Exklusiv für Uncut
Nachdem Steven Spielberg vor gut drei Jahren seine Kindheitserinnerungen inklusive seiner Berufung zum Filmemachen in dem etwas eigenwillig-zähem Werk „The Fabelmans“ aufgearbeitet hat, schenkt er uns dieses Jahr zum Sommerstart etwas, das wie ein klassischer Sci-Fi-Action-Blockbuster aussieht. Eine Großproduktion, die sich mit einem Thema auseinandersetzt, das den Regisseur schon seit langem umtreibt und das er auch davor schon in „E.T.“ oder „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ bearbeitet hat: Außerirdisches Leben und all die Fragen, die es aufwerfen würde, sollten wir Menschen nicht die einzige Spezies sein, die in diesem Universum existiert.
Der Plot von „Disclosure Day“ lässt sich nur relativ kryptisch umreißen, ohne zu viel zu verraten. Die TV-Meteorologin Margaret Fairchild (Emily Blunt) wird live auf Sendung von rätselhaften Phänomenen heimgesucht. Die Behörden versuchen zu vertuschen, was hinter diesen Anwandlungen stecken könnte. Währenddessen entdeckt der Cybersecurity-Experte Daniel Kellner (Josh O’Connor), angestellt bei der regierungsnahen Firma Wardex unter der Leitung des zwielichtigen Noah Scanlon (Colin Firth), Bildmaterial, das zur Aufklärung dieser und noch größerer Fragen dienen könnte…
Spielberg dekonstruiert den klassischen Hollywood-Blockbuster einmal mehr mit den Mitteln eben dieses Blockbuster. Denn ja, visuell ist dieser Film das, was man in diesem Genre erwarten kann: Spektakuläre Action-Sequenzen, enorm spannende Verfolgungsjagden, faszinierende Effekte – mit Ausnahme der CGI-Tiere, die man zuletzt auch im Michael-Jackson-Biopic „bewundern“ konnte und die hier ähnlich enttäuschend visualisiert worden sind. Auch inhaltlich wird ordentlich geklotzt und Spielberg, nach dessen eigener Idee „Disclosure Day“ entstand und der hier auch am Drehbuch mitwirkte, widmet sich den fundamentalen Themen wie dem (vermeintlichen) Kampf von Gut gegen Böse, was hält die Welt im Ganzen zusammen, was kann die Fähigkeit der Menschen zur Empathie bewirken.
Aber: Dem Zuseher bzw. der Zuseherin wird bei „Disclosure Day“ einiges abverlangt, das wir eher aus dem Arthouse-Kino kennen. Denn die Handlung entwickelt sich zwar (fast) linear, allerdings werden uns die Informationen, die wir brauchen, ziemlich bruchstückhaft serviert. Es dauert geraume Zeit, bis klar wird, wie die einzelnen Handlungsstränge zusammenhängen und was die Protagonisten miteinander verbindet. Der Plot spitzt sich auf einen eindrucksvollen Showdown zu, doch auch dieser gestaltet sich dann doch abweichend der üblichen Mainstream-Gesetzmäßigkeiten und Publikumserwartungen. Ein bisschen erinnert es an die Herangehensweise eines Christopher Nolan.
Der 145-Minuten-Streifen hat zweifellos auch die eine oder andere Länge, auch das eine oder andere Klischee zu verantworten. Auf der Plus-Seite steht aber neben der hochkarätigen Besetzung – wir sehen den Indie-Liebling Josh O’Connor in seiner ersten großen Hollywood-Produktion und Colin Firth mutig gegen seinen Typ besetzt – vor allem der Fakt, dass man sich lange nach Verlassen des Kinosaals noch mit dem Stoff beschäftigen kann. Beispielsweise damit, welche Macht Medien heute immer noch haben (sollten) und wie Spielberg es eigentlich mit der Religion hält.
Spielberg liefert also, wenn man so will, einen Actionkracher für die Neigungsgruppe (Quer-)Denker.