Filmkritik zu After Yang

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Was bleibt, ist die Erinnerung

    Exklusiv für Uncut vom Sundance Film Festival
    Von Isaac Asimovs einflussreichen Romanklassiker „Ich, der Robot“ über filmgeschichtliche Meilensteine wie „Blade Runner“ und „Alien“ bis hin zu moderneren Beiträgen wie Alex Garlands „Ex Machina“: das Sci-Fi-Genre strotzt nur so vor Geschichten, die sich mit Künstlichen Intelligenzen und deren Beziehungen zum Menschen befassen. Doch wohl kaum ein anderer Filmemacher hat sich dem Thema in so poetischer und humaner Weise angenommen, wie es Kogonoda in seinem neuesten Werk tat. In „After Yang“ widmet sich der US-Amerikaner mit koreanischen Wurzeln, der bereits für sein Spielfilmdebüt ,,Columbus“ einiges an Lob kassierte, dem Moment unserer Kindheit, an dem wir erstmals mit dem Tod konfrontiert werden. Der Moment, an dem wir wohl oder übel lernen müssen, dass alles vergänglich ist. Der Moment, an dem die kindliche Unschuld zu bröckeln beginnt. Ja, selbst Maschinen können ein Ablaufdatum haben, wie Kogonadas imposantes Stück Sci-Fi-Kino verdeutlicht.

    Der Film spielt in einer undefinierten Zukunft, in der menschenähnliche Roboter sich unter Menschen gemischt haben und käuflich erworben werden können. Der Teeladenbesitzer Jake (Colin Farrell: angenehm subtil) und dessen Frau Kyra (Jodie-Turner Smith) haben ihrer chinesischstämmigen Adoptivtochter Mika (Malea Emma Tjandrawidjaja) einen empfindungsfähigen Androiden zugelegt, der dem Mädchen ihre kulturellen Wurzeln näherbringen soll. Eines Tages gibt Roboter Yang (Justin H. Min) aber plötzlich den Geist auf. Um die tieftraurige Mika zu besänftigen, setzt Papa Jake alles daran, dem ständigen Wegbegleiter ihrer Tochter neues Leben einzuhauchen. Doch der Android ist irreparabel. Durch die Hilfe einer Museumskuratorin gelingt es Jake immerhin auf den Speicher des humanoiden Roboters zuzugreifen. Mit einer Virtual-Reality-Brille unternimmt der Familienvater eine Reise ins abgespeicherte Unterbewusstsein Yangs und stellt anhand dessen Erinnerungen fest, dass dieser bereits ein Leben hatte, bevor er zu ihnen geschickt wurde.

    Das Sci-Fi-Drama wird von einer furiosen Eröffnungssequenz eingeleitet, die die Messlatte für den restlichen Film sehr hoch legt. Mithilfe einer bizarr-faszinierenden 'Dance-Battle'-Sequenz, die Erinnerungen an die fabelhafte Tanzszene aus dem thematisch nicht unähnlichen „Ex Machina“ weckt, werden sämtliche Figuren des Films gleich zu Beginn etabliert. Im Gegensatz zu den meisten K.I.-Filmen lebt „After Yang“ jedoch gerade von seiner ruhigen, melancholischen Atmosphäre und der minimalistischen Herangehensweise. Fern von dystopischen Schreckensfantastien á „Terminator“ kreiert Kogonada eine ästhetisch wie auch soundtechnisch überwältigende Zukunftsvision, in der Menschen und Maschinen friedlich koexistieren und einander gar bereichern können. In dieses futuristische Gerüst verpackt der Regisseur eine intime und herzzerreißende Geschichte über Verlust, Trauer und dem Wert der Erinnerung. So schwer es auch sein mag, eine liebgewonnene Person auf einmal zu verlieren und loszulassen: am Ende bleibt die Erinnerung.