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    Arnolds unterschätzter Science Fiction Klassiker

    Eldritch Advice
    „Running Man“ basiert auf dem gleichnamigen Roman (dt. Menschenjagd), den der renommierte Autor Stephen King unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte. Mit seiner Buchvorlage hat der 1987 erschienene Film allerdings nur noch wenig zu tun. Die Verfilmung des dystopischen Science-Fiction-Thrillers, in dem ein arbeitsloser Außenseiter der ungewollte Kämpfer gegen ein totalitäres Regime wird, wurde im Laufe seiner Produktion mehr und mehr ein Actionvehikel für seinen Star, Arnold Schwarzenegger. Ironischerweise ist dies einer der Punkte, die Schwarzenegger an diesem Film nach wie vor missfallen. Laut ihm erinnert „Running Man“ optisch nicht bloß an eine TV-Produktion, sondern lässt darüber hinaus auch die Tiefe des King-Romans vermissen. In dieser Aussage merkt man, dass die steirische Eiche mehr einen Film in Richtung seines drei Jahre später erscheinenden Hits „Total Recall“ im Sinn hatte, als er für dieses Projekt unterschrieb. Wenngleich ich den Gedankengang Schwarzeneggers nachvollziehen kann, bin ich trotzdem der Meinung, dass es sich hierbei um einen Science-Fiction-Klassiker handelt!

    Wir schreiben das Jahr 2019, die USA sind längst kein freies Land mehr und die Bevölkerung sucht in brutalen Unterhaltungsprogrammen wie der blutrünstigen Spielshow „Running Man“ Ablenkung vom tristen Alltag, der für viele Menschen von Armut und Hunger geprägt ist. Widerstände gibt es kaum, und wenn, dann werden diese von der Staatspolizei niedergeschlagen. Ben Richards ist ein Mitglied dieser, doch hat er seinen freien Willen noch nicht aufgegeben und weigert sich während eines Aufstandes auf die hungernden Demonstranten zu schießen. Als er verhaftet wird, führen seine Kameraden den Schießbefehl aus, während die Staatsmedien Richards als den Verantwortlichen hinstellen und die Lüge vom „Schlächter von Bakersfield“ kreieren. Zwar schafft es Richards später durch die Hilfe einiger Mithäftlinge zu fliehen, wird auf seiner Flucht jedoch gefasst. Doch dieses Mal bleibt ihm das Gefängnis erspart und seine Feinden hoffen, dass Richards in der modernen Gladiatoren-Arena von „Running Man“, vor den Augen von Millionen von Zusehern, sein Ende findet.

    Ich muss sagen … It’s Showtime!

    Paul Michael Glaser, der vielen noch als Starsky aus der Serie „Starsky & Hutch“ in Erinnerung ist, übernahm die Regie für „Running Man“, nachdem die Produktion bereits am Laufen und das Budget weit überschritten war. Aus der TV-Landschaft kommend, fehlte ihm das Know-how für Hollywoodproduktionen dieser Größenordnung (Budget: 27 Millionen Dollar) und er verwendete jene Techniken, die er durch seine jahrelange Erfahrung auf dem kleinen Bildschirm kennen lernte. Dadurch fehlt es dem Film, wie von Arnold Schwarzenegger richtig angemerkt, an einem gewissen epischer Ansatz, der insbesondere im Kino gut zur Geltung gekommen wäre. So wirkt „Running Man“ in seiner Rahmenhandlung eher gedrungen, aber ich würde lügen zu behaupten, dass man dadurch nicht auch einen ganz besonderen Charme ins Leben rief. Im Grunde genommen ist die fiktive Show „Running Man“ eine TV-Sendung und es war eine interessante, wenn wohl auch ungewollte, Entscheidung sie im Stile einer solchen zu drehen. Auch wenn die Verfilmung niemals die Komplexität des Romans erreicht, so ist es dem Drehbuchautor Steven E. de Souza (Phantom Kommando, Stirb Langsam, etc.) zu verdanken, dass dieses Werk über eine sympathische Leichtigkeit verfügt, die ein Qualitätsmerkmal vieler Actionfilme der 80er-Jahre ist. In diese Kerbe schlägt auch der eingängige, synthpopige Score des bayerischen Komponisten Harold Faltermeyer, was den Film noch zugänglicher mach.

