Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2026
Das Sterben ist im Kino omnipräsent - ja, sogar im Teenie-Film. Das hat Jugendbuchautor John Green früh realisiert, der in seiner kitschigen YA-Romanze „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von inniger Liebe unter jungen Krebserkrankten erzählte. Zwar mit weniger Pathos, aber thematisch nicht unähnlich, kommt die neue Regiearbeit des Briten George Jacques daher. „Sunny Dancer“, heuriger Eröffnungsfilm des populären Berlinale-Jugendsektors „Generation“, spielt in einem Sommercamp für Teens, die eine Krebserkrankung hinter sich haben.
Ein Ferienlager für junge Krebsüberlebende
Die 17-jährige Ivy (Bella Ramsey) hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Dem Krebs eben erst besiegt, staut sich viel pubertäres Gefühlschaos in ihr auf. Die Jugendliche ist wütend und benötigt ein dringend, um Luft abzulassen. Allerdings nicht in der Form, die ihre Eltern (James Norton, Jessica Grunning) für sie vorgesehen hatten. Ohne der Tochter Bescheid zu geben, hat man sie bei einem Camp für Gleichaltrige mit ähnlicher Schicksalslage angemeldet. Auf dieses „Chemo-Camp“, wie es die junge Erwachsene nennt, habe sie gar keinen Bock. Ihren Zorn gibt sie bei Ankunft auch dem Campaufseher zu spüren: Patrick (Neil Patrick Harris, überrascht mit Tiefe), der mit mal mehr, mal weniger patscherter Berufsjugendlichkeit seine Campschützlinge zu motivieren versucht.
Zur Überraschung der frustrierten Jugendlichen, sollte sich ihre Gefühlslage bald zum Besseren ändern. Zimmergenossin Ella (Ruby Stokes) findet mit ihrer ansteckenden ADHS-Energie Anklang bei Ivy. Initialzündung einer Freundschaftsgruppe, die sich noch um vier Köpfe erweitern sollte. Sie sind die Outlaws, die Außenseiter, die Unangepassten im Camp. Und zu einem der Runde entwickelt Ruby eine ganz besondere Bindung: dem verletzlichen Jake (Daniel Quinn-Toye), in dessen Dackelblick sie sich verguckt.
Coming-of-Age-Heiterkeit trifft die Ungewissheit einer unheilbaren Erkrankung
Als Generationenporträt ist „Sunny Dancer“ hoch anzurechnen, dass hier spürbar Menschen am Werk saßen, die den Zeitgeist der Gen Z glaubhaft nachempfinden können. Meist frei von kitschigen Abzweigungen, schöpft das gewitzte Drama aus einer glaubhaften Atmosphäre sommerlicher Unbeschwertheit. Eine, in der prägende Erfahrungen fürs Leben gemacht werden: die sexuelle Selbstentdeckung, das Verarbeiten verinnerlichter Traumata, das heilende Band der Freundschaft. Der Sprung ins kalte Nass des Erwachsenenseins ist aber nicht immer bequem. Über aller sonniger Sorglosigkeit lauert ein Schatten der Ungewissheit. Der Krebs könnte jederzeit zurückkommen. Vor dieser bitteren Realität scheut „Sunny Dancer“ nicht zurück, verleitet das Publikum auf falsche Fährten, ehe er diesem den Boden unter den Füßen wegzieht.
Schlichter Feel-Good-Film ist dies, trotz bewusster Ansätze in die Richtung, nicht. Wahrscheinlich mit Grund, warum sich dieses eigentlich recht konventionelle Coming-of-Age-Drama am Ende doch so erfrischend anfühlt. I-Tüpfelchen obendrauf ist das wunderbare Ensemble, aus dem „Last of Us“-Star Bella Ramsey mit beeindruckender Verwundbarkeit heraussticht. Und darüber hinaus die wahrscheinlich jetzt schon tollste Tanzroutine des Kinojahres beinhaltet. Eine schöne Entdeckung.