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  • Bewertung

    Sargnagel spielt Sargnagel

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    Stefanie Sargnagel ist in den letzten Jahren zu einer der bekanntesten Figuren der heimischen Kunst- und Literaturszene avanciert. Ihre Erfahrungen als Mitarbeiterin eines Call-Centers veröffentlichte die Wienerin 2013 in ihrem ersten Werk „Binge Living“, weitere Bücher folgten und im Herbst 2020 wurde Sargnagels erster Roman „Dicht“ publiziert, in dem die Autorin ihre Teenagerjahre thematisiert. Mit ihrer direkten Art und einem kämpferisch-trotzigen Geist provoziert sie Konservative wie Rechte gleichermaßen mit Genuss. Nun wird der Kunstfigur Stefanie Sargnagel mit einem eigenen Film ein Denkmal gesetzt. Der Mockumentary-Genre-Mix mit dem puristischen Titel „Sargnagel - Der Film“ vom Regieduo Gerhard Ertl und Sabine Hiebler (Chucks, Anfang 80) war bereits seit mehreren Jahren geplant, die Dreharbeiten zum Film starteten nach Finanzierungsschwierigkeiten allerdings erst im Herbst 2020, inmitten der Corona-Pandemie. Neben Protagonistin Sargnagel sind unter anderem Michael Ostrowski und David Scheid, sowie Hilde Dalik in einer Doppelrolle, für welche sie kürzlich den Diagonale-Schauspielpreis entgegennehmen durfte, zu sehen. Zusätzlich kann man in kleineren Nebenrollen weitere Prominenz entdecken, wie etwa den Szenemusiker Voodoo Jürgens, den österreichischen Filmkritiker Alexander Horwath oder aber den deutschen Satiriker Jan Böhmermann.

    Der Film stellt zunächst eine geplante Produktion eines Films über die Wiener Autorin Stefanie Sargnagel in den Fokus, eine chaotische Produktion, dessen Produzent auf den Hype rund um die Schriftstellerin aufspringen möchte. Um Stefanie Sargnagel möglichst authentisch einzufangen, lässt er sie von einer Kameracrew in ihrem Alltag begleiten, der von verstopften Klos, über Alkoholgelage im berüchtigten Schmauswaberl hin zur ermüdenden Lesereise reicht. Mit großer Begeisterung sieht sich Hilde Dalik, die Sargnagel im Film darstellen soll und sich von der Rolle den heiß erwarteten Österreichischen Filmpreis erträumt, das dabei entstandene Material an. Als sich ihr Mann Michael Ostrowski allerdings in die Produktion einmischt und sich den Posten des Regisseurs unter die Nägel reißt, soll sich Steffi doch lieber selbst spielen. Dieser wird der Rummel um ihre Person aber allmählich zu viel.

    Die Produktion einer österreichische Meta-Mockumentary stellt in gewisser Weise ein Novum dar und birgt gleichzeitig ein hohes Risiko bezüglich Humors und Satire nicht beim Publikum zu landen. Bei „Sargnagel - Der Film“ ist das aber nicht der Fall, vor allem die Szenen, die Sargnagel in ihrer „natürlichen“ Umgebung zeigen wirken authentisch, ihre Texte und Lesungen werden gekonnt in die Geschehnisse des Films miteingebunden, ohne deplatziert zu wirken. Sargnagel, die eine Art alternatives Ich ihrer selbst mimt, gelingt es in ihrer ersten großen Rolle mit ihrer charmant-lustigen aber beinahe zurückhaltenden Art die Zuseher für sich zu gewinnen. Einzig allein jene Einstellungen, in denen die Satire zu überspitzt und offensichtlich forciert wird (beispielsweise in einer doch sehr aufgelegten Szene, in der das Produktions-Team das Ibiza-Video nachstellt), zünden nicht wirklich und bringen die Metaebene des Films ein wenig ins Wanken.

    Auch wenn „Sargnagel - Der Film“ von etwas mehr Fokus im Drehbuch profitiert hätte, ist das Werk ein mutiges Filmprojekt, voller Sprachwitz und dem der Kunstfigur Stefanie Sargnagel typischen ungehemmten Schmäh, das uns die kultige Autorin von einer ganz neuen Seite vorstellt.
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    (Julia Pogatetz)
    07.08.2021
    08:53 Uhr