Uncut live von der Berlinale 2019
Bilder: Universal Pictures International Fotos: Universal Pictures International
  • Bewertung

    Sehenswerter Abschluss für Dreamworks' gelungenste Filmreihe

    Exklusiv für Uncut
    Dreamworks Animation hatte es im qualitativen Kampf gegen Hauptkonkurrent Pixar nie wirklich leicht. Nur kurze Zeit nach deren insektenreichen Computeranimationsabenteuer „Antz“ folgte Pixar im Jahre 1998 mit dem thematisch ähnlichen, aber weit erfolgreicheren und besser aufgenommenen „Das große Krabbeln“. In Folge brach ein langjähriger Kampf zwischen den beiden Animationsgiganten aus, bei dem Pixar zumeist deutlich die Nase vorne hatte. So veröffentlichte Dreamworks nur ein Jahr nach Pixars Sensationshit „Findet Nemo“ (2003) den ebenfalls unter Wasser spielenden „Große Haie, Kleine Fische“ (Shark Tale), der jedoch von der weltweiten Presse zerrissen wurde. Lange Zeit galt das „Shrek“-Franchise als das großen qualitativen Aushängeschilder von Dreamworks, wurden jedoch auch auch von zwei halbherzigen letzten Teilen durch den Dreck gezogen. Nachdem Dreamworks mit uninspirierten Projekten wie „Flutsch und Weg" oder dem mittlerweile zum Internet-Meme verkommenen „Bee Movie“ in einer kreativen Blockade festzustecken schien, überraschten sie 2010 mit einem Film, der plötzlich nahezu das gesamte vorangegangene Werk der Firma in den Schatten stellte: „Drachenzähmen leicht gemacht“ (How To Train Your Dragon). Das Fantasy-Animationsabenteuer voller Herz und Seele gab der Animationsfirma ihr kreatives Funkeln zurück, das im Angesicht der Fortsetzungsmaschinerie zuvor beinahe erloschen schien. Mit dem ebenso eindrucksvollen zweiten Teil bewies das Studio im Jahre 2014 die Fähigkeit Fortsetzungen zu produzieren, die das hohe Niveau ihres Vorgängers halten können. Unter dem Titel „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ startet jetzt der dritte und letzte Teil der von Anfang an als Trilogie ausgelegten Filmreihe in den weltweiten Kinos. Einmal mehr nahm Kanadier Dean Debois im Regiesessel Platz, der sich einst für Konkurrent Disney als Kopf hinter „Lilo & Stitch“ verantwortlich zeichnete.

    Im dritten Teil wird Hicks, der es als Häuptling der Insel Berk geschafft hat für Symbiose zwischen Menschen und Drachen zu sorgen, wieder mit einigen Problemen konfrontiert. Auf der einen Seite verliebt sich dessen Wegbegleiter, der Nachtschatten Ohnezahn (im Original „Toothless“) in ein Drachenweibchen - auf der anderen Seite wird das friedliche Dasein der Insel vom Drachenjäger Grimmel auf die Probe gestellt. Dies treibt Hicks dazu eine vermeintlich „verborgene Welt“ ausfindig zu machen, in der Drachen versteckt von der menschlichen Zivilisation in Frieden und Sicherheit leben können.

    Mit „Drachenzähmen leicht gemacht: Die geheime Welt“ ist Dreamworks ein sehenswerter dritter Teil gelungen, der jedoch seinen Vorgängern nicht ganz das Wasser reichen kann. Das Herzstück des Films bildet abermals die Chemie zwischen Hicks und seinem Drachen Ohnezahn, die besonders in ruhigeren Momenten durch kitschlose Wärme und ehrliche Emotion zum Tragen kommt. Ebenso können die zwischenmenschlichen Interaktionen im Film - ob nun zwischen Hicks und seiner langverschollenen Mutter Valka oder mit seiner Freundin Astrid - vollends überzeugen und treiben den Film auf emotionaler Ebene voran. Schlussendlich ist es jedoch das Zusammenspiel mit den einmal mehr fantastisch detailreichen und farbenfrohen Animationen, das szenenweise für Kinomagie sorgen kann und bei der Erschaffung der reichhaltigen Fantasywelt nachhilft.

    Leider fehlt es dem Film jedoch ein wenig an der Konsequenz seiner Vorgänger. Durch einen unterentwickelten Bösewicht, der etwas zu einfach besiegt werden kann, bekommt man als Zuschauer selten das Gefühl, als stände für die Protagonisten hier wirklich etwas auf dem Spiel. Allgemein wurde die breite Riege an Nebencharakteren, die zwar wieder einige unterhaltsame Momente kreieren konnten, etwas zu sehr in den Hintergrund gerückt und nimmt größtenteils nur passiv am Geschehen teil. Trotz der genannten Unzulänglichkeiten und einer streckenweise ermüdenden Vorsehbarkeit, lässt der Film in seinen letzten Minuten mit einem optimistischen und emotional überwältigenden Finale aufwarten, das sich zu den stärksten Sequenzen der gesamten Reihe zählen darf.

    Fazit: Der krönende Abschluss für die Trilogie ist zwar ausgeblieben, aber „Drachenzähmen leicht gemacht: Die geheime Welt“ ist dennoch ein gelungener dritter Teil geworden, der mit wundervollen Animationen sowie einem Feingefühl für emotionale Momente besticht, und die „How to Train Your Dragon“-Reihe wohl als das Opus Magnum von Dreamworks Animation besiegelt. Freiheit den Drachen!
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    (Christian Pogatetz)
    06.02.2019
    22:18 Uhr