Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2026
Wer fürchtet sich vor Künstlicher Intelligenz? Viele. Und auch mit gutem Recht. Während die einen sich hirnlos dem Rausch der seelenlosen KI-Bildchen und -Videos hingegeben haben - gerade in Sozialen Medien ein verstörendes Phänomen - fürchten Kreative um ihre berufliche Zukunft. Nicht etwa, weil Tools wie Chat GPT, Sora, und wie sie nicht alle heißen, sich tatsächlich mit dem schafferischen Geist des Menschen messen können. Problem sind die Entscheidungstragenden in Führungspositionen, die keine Unterschiede zu erkennen vermögen. Oder willentlich ignorieren, um Arbeitskräfte einzusparen. Branchen rebellieren, so auch die Filmindustrie. Regisseur Gore Verbinski, Erbauer reicher Blockbuster-Welten wie jener der ersten „Fluch der Karibik“-Trilogie, will sich nicht kampflos den Maschinen ergeben. Sein neuester Film, der erste seit dem 2016 erschienenen Horror-Flop „A Cure For Wellness“, liest sich als wütendes Statement am Puls der Zeit. Und unterhält darüber hinaus ziemlich gut.
Das Diner zum Ende der Welt
Ausgangspunkt dieser ausgeflippten Sci-Fi-Satire ist ein schlichtes amerikanisches Diner. Die Restaurant-Gäste staunen nicht schlecht, als eines Abends ein durchgeknallter Herr in Alu-Rüstung (Sam Rockwell) hineinstürmt und das Ende der Welt verkündet. Er stamme aus der Zukunft und suche nach Auserwählten, die ihm helfen würden, Schlimmstes zu verhindern, so der zerzauste Namenslose. Er habe schon zigfach ebendieses Diner betreten, bisher erfolglos. Ob die neue Suche nach Kumpanen gelingt? Er rekrutiert ein kleines Team an willigen Helferinnen und Helfern, darunter verheiratete High-School-Lehrer (Michael Peña, Zazie Beetz), eine trauernde Mutter (Juno Temple) und eine junge Frau mit ungewöhnlicher Erkrankung – auf jede Form der Technologie reagiert sie nämlich allergisch (Haley Lu Richardson). Ihr gemeinsamer Feind: die Künstliche Intelligenz, in deren Gefahrenzonen sie alle schon vorab hineintappen mussten.
„Black Mirror“ lässt grüßen
Nach einer überdrehten Eröffnungssequenz, nimmt sich Verbinski Zeit, seine Figuren zu vertiefen. Mittels Rückblenden werden Hintergründe und Beweggründe, Ängste und Abwehrmechanismen aller handlungstragenden Charaktere erläutert. „Black Mirror“ im Miniepisoden-Format, könnte man meinen. Denn was Verbinski hier auftischt, ist ein Sammelsurium tragikomischer Kleinoden, die Gefahrenquellen moderner Technologie in Zeiten turbokapitalistischer Prinzipien präzise sezieren. Etwa Firmen, die dezidiert Menschen ködern, die an einem vulnerablen Endpunkt stehen: der Trauer, der Hoffnungslosigkeit, dem Glaube, in dieser Welt, nie seinen Platz zu finden. In diesen voneinander losgelösten Flashbacks entfaltet „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ - eine Phrase, die auch immer wieder fällt - sein größtes Potential. Dem Weltrettungsplot rundherum mangelt es im direkten Vergleich an Originalität. Ein Zitatefeuerwerk quer durch die Science-Fiction-Historie wird losgeschossen, bei dem aber nicht jede Idee zündet. In Richtung Finale hat Verbinski sein maximalisches Monstrum so umständlich verkompliziert, dass man sich ein wenig mehr Zurückhaltung wünscht. Als zeitgeistiger Anti-KI-Blockbuster ist diese Sci-Fi-Comedy aber durchaus mutig, aufgeweckt und mit pfiffigen Ideen überhäuft. Ja, wahrscheinlich der einen oder anderen zu viel. Aber: chaotic times demand chaotic art. Mission erfüllt.