Filmkritik zu Mother Schmuckers

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  • Bewertung

    Lang lebe das Ekel-Kino!

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Die belgische schwarze Komödie „Mother Schmuckers“ der beiden Brüder Lenny und Harpo Guit wurde im Jänner beim Sundance Filmfestival uraufgeführt. Inspiriert vom echten Leben handelt auch ihr Langspielfilmdebüt von zwei Brüdern, die von einem Schlamassel ins nächste geraten. Co-Regisseur Harpo selbst ist prominent als der seltsam anmutende Zabulon besetzt, das einzige bekanntere Gesicht im Film dürfte der Franzose Mathieu Amalric sein, der im Laufe seiner Karriere nicht nur zahlreiche César Awards mit nach Hause nehmen durfte, sondern auch an international erfolgreichen Filmproduktionen wie „Munich“ und „The Grand Budapest Hotel“ als Schauspieler beteiligt war.

    „Mother Schmuckers“ nimmt den Fäkalhumor sehr wörtlich: Der Gonzo-Streifen beginnt mit einer eindrücklichen Szene, in der die beiden Hauptcharaktere Issachar (Maxi Delmelle) and Zabulon (Harpo Guit) versuchen ihrer Mutter in der Pfanne angebratenen Kot als Essen zu verkaufen. Die degenerierten Brüder haben tagein tagaus nur Unsinn im Kopf verbringen ihren Alltag am liebsten damit der überforderten Frau Mama, eine alleinerziehende Sexarbeiterin in Brüssel, den letzten Nerv zu rauben. Nachdem die beiden beim versuchten Ladendiebstahl den von der Mutter über alles geliebten Hund January Jack verlieren, wird es dieser zu viel und sie wirft die beiden unwillkommenen Dauerblödler hinaus, sollten sie diesen nicht schleunigst zurückbringen. Doch auf ihrer verzweifelten Suche nach dem Vierbeiner und einer warmen Mahlzeit stiftet das Brüderpaar mehr und mehr selbst verschuldetes Chaos und reißen dabei zunehmend auch ihre Mitmenschen ins Verderben.

    Der Film setzt vor allem auf eines: Provokation. Von Nekrophilie über Tier-Orgien hin zu Exkrementen ist für Freunde des schlechten Geschmacks wirklich alles dabei - kein Wunder also, dass „Mother Schmuckers“ an frühe Werke von John Waters wie „Pink Flamingos“ erinnert. Als wahrlicher Marathon an Geschmacklosigkeit überwiegt der Ekel allerdings stets den eher situationsgebundenen Humor, was den Film nach einer Zeit beinahe zur Ausdauerübung in Sachen Nerven und Aushaltevermögen verkommen lässt.

    Zwischen experimentellen VHS-Sequenzen, einer liebevollen sympathischen Tanzchoreografie und einem Meta-Film im Abspann, ist es dem Regieduo gelungen viel Kreativität und Liebe zum Detail in die gerade mal 71 Minuten Lauflänge des Films zu packen, wobei auch hier nicht jedes Unterfangen zündet.

    Als Film, der die Grenzen von Anstand und Pietät nicht bloß austestet sondern diese gewollt mit Füßen tritt, ist das Zielpublikum des Films ein eher kleines. Nichtsdestoweniger sollte man dem Werk seine Avancen zum potenziellen Kult-Trash nicht absprechen. Kurz gesagt: Schöne Scheiße!
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    (Julia Pogatetz)
    30.09.2021
    21:41 Uhr