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    Like A Virgin

    Exklusiv für Uncut vom Sundance Film Festival
    Lena Dunham gilt als kontroverse Figur in der Unterhaltungsindustrie. Die Schöpferin der HBO-Erfolgssitcom „Girls“ spaltet oftmals die Gemüter, sowohl mit ihrem künstlerischen Schaffen als auch mit diversen Aussagen, die sie als Privatperson getroffen hat. Ähnlich erging es bisher auch „Sharp Stick“, Dunhams ersten Spielfilm seit „Tiny Furniture“ aus dem Jahre 2010. Nach der Premiere beim Sundance Film Festival hagelte es online massiv Kritik. Weshalb Dunhams neuer Streich aber trotzdem einen Blick wert ist, erfährt Ihr im folgenden Text.

    Vorerst aber: wovon handelt der Film denn überhaupt?
    Im Vordergrund steht die 26-jährige Sarah Jo (Kristine Froseth), die gemeinsam mit Mutter Marilyn (Jennifer Jason Leigh) und Schwester Treina (Taylour Paige) in einem Apartment-Komplex am Rande von Los Angeles lebt. Bislang hatte die naive junge Frau ein sexloses Leben. Doch als die Babysitterin ihre Jungfräulichkeit an ihren Arbeitgeber Josh (Jon Bernthal) verliert, wird eine zuvor unbekannte, wilde Seite in ihr geweckt.

    Das bisherige Oeuvre Lena Dunhams zeichnete sich stets durch einen offenen (wenn zuweilen auch plump provokativen) Umgang mit dem Thema Sexualität aus, der auch hier wieder klar zu Tage tritt. Heiter erforscht die Komödie das späte sexuelle Erwachen ihrer Hauptfigur und die neuartigen Gelüste, die damit einhergehen. Mit ihren Werken bricht die 35-jährige Dunham gern mal gesellschaftliche Tabus, was auch in ihrem neuen Film klar erkennbar wird. Als Protagonistin Sarah Jo nach ihrem ersten Mal auf den Geschmack kommt, begibt sie sich auf einen Selbstfindungstrip sexueller Natur. Häufig tabuisierte Stellungen und Positionen werden hier frivol und ohne jegliche Spur von Scham ausgelebt. Die offene Darstellung von Sex kommt im sonst oft eher prüden Hollywood-Kino des digitalen Zeitalters fast schon erfrischend daher. Doch schafft es Dunham, ihren Film nicht in oberflächliche Provokationskunst zu versenken, sondern ein Portrait der sexuellen Selbstentdeckung einer jungen Frau zu zeichnen, das sich in seinen Beobachtungen gleichermaßen ehrlich wie authentisch anfühlt. Hauptdarstellerin Kristine Froseth stellt die Wandlung Sarah Jos von einer naiven Jungfrau in den späten Zwanzigern hin zu einer sex-positiven Frau, die ihre wilde Seite entfesselt, mit großer Glaubwürdigkeit dar. „The Punisher“-Star Jon Bernthal weiß als sexuell frustrierter Familienvater, der seine Macht als Arbeitgeber missbraucht, ebenso zu überzeugen.

    Die sprunghafte Erzählung mag stellenweise in Leerlauf geraten, doch untermauert das ohnehin weniger storybasierte und vielmehr beobachtende Narrativ den Realismus des knapp 80-minütigen Films. Lena Dunham ist mit „Sharp Stick“ eine scharfsinnige und trotz ihrer provokanten Natur einfühlsame Komödie über das sexuelle Erwachen einer Mittzwanzigerin gelungen: spritzig, charmant und angemessen sinnlich.