Filmkritik zu Mona Lisa und der Blutmond

Bilder: Polyfilm Fotos: Polyfilm
  • Bewertung

    New Orleans bei Nacht

    Exklusiv für Uncut
    2014 sorgte das Schwarzweiß-Drama „A Girl Walks Home Alone at Night“, welches auch als „erster iranischer Vampir-Western“ bezeichnet wurde, für so einige Furore am internationalen Filmfestivalhimmel. Die Regisseurin des Werkes, Ana Lily Amirpour, scheint nun wieder einen neuen Festivalhit geschaffen zu haben, statt der fiktiven iranischen Stadt „Bad City“ wird allerdings New Orleans von Amirpours skurrilen Charakteren aufgemischt. „Mona Lisa and the Blood Moon“ lief im Wettbewerb der 78. Internationalen Filmfestspiele in Venedig, in Österreich war der Film bereits im Zuge des Slash ½ zu sehen.

    Die titelgebende Mona Lisa (Jeon Jong-seo) findet sich nach ihrem Ausbruch aus der Psychiatrie in der Partyszene von New Orleans wieder. Hier macht sie schnell Bekanntschaft mit dem exzentrischen DJ Fuzz (Ed Skrein) und wenig später auch mit der Stripperin Bonnie Belle (Kate Hudson), die Mona Lisa bei sich zu Hause aufnimmt. Dies geschieht allerdings nicht ganz uneigennützig, denn Bonnie hat Mona Lisas Talent für Hypnose entdeckt und will dieses als Hilfsmittel für ihre Betrügereien nutzen. Doch schon bald ist ihnen Polizist Harold (Craig Robinson) dicht auf den Fersen. Und dann kommt dem ungleichen Duo auch noch Bonnies Sohn Charlie (Evan Whitten) in die Quere…

    Eines gleich vorweg: In „Mona Lisa and the Blood Moon“ erwartet einen mehr explizite Gewalt als gedacht. Was als regelrechter Body Horror beginnt, endet dann aber doch eher als philosophisches Gedankenexperiment rund um eine junge Frau, deren spezielle Fähigkeiten Fluch und Segen zugleich zu sein scheinen. Klingt unkonventionell? Ist es auch.

    Wir finden uns schnell in einem New Orleans voller Neonlichter und Disco-Musik wieder, was für eine ausgesprochen stimmige Atmosphäre sorgt. Der fulminante Soundtrack ergänzt die durchdachten Bildkompositionen äußerst passend, die Kameraführung von Pawel Pogorzelski („Midsommar“, „Hereditary“) unterstreicht die aufbrausende Stimmung nahezu perfekt. So wartet „Mona Lisa and the Blood Moon” auch mit allerhand komplexen Charakteren auf, die man nicht wirklich in Gut und Böse unterteilen kann und die sich ideal in die ausgefallene Welt von Ana Lily Amirpour eingliedern. Alles scheint im Endeffekt von einer dunklen Macht gesteuert, wenngleich die Beweggründe der Figuren trotz allem auch immer nachvollziehbar sind. Hauptdarstellerin Jeon Jong-seo entpuppt sich dabei als echter Glücksgriff und Kate Hudson brilliert hier in einer regelrechten Paraderolle.

    Manchmal etwas holprig erzählt, verzichtet das Drehbuch aber immerhin auf ein Klischee-Ende à la Hollywood und endet dann sogar mit einem zweckmäßigen Hoffnungsschimmer. Einiges wird im Laufe der Handlung angedeutet – beispielsweise Mona Lisas Nordkorea-Herkunft – und bis zum Schluss absichtlich offengelassen. Das mag vielleicht auf den ersten Blick etwas unkoordiniert erscheinen, auf lange Sicht macht diese Vorgangsweise allerdings schon Sinn und das Ganze gliedert sich so wenigstens gut in das Schema des Films ein.

    Fazit: Erzähltechnisch ausbaufähig, atmosphärisch top!
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    (Marion Schlosser)
    26.06.2022
    10:19 Uhr