darstellt oder doch ein launiger hermeneutischer Beitrag zum Thema, dass nur wer blind für diese Welt ist, wahrhaft gut sehen kann. Ich habe mich dann entschieden, dass es eine (nicht so gelungene) Hommage an den Italowestern "Blindman, der Vollstrecker" ist. Ob man es aber nun auf der Ebene von Religion oder Schund-Rezeption sieht, der Outcome ist bescheiden.
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    25.05.2011, 15:19 Uhr
    • Book of Eli

      Gut dass ich „Book of Eli“ schon gesehen habe. Denn ihr verraten hier schon einige bedeutende Details der Handlung, die man vorher besser nicht wissen sollte.
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      27.05.2011, 20:20 Uhr
  • Naja

    Dass die Kirche in den Unterhaltungsmedien schlecht weg kommt ist aber meiner Meinung nach nichts Neues, Neu sind eher die religiös motivierten Krieger der letzten Zeit. Das sind ja positive Figuren und so kommt auch ihr eigenwilliger Glaube positiv weg. Und das ist vielleicht bedenklicher als ein bisschen stereotypische Klerus-Kritik.
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    24.05.2011, 23:02 Uhr
  • Reli rockt

    Sehr treffend geschrieben! Diese eigenartige Ambivalenz zwischen einerseits dem Rückgang der Relevanz von "Kirche" im Leben der Menschen und der gleichzeitig wachsenden Attraktivität einer verzerrt und ausschließlich negativ dargestellten Form von Kirche für Hollywoodfilme wundert mich schon eine ganze Weile. Anscheinend aber gibt es eine einfache Rechnung: Reli im Kino rockt die Kassen!
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    24.05.2011, 20:14 Uhr