Filmkritik zu Meine Frau weint

Szenenbild aus Meine Frau weint Fotos: Filmgarten
  • Bewertung

    Was hat uns bloß so ruiniert?

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2026
    Ein Kranfahrer und seine tanzbegeisterte Frau schlittern in eine Ehekrise, nachdem sie ihm etwas gebeichtet hat. Wie viel Ehrlichkeit erträgt eine Beziehung, und wie viel Dialoglast das Publikum?

    Film ist eine Kunstform, das ist schon einmal Konsens. Die Schönheit der Kunst wiederum, die liegt im Auge des Betrachters. Was die einen wunderschön und ergreifend ehrlich finden, tun andere als platt, flach, oberflächlich oder anderes ab. Die Meinung, die ein Kritiker zu einem Kunstwerk aufstellt, muss nicht zwangsläufig den Geschmack Anderer treffen – das sollte es aber auch gar nicht unbedingt, denn es erlaubt auch eine Diskussion ob des Für und Wider des Erlebten. Film, wie jede andere Kunstform auch, lebt von einer vielfältigen Betrachtung der Werke, die Jahr für Jahr im Kino aufgeführt werden, um von einem aufgeschlossenen Publikum rezipiert und rezensiert zu werden.

    Wie nun, nach diesen einführenden Bemerkungen, soll ich mich „Meine Frau weint“, dem neuen, sperrigen Drama der deutschen Filmemacherin Angela Schanelec, annähern? Ein Drama, das durchaus die Bezeichnung „Kunstkino“ verdient hat? Lange, zumeist statische Einstellungen. Schauspieler, die gar nicht groß versuchen, sich emotional in ihre Figuren hineinzuversetzen. Konflikte, die aufgeworfen und in langen Dialogszenen zerredet werden. Das trifft nicht jeden Geschmack, meinen bedauerlicherweise auch nicht. In 93 Minuten erzählt Schanelec von einem Ehepaar – Thomas (Vladimir Vulević) ist Kranfahrer, seine Frau Carla (Agathe Bonitzer) arbeitet in einem Kindergarten - das in eine Krise stürzt. Thomas erhält auf der Arbeit einen Anruf von der weinenden Carla. Als er sie abholt, beichtet sie ihm zögerlich, dass sie in einen verheerenden Autounfall geraten ist, bei dem ihr Tanzlehrer ums Leben gekommen ist.

    „Meine Frau weint“ mutet über weite Strecken wie ein abgefilmtes Theaterstück einer Laiengruppe an, von denen noch keiner über nennenswerte Schauspielerfahrung verfügt. Bonitzer, das sollte angemerkt werden, ist durchaus eine talentierte Aktrice, die bereits in Filmen ihres Vaters Pascal zu sehen war. Diese beabsichtigte Amateurhaftigkeit, die einem veristischen Schauspiel entgegenwirkt und so eine Einfühlung in die Figuren verhindert, kann in solchen Werken durchaus funktionieren, erfordert aber eine präzise Gratwanderung zwischen Absurdität und kalkuliertem Minimalismus. Ein Film, in denen die Figuren bewusst gegen alle gängigen Konventionen anspielen – ich denke dabei zum Beispiel an Jared Hess‘ Kultkomödie „Napoleon Dynamite“ (2004) – benötigt dafür genau die richtigen Zutaten: sympathische Figuren, eine interessante Geschichte, die auf ein Ziel hinsteuert und denkwürdige Momente. Schanelec bietet nichts davon.

    Die Dialoge sind lang und ausschweifend, drehen sich aber trotzdem nur im Kreis. Konflikte werden künstlich heraufbeschworen, führen aber ins Nichts. Statt Emotion oder gar Spannung herrscht in „Meine Frau weint“ nur Langweile. Die Monotonie und Ausdruckslosigkeit der beiden Darsteller stellt mich als Zuschauer vor eine Geduldsprobe, die sich über die gesamte 93 Minuten lange Laufzeit erstreckt. Es ist zumindest ein kurzweiliges „Vergnügen“, auf das man sich hier einlässt. Das minimale Design, wie etwa die langen Plansequenzen mit statischer Kamera, erlaube es einem sogar, während des Films sein Smartphone zu konsultieren, um sicherzugehen, nichts Weltbewegendes außerhalb des Kinosaals verpasst zu haben, ohne dass einem etwas auf der Leinwand entgeht. So hält man sein Publikum an der Stange, und zum Narren.

    Zweifellos der schwächste und rätselhafteste Wettbewerbsbeitrag der 76. Berlinale, ist „Meine Frau weint“ ein Film wie eine in die Länge gezogene Paartherapie. Man geht hin, weil man seiner Partnerin gegenüber in der Pflicht steht, wünscht sich aber währenddessen an einen anderen, unterhaltsameren Ort. Wenn es vorbei ist, weiß man nicht mehr, was man da eigentlich gerade besprochen hat.
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    (Manuel Oberhollenzer)
    23.02.2026
    21:48 Uhr