Caines Corner
Caines Corner: Oscars 2011

Caines Corner: Oscars 2011

Leander Caine über die Gewinner und Verlierer der heurigen Oscarverleihung.
Der Oscar 2011 ging in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch und bester Hauptdarsteller Colin Firth an „The King's Speech“. Für mich ist das schade, weil ich mir einen „Außenseitersieg“ von „The Social Network“ oder „Inception“ erhofft habe … Was die Regie und den besten Film angeht, meine ich, dass das unverdient ist! „The King's Speech“ ist ein handwerklich gut gemachter Film, aber kein Meisterwerk wie meine Alternativvorschläge.

Mit den jungen Moderatoren Anne Hathaway und James Franco versuchte man das junge Publikum verstärkt vor den Bildschirm zu holen. Dieses Experiment ist teilweise gut gegangen: Anne Hathaway hat die eine oder andere Unsicherheit durch Charme und Begeisterung wettgemacht, aber bei James Franco (sensationell in „127 Hours“) hatte ich immer das Gefühl, dass er fehl am Platze war, da er sehr blass geblieben ist. Sein „Tom-Cruise-Grinsen“ nervte. Ein anderes Kaliber wie Billy Crystal durfte kurz zeigen, wie man ein Publikum begeistert!

Zu den Höhepunkten gehört ganz eindeutig der Auftritt des 95-jährigen Kirk Douglas, der den Begriff „lebende Kinolegende“ darstellen durfte. Melissa Leo wird nicht nur den Erhalt des Oscars für ihre Nebelrolle in „The Fighter“ ewig in Erinnerung behalten, sondern wahrscheinlich auch Ihren Überreicher. Auch US-Präsident Barack Obama outete sich in einem kurzen Beitrag als Hollywood-Fan! Damit konnte er bestimmt einige zusätzliche Pluspunkte in dieser schwierigen Zeit des weltweiten Umbruchs sammeln. In einer anderen Einspielung „nicht echter Musicals“ konnte ich am meisten über den Twilight-Beitrag schmunzeln, indem sich Robert Pattinson und Taylor Lautner gegenüberstehen und auf dem T-Shirt von „Edward Culen“ geschrieben steht: „He doesn’t own a shirt“ :D Das rote Kleid von Scarlett Johanson war ein echter Hingucker. Zu den gelungenen Gags gehört auch der Auftritt Russel Brands mit Helen Mirren, wo er ironischerweise fälschlich aus dem Französischen übersetzt, dass sie als Queen besser war als Colin Firth als König ;-). Aus den Rückblicken in die Filmgeschichte freute ich mich am meisten über die kurzen musikalischen Liveperformances zu STAR WARS, LAWRENCE VON ARABIEN, E.T. und einem mir unbekannten Titel. Was könnte das gewesen sein? In Memoriam 2010 mit musikalischer Untermalung von Celine Dion fiel deshalb besonders gut auf, da es dieses Mal einen Gesamtapplaus nach der Präsentation für alle Verstorbenen gab.

Alles in allem war das eine fade Oscarverleihung mit null Überraschungseffekt – schade!
Der Autor
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Forum

  • musical liveperformances

    wenn damit der rückblick über die geschichte vom stummfilm zu den talkies (vor der "score"-verleihung) gemeint ist: der letzte titel war "tonight" aus dem leonard-bernstein-musical "west side story".
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    06.03.2011, 16:44 Uhr
  • ageism

    als "peinlich und unnötig" hab ich eher den melissa-leo-auftritt, mit ihrem gespielten schock über den supporting-actress-gewinn empfunden; und ihre vorangehende werbekampagne, mit der sie sich als fesche fuffzigerin, red-carpet-präsentabel und so ganz und gar nicht abgefuckt aussehend wie ihre filmfigur, präsentierte: "trying to counter ageism in hollywood". natürlich...

    http://www.telegraph.co.uk/culture/film/oscars/8341325/Oscars -2011-Melissa-Leo-in-self-promotional-push-for-win.html
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    03.03.2011, 21:29 Uhr
  • Meisterwerke????

    Lieber Herr (Non-Citizen) Caine.

