Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Shia und die alten Herren

Kobergs Klarsicht: Shia und die alten Herren

Zeitgeistiges zu alten und neuen Helden des Actionkinos
Letztes Jahr haben sie sich noch einmal aufgerafft, die großen Actionhelden der 1980er und 90er. Sylvester Stallone hat Mickey Rourke, Dolph Lundgren, Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger zusammengeführt und mit „The Expendables“ einen Film geschaffen, dem es relativ Wurst zu sein scheint, dass sich das Actionkino verändert hat. Nicht, dass man die Herren heute nicht mehr kennen oder sehen würde. Wer sich Jahrzehnte lang genug Testosteron zuführt um drei Männer auf einmal zu spielen, bleibt in Erinnerung. Aber mit zeitgemäßen Actionfilmen verdient eigentlich nur noch Bruce Willis sein Geld: Stallone zitiert sich immer wieder selbst, Rourke ist zu den Charakterdarstellern gewechselt, Schwarzenegger wäre gerne Präsident und Lundgren weiß wohl schon gar nicht mehr, dass das Wort „Movie“ nicht mit „B-“ beginnt.

Zum vermuteten Ärgernis der Alten Herren hat Regisseur Doug Liman, recht pünktlich zu Beginn des neuen Jahrtausends, das Actionkino in groben Zügen neu erfunden. Seit dem ersten Teil der Bourne-Trilogie nähern sich die Kamerafahrten an die Ego- und 3rd Person Perspektiven der Videospiele an. Plötzlich setzt an Spannungshöhepunkten die Musik aus. Und die Körper der Helden sind wieder aus Fleisch und Blut – James Bond hat das unmissverständlich zu spüren bekommen. Aber vor allem ist da ein Actionheld, der nicht wie ein solcher aussieht. Znircht ist Matt Damon natürlich keiner, doch im Gegensatz zu seinen Vorgängern würde man bei seinem Anblick wohl kaum die Straßenseite wechseln.

Weit klassischer sind da freilich die beiden Glatzköpfe Vin Diesel und Jason Statham. Auch wenn Dwayne „The Rock“ Johnson gerne mit dabei wäre, sind es diese beiden, die der Action-Ästhetik des letzten Jahrtausends am Uneingeschränktesten die Treue halten. Sie verkörpern weiterhin die Unkaputtbaren, die in angenehm geistlosen Handlungsfolgen, die sich selbst nicht ganz ernst nehmen, ein hübsches Mädchen und gleichzeitig auch noch die Welt retten. Und trotz aller Konkurrenz scheinen derart haarlose 80er-Jahre-Machos immer noch ihr Publikum zu finden.

Das wahre Überraschung, zwischen all den neuen und alt gewordenen Gesichtern des Actionkinos, ist natürlich Shia LaBeouf. Auch wenn mancherorts gemunkelt wird, er sei wohl der uneheliche Sohn von Steven Spielberg, ist es in Wahrheit wohl eine Laune des Zeitgeistes, die ihm eine derartige Karriere ermöglicht. Anders als Jason Bourne sehen LeBeoufs Charaktere aber nicht nur harmlos aus, sie sind es zumeist auch. Und so verfolgen sie für gewöhnlich die Hobbit-Variante des Heldendaseins: ein großes, unnachgiebiges Herz und kleine, unerschütterliche Fäuste.

Die Anything-Goes-Attitüde der gegenwärtigen Popkultur betrifft demnach auch die Actionhelden. Ganz so, wie in der Mode und der Musik ist nichts zu alt und nichts zu schräg, um nicht massentauglich zu sein. Und so kann auch Jaden Smith an einer Actionkarriere basteln, während sich Sly daran macht, einen letzten Rambo zu drehen. Und das ist wahrscheinlich gut so.