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  • Bewertung

    The Wolf of Wall Street

    Exklusiv für Uncut
    Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio), ein ambitionierter junger Mann aus einfachen Verhältnissen, will an die Wall Street. Mark Hana (ein unerwartet genial-durchgeknaller Matthew Mc Conaughey) ist sein Lehrmeister, nicht nur was das Business angeht, sondern auch in Bezug auf die Nebenschauplätze Drogen, Dekadenz und Sex. Wie man beobachten kann, ist Belfort in allen Belangen ein eifriger Schüler und wird – nach einigen Höhen und Tiefen – der neue Star an der Börse. Wenngleich seine Geschäftsgebarung eine sehr ungewöhnliche ist…

    „The Wolf of Wall Street“ ist so was wie der unzüchtige Bruder des „Great Gatsby“, den Baz Luhrmann einige Monate vorher auf die Kinoleinwand brachte, ebenfalls mit DiCaprio in der Hauptrolle. Anfangs zeigt Scorsese wie es Belfort gelingt, beruflich Fuß zu fassen, er zeigt den genialen und charismatischen Verkäufer Jordan Belfort, der Hauptteil des Filmes ist dann aber ganz dem Exzess gewidmet: Belfort und seine Mitstreiter, allen voran Donnie Azoff (Jonah Hill), machen Party mit allem was dazugehört. Das ist anfangs durchaus spannend und auch oft witzig, wird aber bald redundant und damit zunehmend ermüdend. Was bei Baz Luhrmann die Musik, die Kostüme und die überbordenden Bilder waren, ist bei Scorsese die Lust am Skandal und der Provokation. Für diesen Mut gebührt dem Regie-Altmeister durchaus Respekt, dennoch ist „Wolf“ als Film leider keine Offenbarung.

    Denn: über die Person Jordan Belfort erfährt man so gut wie nichts. Was sind seine Motive, was treibt ihn wirklich an, wem bringt er echte Gefühle entgegen, nichts davon wird deutlich oder nachvollziehbar. Belfort ist (zumindest im Film) als Person vollkommen hohl und damit leider auch zu belanglos für 180 Minuten. Scorsese ist weder Visionär noch Psychologe, er ist hier lediglich Chronist, der die Ereignisse fast akribisch zusammenträgt, aber nie kommentiert, nie interpretiert, nie aus einem anderen Blickwinkel zeigt. Auch filmtechnisch passiert nichts aufregendes, was man nicht schon anderswo gesehen hätte.

    Das große Plus des Filmes sind seine Schauspieler, im besonderen Leonardo DiCaprio, der offenbar keine Hemmschwelle hat, seine Figur derart tabu- und hemmungslos zu porträtieren und an seiner Seite Hill, der auch sehr ekelig sein darf. Die Newcomerin Margot Robbie als Belforts Ehefrau, macht hier auf sich aufmerksam. In einer kleinen Rolle kann auch Oscar-Preisträger Jean Dujardin („The Artist“) wieder zeigen, welches Potential in ihm steckt.

    Alles in allem: drei Stunden sind um mindestens 60 Minuten zu lang und/oder falsch gewichtet. „The Wolf of Wall Street“ ist solides Handwerk, doch bei Martin Scorsese erwartet man sich dann doch etwas mehr.
    heidi
    (Heidi Siller)
    02.01.2014
    20:05 Uhr
    Autorin der monatlichen Kolumne „Heidi@Home“ rund ums Thema „Fernsehserien“.