    Ich halte es für unabdingbar, den Begriff "Meisterwerk" mit Bedacht
    zu wählen. Und es gibt so viele Kinojahre, in denen kein einziger Film diese Bezeichnung verdient. So auch im relativ schwachen Jahr 2010. Mit Verlaub: Sowohl Inzäpfchen als auch Zooschell Nettwörk sind doch wohl eher etwas für Nolan-Fincher-Aficionados. Ein Überflieger ist The King's Speech auch nicht, aber auch alles andere als ein unberechtigter Sieger.
    Mein Favorit 2011: TOY STORY 3. (-:
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    03.03.2011, 19:04 Uhr
    • was hat die oscar-verleihung...

      ...mit meisterwerken zu tun? die besten filme, regisseure, schauspieler sind meist leer ausgegangen, oft nicht einmal nominiert worden.

      inzäpfchen (lol) ist vor allem technisch interessant, social network bringt eine eigene künstlerische note ein; was die (konservative) academy aber liebt, sind emotional berührende filme mit einer philosophischen note: was macht uns aus, macht uns zum menschen, und geschichten über männer (seltener frauen) die ihre hemmnisse überwinden und über sich selbst hinaus wachsen - insofern war the king's speech ein vorhersehbarer "sieger".

      erfreulich für mich der doku-oscar für inside job - wer von wall street 2 genervt war, sei (zum wiederholten mal) darauf verwiesen;
      und überraschend der oscar für den industrial-sound-score von social network - im vorjahr war die kongeniale filmmusik zum hurt locker offenbar noch zu "neu" und ungewohnt. da scheint sich langsam etwas zu bewegen, wenn auch - einstweilen - nur in randbereichen...

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      03.03.2011, 21:07 Uhr
    • Danke für den Hinweis

      "Meisterwerk" nehme ich zurück, aber zu "bessere Alternative für den besten Film" INCEPTION oder SOCIAL NETWORK bleibe ich ;-)
      Apropos TOY STORY 3: Sage nur, totale Übereinstimmung! Siehe meine Kolumne Filme des Jahres 2010; da ist TOY STORY ebenfalls die Nr. 1. Auch ein anderer bekannter Filmemacher hat kürzlich TOY STORY 3 zum besten Film des Jahres gewählt - Quentin Tarantino! Dh. wir sind in guter Gesellschaft :-)
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      04.03.2011, 16:58 Uhr
  • douglas

    ...ja, fand ich auch entbehrlich.

    aber ansonsten stimme ich leander caine zu: die show war heuer leider wirklich sehr schwach.
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    01.03.2011, 18:35 Uhr
  • Höhepunkt Douglas?

    Also den Auftritt hab ich ziemlich peinlich und unnötig gefunden. Kinolegende hin oder her - es ist doch ziemlich entwürdigend, dreibeinig auf die Bühne zu zittern, nur noch unverständlich nuscheln zu können und sich trotzdem noch im Anmach-Zotenriss zu versuchen. Mir (und ihm selber wahrscheinlich auch) wäre es lieber gewesen, wenn er das Ganze irgendwo gemütlich sitzend und aus der Schnabeltasse nuckelnd miterlebt hätte. Großer Schauspieler, keine Frage. Aber das grenzte fast schon an Menschenverachtung.

    28.02.2011, 20:40 Uhr
    • Douglas

      Also ich fand den Auftritt von Douglas auch nicht so klug gewählt. Er ist natürlich eine Hollywoodlegende, aber man hatte jeden Moment Angst dass er einfach umfallen könnte.
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      01.03.2011, 14:47 Uhr
    • mit anderen worten:

      ein schauspieler, insbesondere star, hat mit erreichen eines gewissen alters die öffentlichkeit mit seiner hinfälligkeit nicht zu belästigen. also verbergt euch wie die garbo oder, besser noch, bewerkstelligt mit sinken des marktwerts gleich den totalen rückzug, wie die monroe mit 36 jahren - anstatt uns wie die alte katherine hepburn mit ihrem parkinson-zittern unwohlige gefühle zu bescheren.

      meine herren, was ihr da schreibt: DAS ist menschen verachtend!
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      03.03.2011, 20:36 Uhr
    • Also erstens...

