Exklusiv für Uncut
Hundebesitzerinnen und -besitzer kennen diesen Moment nur zu gut: Beim nächtlichen Spaziergang bellt der geliebte Vierbeiner plötzlich lauthals gegen ein Gebüsch. Dahinter: rein gar nichts. Zumindest für uns. Wo Herrchen und Frauchen weit und breit nichts sehen, wittert der tierische Urinstinkt bereits große Gefahr herbeikommen. Mit seinem Regiedebüt „Good Boy“ versucht der Amerikaner Ben Leoneberg die Lücken in der Kommunikation zwischen Tier und Homo Sapiens zu füllen, die das bloße menschliche Auge nicht zu erkennen vermag.
Durch die Brille eines Vierbeiners
Der Horrorthriller setzt alles daran, sich unmittelbar in die Perspektive des knuffigen Indy zu versetzen. Der „gute Junge“ im Mittelpunkt dieser erzählerisch simplen Idee ist im Übrigen auch im realen Leben stolzer Goldschatz von Regisseur Leoneberg. Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever (ja, so nennt sich tatsächlich eine Hunderasse) hat sich mit Besitzer Todd (Shane Jensen) frisch in eine Waldhütte zurückgezogen. Man möchte dem Großstadttrott entkommen. Und sich die letzten Lebensmonate einigermaßen idyllisch gestalten. Todd ist nämlich schwerkrank, spuckt andauernd Blut und verliert zunehmend Kontrolle über sein Bewusstsein. Indy passt der Umzug gar nicht in den Kram. In dunklen Ecken erspäht er sinistere, dem humanen Auge unsichtbare Kräfte, die Todd allmählich befallen und nicht mehr loslassen. Doch Indy will sein geliebtes Herrchen nicht einfach ziehen lassen. Die treue Seele, die er ist, stellt sich dem Spuk mit wackerem Einsatz.
Von Trauer und Treue
Günstig produziert, ist „Good Boy“ ein Experiment, das nach Gimmick schreit, aber die knapp 80 Minuten Laufzeit mit Hochspannung trägt. Der Dialog der Menschen ist Beiwerk – oft bewusst verzerrt, um die Egoperspektive des zotteligen Protagonisten zu verstärken. Vor allem aber begeistert dieses klug inszenierte und von seinem tierischen Hauptdarsteller außergewöhnlich ausdrucksstark getragene Gedankenspiel in seinen ruhigen Momenten. Wenn die Dämonen - subtil ist der Film nicht unbedingt in seinen Sinnbildern – sich deutlich zur Metapher auf einen nicht länger entrinnbaren Tod verdichten. Wenn der unbändige Mut dieses Vierbeiners uns Tränen vergießen lässt. Ohne erzwungenes Melodrama, sondern primär durch die genuin vermittelte Liebe von Vier- zu Zweibeiner. Diese Beziehung, die wohl treueste in jedem Menschenleben, fängt „Good Boy“ so nahegehend ein, wie man es zuvor selten im Kino erlebt hat. Schon gar nicht im Horrorkino. Wau!