Filmkritik zu Nur ein Augenblick

Szenenbild aus Nur ein Augenblick Fotos: sixpack film
  • Bewertung

    Im Kaleidoskop der Zeit

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    Was verbindet einen Uhrmacher, eine Wissenschaftlerin am CERN, einen Komponisten oder einen Physikprofessor? Auf den ersten Blick wenig – und doch eint sie eine große, unveränderliche Konstante: die Zeit. Wie unterschiedlich jedoch der Umgang mit ihr in diesen Disziplinen ausfällt, zeigt „Nur ein Augenblick“. Der Film stellt dabei keine klar formulierte Frage, erst recht gibt er keine eindeutige Antwort – wohl aber zeigt er eine gemeinsame Suche danach.

    Nach seinen Dokumentarfilmen „Focus on Infinity“ und „Archiv der Zukunft“ bleibt Jörg Burger seinem Interesse am Thema treu. Auch diesmal wird in essayistischer Erzählstruktur den verschiedenen Fachrichtungen Raum gelassen – jeder Experte und jede Expertin haben Zeit, ihre Perspektive und ihr Verständnis zum Thema Zeit als Monolog auszuführen. Der Regisseur blendet bewusst nicht die Namen und Berufe der jeweiligen Interviewpartner ein, diese erschließen sich durch das Gespräch und werden im Abspann noch einmal genannt – die Gedanken bleiben stets im Mittelpunkt.

    Zwischen den Monologen der einzelnen Interviewpartner setzt der Regisseur auf meditative Alltagsbilder: das Rauschen der Wellen, ein vorbeifahrender Zug, oder Nebel, der langsam den Berg hinaufzieht. Die Bilder kontrastieren das Gesagte, geben Gelegenheit zum Nachdenken und eröffnen Momente der Reflexion.

    „Nur ein Augenblick“ ist weder ein klassischer Spielfilm noch ein konventioneller Dokumentarfilm. Es ist ein Essay, eine kontemplativ-wissenschaftliche Abwandlung über die größte Konstante des Lebens – die Zeit. Der Film stellt keine Fragen und liefert auch keine Antworten, vielmehr unternimmt er den Versuch, das Konzept der Zeit durch das Kaleidoskop der unterschiedlichsten Perspektiven der Wissenschaft zu betrachten, um daraus ein persönliches Resümee zu ziehen.
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    02.04.2026
    08:54 Uhr
    www.belzebub.at

Nur ein Augenblick

Österreich 2026
Regie: Joerg Burger