      ...bin ich kein Herr. Zweitens ist die Bezeichnung von Monroes Tod als Flucht aus dem vermeintlichen Karrieretief schon eine sehr anmaßende Behauptung, ganz abgesehen davon, dass der Vergleich mehr als weit hergeholt erscheint.
      Drittens geht's hier (zumindest mir) nicht um das Alter, sondern das "Wie". Der Auftritt war ganz einfach peinlich und hat bei mir in der Tat ein "unwohliges" Gefühl hinterlassen, hauptsächlich weil er sich kindisch, machohaft und komödiantisch äußerst schwach präsentiert hat. Alles Attribute, die so gar nicht zu einem "legendären" Mittneunziger passen wollen.
      Und viertens: Diese "Ein Schauspieler..."- oder "verbergt euch"-Verallgemeinerungen sind vollkommen unangebracht, da hier nur und ausschließlich von Kirk Douglas anno 2011 die Rede war.
      03.03.2011, 22:28 Uhr
    • death becomes her/him

      1. aus "lebowski" und dem dazu gehörigen icon habe ich auf "männlich" getippt – falsch?
      2. monroes tod als "flucht": schon mal was von sarkasmus gehört? schon mal ihre lebensgeschichte gelesen?
      3./4. es hieß "mit seiner HINFÄLLIGKEIT nicht zu belästigen", und "parkinson-zittern" – egal, ob douglas, hepburn oder mock…

      als "anmaßend" sehe ich die forderung, sich mit "schnabeltasse" ins finstere winkerl zurückzuziehen, anstatt "dreibeinig" auf die weltbühne "zu zittern" (und sich in "anmach-zotenrissen zu versuchen", die offenbar nur herren, oder "comedians" im passenden alter zustehen).

      ageism ist offenbar nicht auf hollywood beschränkt.
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      04.03.2011, 14:19 Uhr
    • Offenbar...

      ...ist diese Diskussion sinnlos, daher werd ich das jetzt nicht mehr weiterführen. Zum Abschluss noch zwei Punkte: Ich verwehre mich nachdrücklich gegen jegliche mir vorgeworfene Altersdiskriminierung und finde, dass derartige billige Anmachsprüche überhaupt niemandem zustehen, ob Damen, Herren, Alten, Jungen oder was weiß ich wem.

      Ps. A propos Diskriminierung - aus Icons (Lieblingsschauspieler) und Nicknames (Lieblingsfilm) sofort aufs Geschlecht zu schließen, als "Verbege"-Beispiele nur Frauen aufzulisten und bei der Mutmaßung, wer Zoten reißen darf, wiederum nur "Herren" zu erwähnen, wirkt - unter dem Schutzmantel von noch so viel Sarkasmus - auch nicht grad überdrüber freigeistig, oder?
      04.03.2011, 18:20 Uhr
    • PPS.

      Muss natürlich "verwahre mich" heißen.
      04.03.2011, 18:21 Uhr
    • diskriminierung

      1. ich entschuldige mich in aller form für die "diskriminierung" durch meine "herren"-anrede – mea maxima culpa!
      2. mit "her/him", bzw "douglas, hepburn oder mock" dürfte ich aber hinreichend männer mit einbezogen haben (auch wenn das problem ein überwiegend weibliches war/ist).

      3. zum douglas-auftritt: mein anfangs ebenfalls mulmiges gefühl hat sich sehr schnell gelegt, in dem maß in dem er immer mehr in fahrt gekommen ist, immer lebendiger wurde, und eine geistige frische gezeigt hat, um die man ihn nur beneiden kann. ich denke seine familie, und seine ärzte werden wohl besser abzuschätzen gewusst haben, ob ihm die anstrengung zuzumuten ist oder nicht. mein eindruck war, dass er selbst diesen auftritt, und das rampenlicht, sehr genossen hat.
      ich persönlich fand es anrührend, ihn (vielleicht zum letzten mal) sehen zu dürfen; und es wird wohl eine menge junger leute geben, die erstmals mit dem namen "kirk douglas" ein gesicht verbinden können.
      was die – sehr harmlosen – "anmachzoten" betrifft: douglas ist ein relikt aus einer macho-zeit, und angesichts dessen will ich ihn mit etwas mehr nachsicht be-, statt verurteilen.

      was ich allerdings nicht mit nachsicht beurteilen mag, ist einem menschen – egal ob seines alters oder seiner hinfälligkeit wegen – die würde abzusprechen ("entwürdigend", "dreibeinig auf die bühne zu zittern") und ihm ferndiagnostisch die "schnabeltasse" zu verordnen.
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      06.03.2011, 18:04 Uhr