Szenenbild aus Der Teufel trägt Prada 2 Fotos: 20th Century Fox, The Walt Disney Company
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    Liebreizend glattgebügelt: Rückkehr der Prada-High Heels

    Exklusiv für Uncut
    Vor genau 20 Jahren wollte sich Anne Hathaway als Andrea Sachs in der Modebranche behaupten und stieg die Stufen zur Hölle hinunter. Als Assistentin der demütigenden Miranda Priestly trat sie Meryl Streep und ihrer ikonischen Rolle der Chefredakteurin des fiktiven Modemagazins „Runway“ gegenüber. 2006 sorgte „Der Teufel trägt Prada“ für einen gewaltigen Impact. Zwar durchwachsene Kritiken für ein halbherziges Assimilations-Satire-Drama, zugleich aber Kassenschlager, Musical- sowie Diskursvorlage und Kultobjekt mit leidenschaftlicher Fangemeinde. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Modeteufel erneut in seine roten Prada-High Heels schlüpft.

    Schon der erste Teil beruhte auf der literarischen Selbsttherapie der realen Vogue-Assistentin Lauren Weisberger. 2013 folgte mit „Revenge Wears Prada: The Devil Returns“ eine Fortsetzung, die sie aus Gründen der Gewinnmitnahme wegen des Filmerfolgs schrieb. Auch die zweite Verfilmung orientiert sich lose daran. Was ist aus den beliebten Figuren geworden? Die Vorfreude kannte kaum Grenzen: Der Trailer avancierte zum meistgesehenen Comedy-Trailer der letzten 15 Jahre. Das Team erhofft sich einen ähnlichen Hype wie bei „Barbie“: stilsichere Kleidung in den Kinosälen und ein Social Happening. Während wir uns mühelos an die ersten Schritte von Andy Sachs und die Komödie um die hyperschlanke Plastikpuppe erinnern, hat Miranda Priestley ihre frühere Untergebene längst vergessen.

    Denn Andy, inzwischen ausgezeichnete Journalistin, kommt zurück an ihren alten Arbeitsplatz. Dieser steht nicht nur durch die schnelllebige Viralität des Internets unter Druck. Auch der Sohn des früheren Eigentümers („The Office“-B.J. Novak) gefährdet mit seiner Sparpolitik das Vermächtnis, möchte das Magazin einstampfen. Zusammen mit Nigel (Stanley Tucci) und Emily (Emily Blunt) formiert Andy ein Team gegen das junge MBA-Consulting-Management und muss „Runway“ retten. Dass diese Frontenbildung in der hochkompetitiven Arbeitsumgebung nur bedingt nachvollziehbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Spaß macht dieser Film trotz wieder absehbarer Heldinnengeschichte dennoch.

    Mehrere Konstanten machen die pompöse Rückkehr aus: gleicher Cast, gleiche Crew, gleiche Handschrift. David Frankel kehrt auf den Regiestuhl zurück, Aline Brosh McKenna verantwortet erneut das Drehbuch, und hinter der Kamera sorgt der Deutsche Florian Ballhaus für die vertraute Bildsprache. Sie erzeugen den poppigen Stil mit knackigen Dialogen und glitzernden Locations wie New York oder Mailand. Außerdem brilliert das Staraufgebot: Hathaway, Tucci, Blunt, Streep und Tracie Thoms (als Andys beste Freundin) führen ihre Rollen fort. Mit Justin Theroux, Kenneth Branagh, Lucy Liu und einem schillernden Cameo-Cast von Donatella Versace bis Lady Gaga protzt „Der Teufel trägt Prada 2“ mit Real-Life-Glamour, wobei er sich ab und an in inhaltsirrelevanten Schauwerten der Stars suhlt.

    Über allem steht jedoch One-and-Only Meryl Streep. Ihr erster Kinofilm seit über 5 Jahren ist eine Erinnerung an ihre Präsenz. Glücklicherweise ist aber kein Karriereende in Aussicht: die Schauspielerin mit sage und schreibe 21 Oscarnominierungen selektiert nur sorgfältig und begeisterte zuletzt in Streaming-Serien-Produktionen. Wenn sie abermals in die Rolle der kühlen Chefin schlüpft, ihr Worte wie „Body Positivity“ nur widerwillig über die Lippen kommen und sie angewidert in der Flugzeug-Business-Class sitzt, hat der Film seine humorvollen, leichten Momente. Vielleicht blicken wir später auf einen der letzten großen Kinofilme der Grand Dame zurück.

    Stumpf hingegen ist die kritische Schneide: der Hired-Fired-Kapitalismus, die Vereinzelung in der Lohnarbeitswelt und das klimaschädliche Fast Fashion-Businessmodell werden nur kurz angedeutet. Dafür punktet Teil zwei mit mehr Tiefgang, mehr Figurenentwicklung in Zwischenräumen und tränenden Augen, wenn harte Charakterschalen aufgeknackt werden. Es ist weniger Andys private Liebes-Seifenoper als das Aufweichen von Hierarchien im Sinne von Teamwork, wobei es nie zu einer deutlichen Kritik kommt. Herrschende und Beherrschte bleiben auch in dieser sentimentalen Reflektion stets dieselben.

    Fazit: Souverän stolziert die Fortsetzung der stilprägenden Fashion-Filmikone über den Laufsteg: „Der Teufel trägt Prada 2“ wird getragen von charmanter Schauspielchemie und überbordendem Kostümdesign. Meryl Streep und Anne Hathaway glänzen spielfreudig in dieser geschniegelten, blitzlichtgetränkten Hochglanzwelt, deren Demontage mehr Mut vertragen hätte. Stattdessen verliert das Mode-Melodram in der zweiten Hälfte an Energie und flüchtet sich in eine versöhnliche Glätte. So bleibt das Schaulaufen gefällig, schick, nett und richtet sich unspektakulär im Kino-Mittelfeld ein - was in der Epoche postmoderner Ideenmüdigkeit positiv überrascht!
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    (André Masannek)
    29.04.2026
    18:08 Uhr
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