Filmkritik zu 7500

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  • Bewertung

    Vollrath holt Gordon-Levitt an Board

    Exklusiv für Uncut
    Patrick Vollrath ist wohl seit seinem bahnbrechenden Erfolg mit „Alles wird gut“, der unter anderem für einen Oscar nominiert wurde, jeder/m - jedenfalls innerhalb der österreichischen Filmbranche - ein Begriff. Bei dem Kurzfilm handelte es sich um Vollraths Abschlussprojekt an der Filmakademie Wien, an der er unter anderem von Michael Haneke unterrichtet wurde. Mit „7500“ folgt nun, 4 Jahre später, sein Langfilmdebüt, für den er einen großen Namen Hollywoods an Board holen konnte: Joseph Gordon-Levitt.

    Für den amerikanischen Piloten Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) beginnt seine Schicht als Erster Offizier eines Airbus A319 wie jede andere: Gemeinsam mit dem Kapitän (Carlo Kitzlinger) werden die letzten Startvorbereitungen getroffen, bevor die Maschine von Berlin aus in Richtung Paris starten kann. Kurz nachdem das Flugzeug seine geplante Flughöhe erreicht, passiert jedoch etwas Unvorhergesehenes: Entführer, darunter Kenan (Murathan Muslu) und Vedat (Omid Memar), versuchen, die Gewalt über das Cockpit zu erlangen. Tobias gelingt es zwar, einen der Attentäter zu überwältigen und sich im Cockpit zu verbarrikadieren, muss infolgedessen aber über die Bordkamera das sich im Flugzeug entspinnende Drama mitansehen. Er muss daraufhin nicht nur wichtige Entscheidungen treffen, die unzählige Menschenleben betreffen, sondern auch sein Privatleben ist von der Tragödie betroffen: Denn an Board befindet sich auch seine Freundin, die Flugbegleiterin Gökce (Aylin Tezel), mit der er einen zweijährigen Sohn hat.

    Patrick Vollrath widmet sich in seinem Spielfilmdebüt einem Thema, welches zwar nicht neu ist, in „7500“ allerdings auf sehr spannende Art und Weise behandelt wird.
    Der Regisseur baut das Flugzeugdrama nämlich als eine Art Kammerspiel auf, bei dem sich die Handlung fast ausschließlich im Cockpit abspielt. Dies bietet den Nährboden für einen spannungsgeladenen Thriller, der nicht nur die Bedrohung einer Flugzeugentführung thematisiert, sondern einem auch die klaustrophobischen Ängste, mit denen man im Luftverkehr oftmals konfrontiert wird, filmisch vor Augen führt.

    Das Resultat kann sich sehen lassen: Technisch einwandfrei, stellt gerade die beeindruckende Kameraarbeit von Sebastian Thaler ein wahres Highlight dar, die beträchtlich dazu beiträgt, dass der/die ZuschauerIn einem ständigen Adrenalinrausch unterworfen ist. Unterstrichen wird das Ganze von einem Drehbuch – gemeinsam von Vollrath und Senad Halilbasic verfasst – welches die Grundlage für eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle liefert. Hier sei allerdings zu bemerken, dass aus dramaturgischer Sicht, die erste Hälfte wesentlich stärker erscheint als die zweite, wobei vor allem der sich in die Länge ziehende Schluss nicht ganz so geglückt ist.

    Trotzdem sitzt man bis zum Ende gebannt vor der Kinoleinwand, was auch noch einer weiteren Person zu verdanken ist: Joseph Gordon-Levitt. Der Schauspieler dominiert eindeutig jede Szene, die Nebendarsteller verblassen neben ihm etwas. Gordon-Levitt scheint die Rolle des vorbildlichen Piloten regelrecht auf den Leib geschrieben zu sein, weshalb man fast von Glück sprechen mag, dass der ursprünglich für den Part vorgesehene Paul Dano keine Zeit für die Dreharbeiten hatte.

    Selten hat man im Kino das Gefühl, regelrecht aus der Haut fahren zu wollen, wie dies bei einigen Szenen von „7500“ der Fall ist. Vollrath demonstriert anhand seines Spielfilmdebüts nicht nur ein feines Geschick für einen gelungenen Spannungsaufbau, sondern auch für eine einwandfreie Inszenierung, die zwischen europäischem Genrekino und actionreichem Hollywoodcinema zu verordnen ist.
    7500. Eine Zahlenkombination, die im Luftverkehr für eine Flugzeugentführung steht.
    Bei Vollrath steht sie aber auch für Folgendes: Nervenkitzel pur!
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    (Marion Schlosser)
    10.01.2020
    10:44 Uhr