Filmkritik zu Michael

Szenenbild aus Michael Fotos: Universal Pictures International
  • Bewertung

    Michael – Eine auf der Ausblendung von Missbrauch basierende Huldigung

    Exklusiv für Uncut
    Dieses Biopic setzt Michael Jackson ein Denkmal. Es beginnt 1966 in Gary, Indiana als Michael als kleiner Bub von acht Jahren unschuldig in die Kamera blickt. Die spürbare Melancholie darin deutet schon Michaels verlorene Kindheit an. Sein Talent sticht in der Band mit seinen Brüdern, den „Jackson Five“, hervor und er schafft es von diesem Alter an, die Menschen im Publikum in seinen Bann zu ziehen.

    Michael wird im Film von Michael Jacksons Neffen Jaafar Jackson gespielt. Die Familie nimmt im Film eine zentrale Rolle ein, insbesondere der patriarchale Vater Joseph, der den jungen Michael nach einem Auftritt ohne nachvollziehbaren Grund mit seinem Gürtel schlägt. Joseph begleitet Michaels Karriere bis in die 80er-Jahre, in denen er mit „Billie Jean“ und „Bad“ große Erfolge feiert, die detailgetreu, mit viel Pomp und zu umfangreich dargestellt werden. Kreischende Fans, insbesondere Mädchen kommen immer wieder ausschließlich in dieser Rolle vor. Undankbar ist, wie Mädchen und Frauen, wenn überhaupt, in diesem Film vorkommen! Oft sind ausschließlich Männer im Bild. Der Zeit geschuldet könnte man meinen, doch heute ist es etwas, aber nicht um soviel besser bezüglich gesellschaftlicher Gegebenheit und besonders noch immer nicht im Musik-Business!

    Die Manager von Michael sind also die dicken, alten, weißen Männer, jene Hauptakteure des Kapitalismus, die Michaels Erfolg aufbauen und davon profitieren. Eine intensive Szene passiert, als Michael seinen Vater von seinem Nachfolger per Fax kündigen lässt, was dieser mit einem weiteren Manipulationsversuch natürlich nicht auf sich sitzen lassen will. Die Victory-Tour organisiert er noch. Mit einer überlangen Konzerteinheit endet der Film. Ein zweiter Teil soll folgen.

    Michaels Privatleben wird im Kreise seiner Familie dargestellt. Die Mutter ist eine Sympathieträgerin mit der Michael viel verbindet, wie beim gemeinsamen Schauen von Charlie-Chaplin-Filmen, abgebildet ist. Sie wird neben Joseph als passive Ehefrau dargestellt, die still lächelt. In manchen Dialogen mit ihm schafft sie es jedoch ihm Kontra zu geben.

    Michaels Vorliebe, ein Schimpansen-Baby in seinem Zimmer auf Neverland zu halten, wirkt befremdlich. Auch seine Besuche bei kranken Kindern im Spital, sowieso seine Vorliebe für Kinderspielzeug und eine absolute Infantilisierung seines Lebens weisen darauf hin, was der Film glimpflich ausspart, obwohl es im Mainstream bekannt und gerichtsanhängig ist: Michaels sexuelle Vorliebe für kleine Kinder.

    Die Jackson-Nachlassverwalter konnten dafür sorgen, dass dies im Film nirgends auftaucht, was einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Als ob die Pädophilie Michael Jacksons unter den Teppich gekehrt werden könnte.
    (Dominika Krejs)
    26.04.2026
    08:43 Uhr
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