Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
Im Filmcasino in Wien feierte „Bloody Tennis“ im Rahmen des Slash Filmfestivals seine Österreichpremiere und kam damit meiner Vorliebe für Filme über Tennis entgegen. Im Anschluss an die Vorstellung erzählten der deutsche Regisseur Nikias Chryssos und die Schauspielerin Helena Zengel noch einige Anekdoten vom Filmdreh auf den Kanaren.
Bullying Extreme im Tennisinternat
Die 16-jährige Sophie (Sandra Guldberg Kampp) steht mit ihrer Tennisausrüstung vor der Mary-Tyrone-Tennisakademie, um dort ein neues Kapitel ihres Lebens zu beginnen. Die renommierte Tennisschule setzt auf ein hohes Maß an Disziplin und nimmt immer nur sechs Schülerinnen gleichzeitig auf, wobei Sophie schnell merkt, dass mit vier ihrer Mitschülerinnen keine Freundschaft entstehen wird und diese vielmehr scharfsinnige Rivalinnen sind. Nur Heidi (Helena Zengel) hilft ihr in den ersten Tagen, sich einzufinden. Doch was genau steckt hinter der aggressiven Trainingsweise von Mary Tyrone (Elina Löwensohn), Trainer Stavkos (Zlatko Burić) und Hausmeister Fred (Vincent Romeo)?
Sophie als schwarzes Schaf
Die Handlung entwickelt sich wie so oft zugunsten der Hauptfigur, in diesem Fall Sophie, deren Chancen anfangs ziemlich schlecht stehen. Auf dem Gelände ist jeglicher Kontakt zur Außenwelt verboten. In der Umkleidekabine wird sie nach ihrem ersten Spiel von ihren Mitspielerinnen drangsaliert und vor dem ersten richtigen Match legt ihr ihre Gegnerin sogar Reißnägel in die Sportschuhe, was dazu führt, dass Sophie trotz ihrer Verletzung und blutigen Zehen weiterspielen muss. Andernfalls droht ihr das Ende ihrer Karriere an der Tennisakademie. Blut und Innereien gibt es in den 94 Minuten also genug zu sehen. Zartbesaiteten Kinogeher:innen würde ich den Film eher weniger ans Herz legen. Obwohl die Kamera echt lobenswert mit Licht und Effekten spielt und so manche Szene auch teilweise zu ästhetischen Volltreffern wird, geht der Film alles andere als sparsam mit Blutegeln, Gewalt und Mordszenen um. Diese Inszenierung sorgt vor allem zu Beginn für einen gelungenen Schockeffekt, wiederholt sich jedoch leider öfters, was die Handlung somit abstumpft.
„Challengers“ trifft auf „Suspiria“
Schon beim ersten Match nach Sophies Ankunft in der Tennisakademie ging mir nicht mehr aus dem Kopf, wie sehr mich die Ballwechsel an die in „Challengers“ erinnerten, beziehungsweise, wie sehr ich mir wünschte, dass diese genauso ausgesehen hätten. Leider waren die Übergänge zwischen den Einstellungen oft nicht schnell oder dynamisch genug, um das Gefühl zu vermitteln, mitten im Spiel zu sein. Dass der italienische Horrorfilm „Suspiria“ von Dario Argento offensichtlich als Inspiration für „Bloody Tennis“ diente, merkte Chryssos auch im Publikumsgespräch an und ging dabei auch auf die Themen des Plots ein. Der Film greift Themen wie Egoismus, Selbstdisziplin, Eifersucht, Neid und Machtmissbrauch auf, die vor allem im Sport relevant sind, natürlich aber aktuell auch auf politischer Ebene von Bedeutung sind. Die Tennisspielerinnen sind im Training so stark auf sich selbst konzentriert, dass sie dabei gar nicht merken, wie sehr diese Sehnsucht nach Macht und das Bedürfnis, die anderen zu besiegen, eigentlich zu ihrem eigenen Untergang führt.
„Bloody Tennis“ ist ein Film, der versucht Elemente von queerem Kino und Body Horror aufzugreifen, dabei aber leider in manchen Aspekten zu kurz kommt und sein eigentlich spannendes Potenzial nicht vollständig ausschöpfen kann. So sehr der Film gegen Ende auch mit seiner eigenen Ernsthaftigkeit bricht, die schauspielerischen Leistungen von Sandra Guldberg Kampp und Helena Zengel bleiben dennoch bemerkenswert und schaffen es, dem Film trotz seiner Schwächen sehenswerte Momente zu verleihen.