Filmkritik zu Mag Mag

Szenenbild aus Mag Mag Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Haarsträubende Horrorkomödie über übergroße Rächerin

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Auf dem Regiestuhl nahm bei „Mag Mag“ (kein doppelter Magister!) Yuriyan Retriever Platz; es ist ihr Debüt. Die Schauspielerin und Sängerin hat eine der wichtigsten Ausbildungen für Comedy in Japan absolviert und sich auch als Comedienne einen Namen gemacht. Dieser Einfluss ist wohl nicht zu leugnen. Die Regisseurin gibt ihrem Horrorfilm, der durchaus routiniert ans japanische Gruselkino anknüpft, ebenso eine komödiantische Note. Vielleicht sogar etwas Realsatire, aber dazu später mehr.

    Eine übergroße Rächerin

    Einige junge Burschen und Männer, die ihre Mitmenschen nicht gerade fein behandeln, werden von einer riesenhaften Frauengestalt verfolgt, die ihnen Liebesbotschaften hinterlässt. Je mehr sie sich wehren, desto schneller sterben sie. Rasch wird angenommen, dass es die legendäre Mag Mag ist, die jeden stalkt, in den sie sich verliebt. Nur diese von ihr Verehrten können sie sehen, bis es eben das Letzte ist, das sie sehen. Eine Schülerin, die für eines der Opfer schwärmt, und eine besorgte Mutter begeben sich auf die gefährliche Suche nach ihr.

    Satire auf toxisches Dating

    Regisseurin Yuriyan Retriever lässt ihren Film damit bewerben, dass sie darin ihre eigenen Datingerfahrungen verpackt und/oder verarbeitet hat. Unter den Opfern tummeln sich notorische Fremdgeher, selbstverliebte Möchtegernkünstler, die ihre Musen ungefragt als Modell verwenden, und sonstige Egomanen. Deren Verhalten wird in den ihnen gewidmeten, episodenhaften Abschnitten eingefangen und akribisch beleuchtet. Vermutlich werden einige Zuschauerinnen durchaus abgeholt und an so manchen Anti-Prinzen im eigenen Leben erinnert. Wenn nicht, sind diese Männer zum Abgewöhnen trotzdem für Witze über sie gut. Allerdings kann da manchmal das Lachen im Hals stecken bleiben, gerade wenn ein Körnchen tragischer Wahrheit drinsteckt.

    Effektive Schocks durch Alptraumfigur

    Sobald die übergroße Mag Mag mit ihrem riesigen, bauschigen Kleid und den langen Haaren dahertrampelt, beginnt der Horror für die Opfer. Die Szenen spielen aber so gekonnt mit den Größen- und Machtverhältnissen, dass sich die Angst nachvollziehen lässt und eventuell ein bisschen überträgt. So eine überdimensionale Stalkerin, die noch dazu als hässlich präsentiert wird, kann durchaus erschrecken. Spätestens wenn die Opfer ihren gewaltsamen Tod sterben, überwiegen die Horrorbilder. Sprich: Die Morde sind routiniert in Szene gesetzt.

    Pubertäre Scherzchen

    Der Komödienteil ist selten subtil. So dürfen sich die ersten Teenieopfer gleich vor Angst in die Hosen machen, der gelbe Urin in den Vorspann (ein)fließen. Zugegeben, das ist schon recht originell. Bei diesem Ekelwitz bleibt es aber nicht. Die Obsession einer Schülerin nimmt immer mehr eindeutig zweideutige Züge an. Ein solcher Fokus auf das Humorpotenzial rund um die Gürtellinie verflacht die Figuren. Sie dürfen nur Typen sein. Ganz tief wird dafür in den Klischeetopf gegriffen. Unter den Frauen gibt’s sogar Zickenkrieg und einen Catfight; also nicht so originell und progressiv, wie es das Marketing verspricht.

    Eine mysteriöse Rächerin

    Schon bald wird in „Mag Mag“ klar, dass die sagenumwobene Riesendame Opfer wählt, die vor allem mit den Frauen in ihrem Umfeld wenig sorgsam umgehen. Daraus leiten sich Theorien innerhalb der Geschichte ab, wer hinter der Legende steckt. Bis dieses Rätsel geklärt ist, vergehen allerdings viele Filmminuten mit vielen episodenhaften Strängen. Sie sind oft den Mordopfern gewidmet, manchmal geben sie auch Einblicke in die Welt von Personen, die nicht beliebt sind, oft übersehen oder zur Zielscheibe von Hohn und Spott werden; also Opfer anderer Art. Ein zwar einfacher, aber effektiver Kunstgriff, um auf menschliches Fehlverhalten anzuspielen. Und dem Publikum Hinweise zu geben, wer Mordgelüste haben könnte.

    Stereotypes Chaos

    Ja, so manche Szene in Retrievers „Mag Mag“ könnte man als liebevolle Parodie auf kultige Horrorstreifen à la „Der Exorzist“ deuten. Die andere Seite der Medaille: Die stereotype Charakterzeichnung fast aller Figuren, die teilweise ins lächerlich Parodistische abgleitet, kann ebenso als Humor mit dem Holzhammer rüberkommen. Die episodische Erzählweise ist zwar markiert, trotzdem muss man schon gut aufpassen, um nicht den Überblick über die Geschichte zu verlieren. Auch das Tempo variiert stark, oft geht es fast verloren. Vielleicht will Regisseurin Yuriyan Retriever zu viel in ihren Film stopfen, zu krampfhaft originell sein. So geben die einzelnen Vignetten selten tiefere Einblicke und bieten nicht genügend Raum für Vielschichtigkeit. Die Geschichten von Mag Mags Opfern nutzen sich in der Originalität zudem etwas ab, da sie immer nach dem gleichen Schema ablaufen.

    Für Freunde von schrägem, aber derbem Humor ist „Mag Mag“ bestens geeignet. Sie werden ihre Freude haben. Ansonsten bietet die Horrorkomödie wenig Neues. Ja, es wird geliefert, was die Werbung verspricht: unangenehm schräge Männer, die Frauen schlecht behandeln. Da steckt viel progressives Potenzial drin, das eher plakativ und klischeehaft ausgeschöpft wird.
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    (Ursula Rathensteiner)
    02.10.2026
    12:02 Uhr
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