    Die Besetzung von „Running Man“ ist schlichtweg grandios. Wenngleich Schwarzenegger seine Probleme mit der Bestellung von Glaser hatte, so ist dies im Film nicht bemerkbar. Der Protagonist Ben Richards ist Schwarzenegger in Höchstform; übermenschlich, nicht auf den Mund gefallen und charismatisch. Ihm gegenüber steht der in den USA legendäre, 2012 leider verstorbene, Richard Dawson, der als der skrupellose Running Man-Showmaster Damon Killian, seine jahrzehntelange Karriere als Moderator in diversen amerikanischen Spieleshows satirisch auf die große Leinwand brachte. Killian ist zu keinem Zeitpunkt eine körperliche Bedrohung für Richards, aber durch seine nahezu uneingeschränkte Macht über das brutale Sendeformat, ein mehr als nur würdiger Widersacher. Die große Unterhaltsamkeit dieses Filmes ist ferner auch der famosen Besetzung der Nebenrollen zu verdanken. Ehemalige Sportler wie der frühere Profiwrestler Jesse Ventura, in einer mehr als nur erinnerungswürdigen Rolle als Captain Freedom, geben dem Film Charakter. Darüber hinaus bietet „Running Man“ auch bekannte Gesichter aus Schwarzeneggers Freundeskreis, wie Sven-Ole Thorsen, der immer ein Qualitätsmerkmal für einen guten Arnie-Streifen ist, und Franco Columbu, der beste Freund der steirischen Eiche.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Obwohl Schwarzeneggers Kritik am Film durchaus berechtigt ist, handelt es sich hierbei um ein unterhaltsames Actionfest, das durchaus medienkritisch ist, aber dabei niemals aufdringlich wirkt. Der Spaß steht hier klar im Vordergrund und Spaß ist es auch was „Running Man“ uns bietet: 80er-Jahre Action, flotte und einprägsame Oneliner und eine sichtlich gut gelaunte Ikone des Genrefilms. Es besteht also kein Zweifel daran, dass „Running“ Man“ eines freitäglichen Filmabends würdig ist, schließlich vergeht kein Monat in meinem Leben in dem ich diesen Film nicht ein bis zweimal sehe. Die wesentlich schwierigere Frage war bis vor kurzem noch, welche Version kaufe ich? Frühere Veröffentlichungen machten es dem Kunden nicht immer leicht herauszufinden welche davon „Running Man“ in seiner geschnitten oder ungeschnittenen Version beinhaltet. Darüber hinaus waren viele dieser Produktionen von bescheidener Qualität. Das Ende dieses Alptraums zeichnete sich ab, als man den Film in Deutschland vom Index nahm und daraufhin in einer Neuprüfung ungeschnitten ab 16 Jahren freigab. Die dadurch bessere Vermarktungsmöglichkeit machte diesen unterschätzten Schwarzenegger-Klassiker nun auch für seriöse Filmverleihe wie Capelight Pictures interessant. Es dauerte nicht lange bis diese „Running Man“ als limitiertes Steelbook, VHS-Edition und Media Book für den 14. Dezember 2018 ankündigten.

    Beim Schreiben dieser Zeilen halte ich das Media Book in meinen Händen, das sich von den anderen Versionen dadurch abhebt, als einzige Variante den stimmigen Score von Harold Faltermeyer auf CD zu beinhalten. Meine Filmsammlung umfasst einige Media Books - Ich liebe dieses Format, weil es meiner Meinung nach die ästhetischste sowie praktischste Art und Weise ist einen geliebten Film zur Schau zu stellen. Optisch sowie inhaltlich ist Capelights „Running Man“ nun zweifelsohne der Stolz meiner Sammlung. Das klassische Filmplakat des italienischen Meisters Renato Casaro am Cover zu erspähen ist ein regelrechter Augenschmaus. Das Booklet befindet sich auf qualitativ hochwertigem Papier und lässt sich zudem auch inhaltlich nicht lumpen. Neben zahlreichen Informationen zum Film, sticht vor allem die Beifügung von Konzeptzeichnungen und Storyboards positiv hervor. Wie es bei den meisten Media Books üblich ist, steht der Film auch in dieser Veröffentlichung als Blu-Ray sowie DVD zur Verfügung. Zwar gab es für diesen Release kein neues 4K-Master, aber es wurde am vorhandenen Material dennoch ein bisschen herum getüftelt und Capelight Pictures kann mit Fug und Recht behaupten das aktuelle Referenzwerk in Sachen Media Books und „Running Man“-Releases geschaffen zu haben. Von daher gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung und ich muss gestehen auch bereits das Steelbook und die VHS Edition vorbestellt zu haben.
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    (Thorsten Schimpl)
    14.12.2018
    10:41 Uhr
    https://www.youtube.com/VarangianVigilante

    Austrian YouTuber that loves to talk about his favorite movies, comics and pop-cultural stuff, while trying not to butcher the English language.