Exklusiv für Uncut von der Diagonale
Es braucht ein Dorf, um einen guten Film hochzuziehen. Bei „Frutti di Mare“, dem Neuwerk von David Lapuch („Kurz nach Schalling unterm Berg“, „Cornetto im Gras“) trifft das gleich in mehrfacher Hinsicht zu. Eine fruchtbare Zusammenarbeit, die schmeckt.
Vor wie hinter der Kamera bekannte Gesichter (in einem sehr sympathischen FM4-Beitrag bezeichnete dazu der Regisseur die Diagonale kurz vorher als „großes Klassentreffen“). Zu den Lapuch-Veteranen Marlene Hauser, Mona Kospach, Lukas Walcher, Michael Rast oder Harry Lampl (der diesmal nebenbei noch die Regieassistenz übernahm) gesellen sich u.a. die Neuzugänge Faris Rahoma und ein wieder mal urkomischer Clemens Berndorff. Alle halfen zusammen. Für umsonst. In nur einer Woche Drehzeit und mit weitaus weniger Budget als beim letzten Mal war alles im Kasten. Lapuch zeigt sich nach der Premierenvorstellung sichtlich zu Tränen gerührt. Auch weil es sein persönlichstes Projekt sein dürfte, wie eine Widmung zu Beginn des Filmes mutmaßen lässt.
Mit dem Thema Suizid wird im Kern ein äußerst ernstes Thema angesprochen (inklusive obligatorischem Hinweis auf Hilfestellen im Abspann). Aber auch nicht direkt. „Weil aufm Land da macht man das nicht.“ Hauser und Kospach bilden ein Schwesterngespann das von Anna Wagner komplettiert wird. Die drei hat der Selbstmord der Mutter in eine tiefe Krise gestürzt. Anna (Marlene Hauser), die mittlere, will davon aber nix wissen. Ein letztes Mal will sie noch ein paar Pizzen ausliefern, um dann für immer in die Stadt zu verschwinden. Doch die Nacht soll nicht so verlaufen wie sie es geplant hat, und wenn sich dafür die Geisterwelt einmischen muss.
Das Rezept ist ähnlich. Eine Handvoll schrulliger Figuren. Messerscharfe Dialoge. Eine Prise vom Übernatürlichen. Das Zusammenspiel aus Witz, Provinzcharme und emotionaler Wucht hat der Grazer perfektioniert wie kein anderer. Auch eine kulinarische Diskussion als Running Gag steht erneut am Plan. Und trotzdem fühlt sich alles frisch an.
Das mediterrane Dorfwirtshaus (inklusive sehr interessanter Funktion und nicht nur einem, sondern gleich zwei Stammtischen!) oder wie zuvor eine Tankstelle und ein Imbissstand; an David Lapuchs Schauplätzen fühlt man sich irgendwie zu Hause. Egal wie skurril, man hat ein bisschen das Gefühl, man war schon mal dort; hat die Leute dort getroffen, hat dieselben Konversationen gehört oder geführt. Aberwitzig und doch realitätsnah. Laut Mona Kospach und Anna Wagner mache es ihnen David Lapuch, der Autor, schon relativ leicht mit dem was so aus seiner Feder kommt.
Für die passende Bildbegleitung zum Wuchtel-Menü sorgt Lapuchs Stammkameramann und Koproduzent Vincent Seidl, quasi das „Agglo“ zu seinem „Oiliolo“ (oder so). Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, wenn die beiden im Dämmerlicht drehen, dann schaut das einfach immer verdammt gut aus. Ja, das wird es auch bei Tag; trotzdem darf ich hoffen, dass diese Nacht niemals enden mag. Paul Plut sorgt obendrauf wieder musikalisch für die dezent richtige Stimmung.
Bei der Premiere teasert Lapuch schließlich ein Spielfilmprojekt mit dem Arbeitstitel „Rauhnächte“ an (Bingo!). Schon vor der aktuellen Veröffentlichung habe er daran gearbeitet, bevor es ihn doch wieder zum Kurzfilm zurück zog. Doch egal was es am Ende werden mag, wenn nur weiter so viel Würze dazukommt, ist im Gegensatz zu einem Kübel Meeresfrüchte kein Ablaufdatum in Sicht.