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  • Bewertung

    In den Alpen wird rückwärts gestorben

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2014
    Eine noch so herausragend gute Kamera kann keinen Film retten. Tobias Moretti übrigens auch nicht. Denn unter dem gesamten Ensemble sticht seine Leistung spürbar hervor und es wäre toll gewesen, wenn man von dem finsteren Typen, den er verkörpert, noch mehr hätte erleben können. Statt dessen verliert sich Andreas Prohaskas Alpen-Western in seiner deplaziert wirkenden Duellästhetik, die aus den „Matrix“-Filmen abgekupfert scheint und in seinen ständig im Takt eines Metronoms künstlich verlangsamten Szenenfolgen mit spärlich eingestreuten und selten bedeutsamen Dialogen. Die Augen der Darsteller (allen voran Paula Beer als Luzi) erzählen dafür mehr als tausend Worte und die wettergegerbten Gesichter (wunderbar eingefangen von Kameramann Thomas W. Kiennast) zeugen von der langen Zeit, die sie schon hinter sich haben und dem wenigen Guten, das noch vor ihnen liegt. Immer wieder tappt die sehr schnell vorhersehbare Handlung in unfreiwillig komische dramaturgische Fallen und hinterlässt die Kinobesucher schließlich nach einem Blutbad und umdröhnt von einer bombastischen Score aus dem Dunkel des Kinosaales wieder hinaus in die Freiheit, die nicht jeder verträgt, wie uns der Film lehren möchte, für die wir aber äußerst dankbar sind. Wir müssen den Film ja nicht unbedingt weiterempfehlen.
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    (Dr. Markus Löhnert, MA)
    10.02.2014
    23:45 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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