Viennale
Viennale '10: Zweite Halbzeit

Viennale '10: Zweite Halbzeit

Auch in der zweiten Hälfte der Viennale gab es wieder einiges empfehlenswertes zu sehen.
Allein bei den Spielfilmen standen heuer 84 neue Werke auf dem Programm der Viennale. Nimmt man noch Dokumentarfilme, Retrospektiven und Kurzfilme dazu ist man schnell auf einer unüberschaubar großen Zahl von Filmvorführungen. Da das Richtige rauszufiltern ist nicht immer leicht. Mal hat man Glück, mal eben weniger. Ein Kollege von mir brachte es heuer auf sieben Vorführungen an einem Tag, Harry.Potter in Berlin teilweise auf fünf Filme. Das war auch mein Maximum bei dieser Viennale. Wobei, es soll ja nicht die Quantität der Filme zählen, sondern die Qualität. Und die stimmte bei den 14 Filmen meiner zweiten Viennale-Woche ... zumindest großteils.

Ruhiges Kino:
Ein Kinofilm braucht nicht viel um gut zu sein. Keine großen Stars, keine Effekte, keine aufwendigen Kulissen, keine fetzige Musik. Gute Filme können mit ganz wenige auskommen und dennoch eine spannende Geschichte erzählen. Wie etwas beim Film „Littlerock“ von Mike Ott. Eine japanisches Mädchen lernt eine amerikanische Kleinstadt mitten im Nirgendwo kennen. Ein einfühlsames Portrait der amerikanischen Provinz. Noch mehr Provinz, allerdings in Kanada, findet man im Film „Curling“ . Der Regisseur Denis Côté, dessen gesamtes bisheriges Werk auf der heurigen Viennale gezeigt wurde, wirft darin viele Fragen auf und liefert wenige Antworten. Kino zum Nachdenken. Auch der griechische Film „Attenberg“ sei in dieser Kategorie lobend erwähnt, ebenfalls der Streifen „Im Oktober werden Wunder wahr“, in dem ein Pfandleiher plötzlich auf das Kind aufpassen soll, dass er mit einer Prostituierten gezeugt hat.

Unterhaltsames:
Ist es eine Komödie oder ein Drama? Nun, „Another Year“ ist beides. Welcher Teil überwiegt liegt, wie eine Umfrage nach der Vorführung zeigte, im Auge des Betrachters. Mike Leigh war extra für den Film angereist und stellte sich den Fragen der Zuschauer. Senad hat den Film schon beim Sarajevo Film Festival gesehen und war davon eben so begeistert wie ich. In Österreich wird der Film ziemlich sicher in die Kinos kommen, ob es aber schon in ein paar Monaten soweit ist oder ob es noch „another year“ dauert ist ungewiss. Klar hingegen ist, dass der Film „Cyrus“ bereits in drei Wochen in die Kinos kommt. Dann darf man über die ungewöhnliche Dreiecksgeschichte auch hierzulande lachen. Ebenso wird der Film „Leaves of Grass“ bald in die heimischen Kinos kommen. Er ist sogar schon zeitgleich auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Freunden von Kiffer-Komödien sei der Film „High School“ nahegelegt, der hier auf der Viennale in einem Special-Ein-Uhr-Screening die wachgebliebenen Zuschauer köstlich unterhielt.

Ferner liefen:
Was ist sonst noch so gelauten? Nun, da wäre einmal der Film „Leslie, My Name Is Evil“, ein schräge mitunter auch lustige Aufarbeitung des Prozesses gegen die „Manson Family“. Mathieu Amalrics Regiedebüt „Tournée“, in dem er mit einer Burlesque-Truppe durch Frankreich tourt ist ganz OK, aber eben auch kein Spitzenfilm. Eher gelangweilt habe ich mich bei der deutsch-österreichischen Koproduktion „Headshots“.

Aber auch das asiatische Kino ist natürlich auf der Viennale vertreten. Auf meinem Programm standen in der zweiten Woche „Ha Ha Ha“ und „Parade“, wobei ersterer lustiger klingt als er ist, und „Parade“ es immerhin geschafft hat, mich nach zwei Wochen Kino und 26 Filmen in der letzten 23:30 Uhr Vorstellung für zwei Stunden wach zu halten.

Im Bereich des Dokumentarfilms möchte ich euch an dieser Stelle „Blank City“ ans Herz legen, eine Dokumentation über No-Wave-Filmemacher im New York der 70er-Jahre. Mit Blicken auf die Anfangsjahre von Filmgrößen wie Jim Jarmusch, Steve Buscemi oder John Waters. Eher sparen kann man sich hingegen den Film „Passione“ von John Turturro. Dieser war zwar extra für den Film angereist, sein Werk wurde aber von anderen Kritikern nicht ganz ohne Grund als „Fantasie zum Eurovision Song Contest“ bezeichnet.
Der Autor
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