Exklusiv für Uncut
Der Eröffnungsfilm des Cine Latino Festivals in Wien verfügt bereits über eine eindrucksvolle Festivalgeschichte und brachte seinen Schöpfer:innen unter anderem Anerkennung bei der Berlinale, beim Tribeca Film Festival und in São Paulo.
Er erzählt die Geschichte der Umweltaktivistin Juma Xipaya aus dem Herzen des Amazonas, die für den Schutz der indigenen Völker Amazoniens kämpft – von Protesten auf den Straßen bis hin zu einer Position im Kabinett des weltweit ersten Ministeriums für indigene Angelegenheiten im Parlament ihres Landes und darüber hinaus.
Die Kamera hält präzise fest und bringt nicht nur die „Schauseite“ hervor: internationale Besuche, Reden auf Konferenzen, Reportagen von Protestaktionen und Demonstrationen. Sie erforscht ebenso die intimen Momente in Jumas Leben: wie sie im Auto auf dem Weg zu einem Termin weint, weil sie ihre Familie nicht sehen kann. Wie sie ihr Gesicht mit Federn aus ihrem traditionellen Kopfschmuck bedeckt, damit niemand ihre Tränen sieht – und später nur ihre feste Stimme hört. Wie sie mit ihrem Sohn spielt, den sie so selten sieht, weil sie sich um seine Sicherheit sorgt. Wie sie am Flussufer mit ihrem Mann Hugo von einem Kind träumt. Die Beziehung der beiden bildet dabei eine eigene Erzähllinie des Films. Die Kamera erkundet behutsam, wie sie trotz aller Öffentlichkeit und inmitten von Krisen ihre Intimität bewahren. Wie in wenigen, aber aufrichtigen Worten Halt entsteht. Wie in der Figur der Aktivistin und öffentlichen Persönlichkeit die Verletzlichkeit eines liebenden Menschen sichtbar wird.
Der österreichische Regisseur Richard Ladkani („Sea of Shadows – Der Kampf um das Kokain des Meeres“) macht den Film auf fesselnde Weise unvorhersehbar. Der kontemplativ-meditative Rhythmus des großen Flusses wechselt sich mit lauten Szenen von Verfolgung, Schüssen, Explosionen und alarmierenden Nachrichtenbildern ab.
Diese Geschichte scheint sich ständig zu verwandeln: von der dokumentarischen Beobachtung aktivistischer Proteste auf heißen Straßen zu verzweifelten Diskussionen anhand von Bildern sterbender Kinder; vom Feiern eines Erfolgs zu der empörten Frage – Wo sind die Ergebnisse?; von der Tragödie eines Volkes zur persönlichen Entscheidung über den eigenen Lebensweg und den Ort, an dem ein starker Mensch sich nützlich fühlt. Und glücklich.