Szenenbild aus Beautiful and Neat Room Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Mitbewohner:innen: Die Familie, die man sich nicht aussucht.

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    Einen „beautiful and neat room“ bekommt man in Maries (Charlotte Aubin) Wohnung in Brooklyn für günstige 47$ pro Nacht. Die Künstlerin muss ein Zimmer ihrer Wohnung untervermieten, weil sie die Mietkosten allein nicht mehr stemmen kann. Marie hat grundsätzlich eine klare Vorstellung vom Typ Mensch, den sie gerne bei sich hätte: leise, sauber, verlässlich – mit einem Job außerhalb der Stadt und am besten nicht viel da. Immer wieder findet sie Personen, die grundsätzlich diesem Bild entsprechen würden und immer wieder stellt sich heraus, dass die einen oder anderen sich vielleicht anders präsentiert haben, als sie es tatsächlich sind.

    Maria Petschnigs Spielfilmdebüt erzählt vom Zusammenleben auf engstem Raum – die Untermieter:innen bekommen darin jeweils eine eigene Episode. Bei jedem neuen Einzug fallen gewöhnungsbedürftige Eigenheiten auf, aber was, wenn man sich an Gewöhnungsbedürftiges gar nicht gewöhnen kann? Da gibt es Rafer, der die Seife im Badezimmer unberührt lässt oder Niki, die durch ihr eigenes Heizgerät die Stromkosten verdreifacht. Brad, der zu viel Platz einnimmt, Jay, der zwar nett ist, aber manchmal lauten Sex hat. Fremde, die man eigentlich nicht als Freunde haben will und Freunde, die durch das gemeinsame Wohnen ein bisschen zu Fremden werden.

    Maries Gefühl, im eigenen Zuhause zum ungebetenen Gast geworden zu sein, muss gar nicht ausgesprochen werden – das Unwohlsein steht ihr ins Gesicht geschrieben. Zwischendurch sehen wir ihre Online-Therapiesitzungen, bei denen sie ihr Herz über ihre kriselnde Beziehung sowie über ihre Zimmernachbarn ausschüttet. Mit niemandem scheint es zu klappen und irgendwann muss sie sich die Frage stellen: Bin ich selbst vielleicht das Problem?

    Durch das schmale Seitenverhältnis des Bildes schafft Petschnig ein klaustrophobisches Gefühl. Die Wohnung, um die es geht, ist auch wirklich nicht groß – teilen will man so etwas nur in akuter Not. Der Schauplatz wird nie verlassen, so entsteht ein dennoch abwechslungsreiches Kammerspiel. Die einzigen Ausnahmen sind die Montagen zwischen den Episoden, die das Leben in New York zeigen – das riesige Angebot an Kunst und Kultur, Straßenperformances, verrückte Charaktere – es ist nachvollziehbar, warum man dort sein will.

    Mit viel scharfem Humor und witzigen Figuren unterhält „Beautiful and Neat Room“ sein Publikum köstlich. Auch wenn das episodenhafte Erzählen eine leichte Ziellosigkeit hervorruft, schafft es der Film immer wieder, die Aufmerksamkeit, durch die absurden Charaktere und ihre Eigenheiten zurückzugewinnen. Die angesprochenen Themen, die oft banal klingen, aber in der Realität das harmonische Miteinander entscheidend beeinflussen, werden authentisch vermittelt. Jede Person, die schon einmal in einer Wohngemeinschaft gelebt hat, wird eine:n Mitbewohner:in wiedererkennen. Oder vielleicht sogar sich selbst?
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    (Martin Dadak)
    22.03.2026
    11:57 Uhr