Filmkritik zu Donkey Princess

Szenenbild aus Donkey Princess Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Liebevoll gestaltetes Coming-of-Age-Kunstmärchen

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    „Careful, what you wish for ...“ Stoffe, die sich mit Wünschen auseinandersetzen, scheinen gerade beliebt zu sein. In „Donkey Princess“, dem Kunstmärchen der chilenischen Filmemacher und Stop-Motion-Künstler Cristóbal León und Joaquín Cociña, dient ein Armband als magisches Erfüllungsinstrument. Das Regieduo legt seinen Beitrag zu diesem Thema eher fantastisch und weniger düster wie etwa „Obsession“ und weniger weichgespült wie so manche Disneyfilme an.

    Ausbruch aus dem väterlichen Käfig

    Der Tod seiner Frau stürzt den König in eine tiefe Krise. Um allen anderen dieses Leid zu ersparen, verbietet er in seinem Reich die Liebe. Ausgerechnet seine Tochter Diana lernt als junge Erwachsene den charmanten Lalo kennen. Dieser schenkt ihr ein Armband. Berührt man den grünen Stein, erfüllt sich ein Wunsch, allerdings an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit. Der König erfährt von der Verbindung seiner Tochter, verbannt Lalo und sperrt Diana mehr oder weniger ein. Diese aber benutzt das Armband, um in ein anderes Leben zu entfliehen. So lernt sie verschiedene Versionen ihrer selbst an diversen Schauplätzen wie dem modernen Chile kennen.

    Freiheit und Selbsterkenntnis im Wechselspiel

    Die Wunscherfüllung in „Donkey Princess“ dient nicht nur dazu, verschiedene fantasievolle Orte, die mit vielen originellen Details ausgestattet sind, zu zeigen. Sie unterstützt die Coming-of-Age-Geschichte der Prinzessin. Diana entdeckt zwar nicht ganz von allein, dass es mehr als den Palast und den Papa gibt: Lalo öffnet ihr die Augen. Oder halt die Liebe, wenn man es romantischer ausdrücken möchte. Aber immerhin lässt sie sich von ihrem kontrollsüchtigen Herrn Vater nicht einsperren. Mit jedem Wunsch und jeder Reise in eine neue Version ihres Lebens lernt sie die Menschen in ihrem Umfeld kennen und erfährt mehr über Beziehungen. Und damit kann sie sich selbst und ihre wahren Wünsche entdecken.

    Und immer wieder der Esel

    Das Regieduo lässt in allen Lebensentwürfen der Prinzessin einige Elemente wiederkehren. Neben einer Art Epidemie zieht sich auch der titelgebende Esel auf recht witzige Weise durch. Die Esel-Variationen werden zu Humor-Highlights. Etwas Anti-Romantik darf ebenfalls aufkommen: Die alternativen Möglichkeiten sind kein Zuckerschlecken, obwohl Diana mit Lalo vereint ist. Und ganz scheint sie ihrem Vater nirgends zu entkommen.

    Kunst und Film fließen ineinander

    Cristóbal León und Joaquín Cociña haben schon an einigen Filmprojekten gemeinsam gearbeitet. Ihre Herangehensweise, Nichtperfektes sogar noch zu betonen, ist ihr Markenzeichen. So auch bei „Donkey Princess“. Das Besondere hier: Das Set des Films war öffentlich als Kunstobjekt zugänglich. Film und Kunst fließen hier also im besten Sinne ineinander. So mischen sich auch Realfilm, gezeichnete Elemente und Stop-Motion-Figuren. Ein wunderbarer, origineller Mix für Fans mit künstlerischem Anspruch.

    (Zu) große Fußstapfen

    Ein bisschen erinnert „Donkey Princess“ an die fantastischen Welten eines Guillermo del Toro oder Tim Burton. Natürlich mit viel weniger Budget und der Devise, das Unfertige, die Kunst hinter dem Film, zu zeigen. Das funktioniert charmant. So kann das Publikum während des Films ein bisschen hinter die Kulissen blicken. Das hat sich ein paar Extraprozente in der Bewertung verdient.

    Die Geschichte der Prinzessin, die sich befreien muss, ist allerdings nicht mehr ganz so originell wie die Ästhetik. Die anderen Figuren sind noch blasser und „typenhafter“ als die Protagonistin. Da fällt es schwer, emotional in die Welt einzutauchen und wirklich mitzufiebern. Was Tiefe in der Figurenzeichnung und Spannung angeht, können Cristóbal León & Joaquín Cociña mit ihrem Film die Fußstapfen von Genremeistern nämlich bei Weitem nicht ausfüllen. Sie sind einfach zu groß. So bleibt „Donkey Princess“ nur eine nette Unterhaltung mit liebevollen Details.
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    (Ursula Rathensteiner)
    03.10.2026
    15:17 Uhr
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