Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
„Arco“ beginnt mit Bildern, die an die Welten von Hayao Miyazaki erinnern – Himmel, Wolken, Leichtigkeit. Doch dann fällt ein Regenbogen – als Mensch – irgendwo in eine ferne Zukunft, in der die Erdoberfläche längst unbewohnbar geworden ist. Die landwirtschaftliche Idylle der ersten Minuten entpuppt sich als künstlich erschaffen – auf einer Plattform, oder besser gesagt, auf einer ganzen Reihe von Plattformen, auf denen die Menschen in Familien leben.
Produzentin des Films ist Natalie Portman, bekannt aus „Black Swan“ und „Mr. Magorium’s Wonder Emporium“. „Argo“ wurde im Mai dieses Jahres erstmals bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Regie führte Ugo Bienvenu, ein renommierter französischer Illustrator und Animator, Autor von Graphic Novels und Musikvideos. Er entwarf sogar einmal Schals für Hermès – natürlich mit einem kosmischen Motiv. „Arco“ ist sein erster abendfüllender Animationsfilm. Beim angesehenen Annecy International Animation Film Festival – dem ältesten Animationsfestival Europas und dem „Cannes der Animation“ – wurde „Arco“ mit dem „Cristal“ als bester Langfilm des Jahres ausgezeichnet.
„Arco“ wird als ökologischer Animationsfilm beschrieben, doch es steckt weit mehr dahinter – nämlich das, was französisches Kino wirklich französisch macht: die Liebe. In diesem Fall in einer kindgerechten Form – über das Entstehen von Zuneigung, über das, wozu Menschen schon in ihrer Kindheit fähig sind. Und es geht nicht nur um Liebe zwischen „ihm und ihr“, sondern um die Liebe an sich – oder öfter noch um Einsamkeit, wenn der Einzige, der dich versteht, ein veraltetes Robotermodell ist.
Dieser Film ist tatsächlich ein Familienfilm. Wo Kinder Abenteuer und Fantasie sehen, erkennen Erwachsene sich selbst wieder: in Eltern, die so beschäftigt sind, dass sie im Leben ihrer Kinder nur noch als Hologramme auftauchen – und selbst das nur gelegentlich. Oder in Eltern, die so sehr in ihren eigenen Entdeckungen versunken sind, dass sie ihr Kind verlieren. In Robotern, die ihre Aufgaben schematisch, ruhig, regelkonform – und gerade dadurch mit einer gewissen Grausamkeit erfüllen. In Erwachsenen, die ihr Leben damit verbringen, nach einem Hinweis zu suchen, statt auf die Träume ihres eigenen Kindes zu hören. Und doch gibt es in diesem Film keine Bösewichte – alle handeln aus den besten Absichten.
Viele Witze sind eindeutig an Erwachsene gerichtet, ebenso wie die erstaunlich reifen Gespräche der jungen Hauptfiguren. Lehrer sind hier Roboter, das Kindermädchen erleidet einen „Mikrochip-Burnout“, und die drei „Schurken“ erinnern eher an Komödianten. Auch die ökologische Botschaft ist fein verwoben: Der Film erklärt nicht, wie und warum die menschlichen Siedlungen in dieser „Vergangenheit der Zukunft“ täglich von Naturkatastrophen bedroht werden. Die Menschen leben einfach damit – geschützt durch Schirme und Roboter – als wäre es selbstverständlich.
Darüber hinaus ist „Arco“ atemberaubend schön animiert, und die Musik – für die Komponist Arnaud Toulon den „SACEM Award for Best Original Music in a Feature Film“ erhielt – drängt sich nie in den Vordergrund, sondern schafft eine poetische, intime Atmosphäre.
Eine Geschichte, nach der man sich vornimmt, das eigene Kind noch heute fest in die Arme zu schließen. Und wenn Sie das Kino Hand in Hand mit Ihrem Kind verlassen, wird es Sie vermutlich nicht nach Ökologie fragen – sondern Sie werden sich vielleicht an Ihre eigene erste Liebe erinnern.
Denn: „Ich war auch einmal in ein Mädchen verliebt … aber ich hatte Angst, es ihr zu sagen.“ – „Und was ist dann passiert?“