Filmkritik zu The Messenger

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Wer A sagt, muss auch B sagen

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2009
    Regisseur Oren Moverman erzählt die Geschichte der beiden von der Armee enttäuschten und von ihrer Aufgabe bald überforderten Soldaten ohne viel Pathos und zeigt einen Aspekt des Krieges, der in der Heimat der vermeintlichen Siegermacht gerne verschwiegen wird: Gefallene gibt es nicht nur auf der Gegnerseite, sondern auch auf der eigenen. Und hinter jedem Gefallenen steht eine Familie, die einen geliebten Menschen verloren hat und alles Mitgefühl der Regierung hilft den Hinterbliebenen herzlich wenig, dies zu akzeptieren oder im Tod des Soldaten oder der Soldatin eine Ehre für das eigene Land zu entdecken. Die einst so hehren Überzeugungen, seinem Land verpflichtet zu sein, zeigen in dem Moment in dem der Ernstfall tatsächlich eintritt, ihr wahres Gesicht. Es ist die Aufgabe der Armee, sich so gut es geht um die Hinterbliebenen zu kümmern, sei es finanziell, sei es durch psychologische Betreuung. Aber nüchtern gesagt ist es nicht die Aufgabe der Armee, die Entscheidung eines bzw. einer jeden einzelnen, in den Dienst der Armee zu treten, nachträglich rückgängig zu machen, damit sein oder ihr Tod ungeschehen gemacht werden könnte. Noch dazu, wenn es wie in den USA keine allgemeine Wehrpflicht gibt. Die Gefahr, im Kampf verwundet oder gar getötet zu werden, gehört in einer solchen Armee zum Berufsrisiko. Einen Film darüber zu drehen, wie hilflos die Armee im Umgang mit dem Leid der Hinterbliebenen ist und wie leer die dabei verwendeten Phrasen von Anteilnahme und Mitgefühl für jene, die sich nicht in den Dienst der Armee gestellt haben, sind, klingt nach einem interessanten Stoff für einen Kinofilm. In diesem Falle jedoch bleibt die Kritik in den Ansätzen stecken. Zu sehr konzentriert sich das Drehbuch auf die Beziehung der beiden Soldaten untereinander und zwischen dem jungen Soldaten und der Witwe. Ben Foster hat für die Rolle offensichtlich viel trainiert und Woody Harrelson wirkt in der Rolle des ehemaligen Alkoholikers in Uniform auch authentisch. Die Figuren im Film bleiben aber, ähnlich dem Verhaltenskodex für „Messenger“ auf Distanz und können keine wirkliche Verbindung zum Publikum aufbauen.
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    (Markus Löhnert )
    09.02.2009
    23:58 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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