Filmkritik zu The Match

Szenenbild aus The Match Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Als Gott 1986 in Mexico City Fußball spielte

    Exklusiv für Uncut aus Cannes 2026
    Uns ist allen bewusst, dass sowohl Fußball als auch Kino zwei Sachen sind, die es jedes Mal aufs Neue schaffen, ihr Publikum zu faszinieren und zu begeistern. Mit „The Match“ haben sich die argentinischen Regisseure Juan Cabral und Santiago Franco dazu entschieden, beides zu kombinieren, und landeten so schlussendlich bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, um dort ihre Dokumentation über das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 erstmals zu präsentieren – inklusive Standing Ovation.

    Das politischste Spiel der Achtziger

    Obwohl der Film grundsätzlich eine Doku über das legendäre Viertelfinalspiel Argentiniens gegen England ist, hebt er verschiedene Facetten der Geschichte zwischen den beiden Ländern hervor und beginnt dabei in der Vergangenheit mit dem Krieg um das britische Überseegebiet östlich von Argentinien, die Falklandlinseln. Für Argentinien von großer Bedeutung, für das englische Volk ebenso. Was für manche schon fast zu weit zurückliegt, um in diesem Rahmen relevant zu sein, fand ich im Kontext des Filmes passend eingesetzt, da so elegant auf die Ursachen der Konflikte zwischen England und Argentinien verwiesen werden konnte. Der Film nimmt elegant seinen Lauf und lässt mit einer Länge von 97 Minuten nicht locker. Dabei wird zwischen altem Filmmaterial aus der Zeit von Maradona und Co. sowie neuen Ausschnitten aus aktuellen Interviews abgewechselt, was die Sprünge in die 80er sehr dynamisch macht und das Publikum bis zum Ende nicht verliert, ab und zu aber ruhig mehr in die Tiefe hätte gehen können.

    Diego, der Titan

    In den Interviews mit Gary Lineker, John Barnes, Jorge Burruchaga und weiteren ehemaligen Nationalspielern werden ihre Reaktionen und Kommentare auf die damalige Zeit und die Fußballspiele gezeigt, was teilweise sehr emotional ausfällt und sie voller Nostalgie und Stolz über ihren ehemaligen Konkurrenten und guten Freund, Fußballgott Diego Maradona, sprechen lässt. Nach der ersten Hälfte lässt der Film Maradona sehr stark in den Fokus rücken, bindet dennoch weiterhin geschichtliche und kulturelle Aspekte sowie ein paar Songs von Queen ein, die zusätzlich informieren und unterhalten. Gegen Ende nimmt der Film einen anhand des erfolgreichen Spannungsaufbaus richtig mit, durch den man sich dann selbst gar nicht mehr so sicher ist, welches der beiden Länder das Spiel gewinnt, obwohl es von Anfang an klar ist, dass der WM-Sieg vor 40 Jahren an die argentinische Nationalmannschaft ging.

    Insgesamt gelingt „The Match“ als ebenso informative wie mitreißende Dokumentation, die sich für mich hervorragend als Auftakt für das Festival geeignet hat. Trotz der enormen historischen und politischen Dimensionen rund um den Falklandkrieg schafft es der Film, die wichtigsten Hintergründe kompakt, verständlich und gleichzeitig auch unterhaltsam zusammenzufassen. Die Mischung aus emotionalen Interviews, historischem Kontext und sportlicher Spannung führt dazu, dass die Dokumentation dabei nie an Tempo verliert, und zeigt eindrucksvoll, wie eng Fußball, Kino und Geschichte miteinander verbunden sein können – auch für Personen, die mit Fußball sonst eher wenig anfangen können.
    whatsappimage2026-03-19at15.20.23_d972efaf09.jpeg
    (Alfred Koblmüller)
    14.05.2026
    08:04 Uhr