Filmkritik zu The Milk of Sorrow

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  • Bewertung

    Angst essen Seele auf

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2009
    Dieser Film ist so etwas wie eine vorwärts gerichtete Rückblende auf ein Leben voller Schmerzen, Demütigung und Leid. Alles das, was Faustas Mutter erlebt hat, lebt in ihr weiter. Die junge Frau ist verhaltensgestört, misshandelt sich sexuell selbst und ist daher nicht in der Lage, ein normales Leben zu führen. In überlieferten Liedern, die sie vor sich hin singt, tropft der Schmerz aus ihrem Innersten Ton für Ton an die Oberfläche und nach Außen. Jene, die ihr begegnen, wissen diese Melodien jedoch nicht zu deuten, sie verstehen den Kummer, den unerträglichen Schmerz tief in ihr drinnen, nicht. Wie könnten sie auch, sie wurden ja auch nicht mit der "Muttermilch des Schmerzes" großgezogen wie Fausta.

    Die peruanische Regisseurin Claudia Llosa erzählt mit ihrem Film eine erschütternde Lebens- und Leidensgeschichte einer jungen, attraktiven Frau, die die nötige Kraft nicht aufbringen kann, aus dem von ihrer Mutter an sie weitergegebenen, emotionalen und psychischen Teufelskreis auszubrechen und sich, ihren Körper und ihre Seele von dem Fluch zu befreien, der auf ihr lastet. Leider wirkt der Film auch auf seine Zuschauer wie ein Fluch, er überdeckt alle, die ihn betrachten, mit einer Aura des Schmerzes, sein Hauch des Todes macht einem fast das Atmen schwer. Bei allem Verständnis für die Poesie der Bräuche, die im Film vorkommen, bei allem Respekt vor dem Leid der unzähligen Opfer (Die im Jahre 2001 eingesetzte peruanische „Wahrheitskommission“ (Comisión de la Verdad y Recon­cilia­ción, CVR) hat für den Zeitraum von 1980 bis 2000 fast 70.000 ermordete Menschen, unzählige Vergewaltigungen, Entführungen und andere Menschenrechtsverletzungen verzeichnet) verfehlt sie mir ihrem Film jedoch die Chance, ihr Publikum zu solidarisieren. Statt dessen quält sie ihre Zuseherschaft mit einem grauenhaft langweiligen Film, einer apathischen Hauptdarstellerin und nur ganz wenigen, dafür mitunter abstoßenden Dialogen. (Eine Kostprobe: „wenn Rot die Farbe der Leidenschaft wäre, bade mich in Deiner Menstruation.“ sagt ein junger Mann zu Fausta, der gerne mit ihr ausgehen würde). Ist es Kunst? Darüber scheiden sich wie immer die Geister. Ich würde meinen, man kann und soll seine bzw. ihre Zeit (und das Geld für die Kinokarte) bitte für etwas Anderes ausgeben als diesen Film.
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    (Dr. Markus Löhnert, MA)
    12.02.2009
    23:57 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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