Filmkritik zu The Menu

Bilder: 20th Century Fox, The Walt Disney Company Fotos: 20th Century Fox, The Walt Disney Company
  • Bewertung

    Welcome to Hawthorne

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Anya Taylor-Joy wird seit ihrem Durchbruch mit „The Witch“ (2015) als eine der vielversprechendsten Schauspielerinnen ihrer Generation gehandhabt. Nach der Zusammenarbeit mit hochkarätigen Regisseuren wie Edgar Wright und dem Erfolg der Netflix-Serie „Das Damengambit“ widmete sie sich nun dem neuesten Projekt von Mark Mylod, der vor allem durch seine Regietätigkeit bei Serien wie „Game of Thrones“ oder „Succession“ bekannt ist. Die Uraufführung von „The Menu“ fand auf dem Toronto International Film Festival statt.

    Margot (Anya Taylor-Joy) begleitet den Feinschmecker Tyler (Nicholas Hoult) zu einem Essen nach Hawthorne. Die Insel beheimatet das Gourmet-Paradies des renommierten Chefkochs Slowik (Ralph Fiennes), das nicht nur das im Zentrum stehende stylische Restaurant des Starkochs enthält, sondern auch einen Ort bietet, in dem alle möglichen Lebensmittel selbst angebaut und produziert werden. Slowiks Assistentin Elsa (Hong Chau) kümmert sich um die Gästeliste, die neben dem jungen Paar auch noch die Restaurantkritikerin Lillian Bloom (Janet McTeer) samt Redakteur (Paul Adelstein), einen Schauspieler (John Leguizamo) mit seiner Assistentin (Aimee Carrero), drei Mitarbeiter einer Tech-Firma (Arturo Castro, Rob Yang, Mark St. Cyr) sowie das Ehepaar Richard (Reed Birney) und Anne (Judith Light) umfasst. Das Dinner verspricht für alle Beteiligten ein besonderer Abend zu werden.

    „1250 Dollar pro Person?“ fragt Margot erstaunt, nachdem sie den Preis für Slowiks extravagantes Gänge-Menü erfährt. Schnell wird klar: Hawthorne ist exklusivem Besuch vorenthalten. Und wer kann diesen besser verkörpern, als ein beispielloser Cast, der einem das Gefühl vermittelt, keinen einzigen der Charakter missen zu wollen. Angefangen bei Ralph Fiennes, dem die Rolle des Slowik wie auf den Leib geschrieben zu sein scheint bis hin zu Anya Taylor-Joy, die die perfekte Leading Lady gibt: „The Menu“ kann mit einer stimmigen Besetzung punkten, die einen skurrilen Haufen an wild zusammengewürfelten Menschen in äußerst gewitzter Weise darstellt. Vor allem Janet McTeer als Restaurantkritikerin ist herrlich prätentiös.

    Gerade auch dank der zahlreichen Essensvariationen und kulinarischen Besonderheiten wird „The Menu“ zu einem regelrechten Augenschmaus. Der tadellosen Inszenierung mag zwar hin und wieder eine narrative Leerstelle entgegenwirken, allerdings pendelt sich dann vor allem gegen Ende ein effektiver Erzählrhythmus ein - Grand Finale inklusive. Der Humor kommt dabei auch nicht zu kurz – Nicholas Hoult trägt einen signifikanten Teil dazu bei – wobei der Film ohnehin ständig zwischen Spannung und Komik zu schwanken scheint. Genauso wie die Stimmung unter den Zuschauer*innen wohl zwischen Unbehagen und Neugier schwanken wird.

    Bereits im Trailer zu „The Menu“ erhielt man einen exquisiten Vorgeschmack auf die Richtung, die der Ensemblefilm ansteuern wird. Die kluge und gut durchinszenierte Satire erscheint für manche vielleicht in seiner Ausführung zu willkürlich, letztendlich liefert sie aber vor allem eines: gute Unterhaltung. Und demonstriert Mylods Inszenierungsgeschick, der die originellen Charaktere hier perfekt in Szene gesetzt hat. Slowiks „Nicht essen! Schmecken!“ hallt da sicherlich noch lange nach.
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    (Marion Schlosser)
    05.11.2022
    23:07 Uhr