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  • Bewertung

    Rotzig-freche Coming-of-Age Geschichte

    Exklusiv für Uncut
    In Dänemark, so weiß man aus der Literatur, soll mitunter so eingies faul sein. Das sei dahingestellt, denn jedenfalls und ohne Zweifel ist Dänemark die Heimat der beliebtesten und bekanntesten kleinen Plastik-Bauklötze der Welt. Lego ist in aller Munde und in vieler Kinder Hände rund um den Globus. In den letzten Jahren hat sich innerhalb der Welt von Lego auch ein eigenes Film-Universum aufgetan, dem viele anfangs zweifelnd gegenüberstanden. Inzwischen haben sich die Lego-Kinofilme bei den Fans und der Kritik mehr als etabliert - liefern sie doch solide und ein wenig böse, aber liebenswerte Unterhaltung, wenn man die Figuren grundsätzlich mag.

    Irgendwie muss der Hype um die Ninja-Serie („Ninjago“) weit über ihren engen Kreis hinauswirken, ansonsten hätte sich der große Erfolg dieses Filmes in Dänemark wohl kaum erklären lassen. Es geht nämlich diesmal um einen Ninja, ohne dass dabei Lego-Figuren vorkommen oder die Erzählwelt von Ninjago den Hintergrund liefern würde. „Der karierte Ninja“ ist einfach ein Animationsfilm aus Dänemark, der ein großer Hit war - ein so großer, dass er nun (wann auch immer) bei uns ins Kino kommen wird.

    Zentrum der Geschichte ist der junge Schüler Alex, der von seinem Bruder und eigentlich allen anderen auch ständig gehänselt wird und sich gegen diese Störungen einfach nicht zur Wehr setzen kann. Zu schüchtern, zu still, aber ständig leidend. Eines Tages bekommt er eine Ninja-Stofffigur geschenkt, eine ganz untypische mit kariertem Anzug, über die sich bald auch die ersten lustig machen, ähnlich wie über Alex. Doch was Alex noch nicht weiß: die Figur wurde in der Fabrik, in der sie hergestellt wurde, durch einen magischen Blitzschlag zum Leben erweckt und ist lebendig - sehr lebendig sogar, denn sie wird zum ultimativen Beschützer, Unterstützer und bestem Kumpel für Alex. Er zeigt ihm, wie man es den anderen zeigt, keine Beleidigungen auf sich sitzen lässt und aus jeder Konfrontation (und sei es nur mit der großen Klappe) als Sieger hervorgeht. Für Alex ist sein neuer Freund zuerst ein Geschenk des Himmels, bald jedoch trüben sich die Wolken über ihre Freundschaft ein, denn Alex ist immer weniger damit einverstanden, wie sich sein karierter Kumpel verhält und in welche Situationen er die beiden dadurch bringt.

    So erzählt der Film eine Art Coming-Of-Age-Story mit martialischer Unterstützung, brachialem Humor und einer Menge neuer Schimpfwörter. Und auch wenn am Schluss alles wieder in die richtige Richtung läuft so bietet der Film eine ganze Reihe von Szenen, in denen die Gewalt keine Reaktion auf Unterdrückung, Demütigung oder Ausgrenzung mehr ist, sondern rein um ihrer selbst willen geschieht. Alex' Distanzierung setzt erst relativ spät ein und lässt dem karierten Kerl in den rund 80 Minuten des Filmes sehr viel Raum, um Dinge zu tun, die man als Eltern von kleinen Ninja-Fans eigentlich eher nicht mit seinen Kindern anschauen möchte. Und auch abseits einer pädagogischen Betrachtungsweise, der man manchmal Spaßfeindlichkeit und „zuviel Kopf“ vorwerfen kann, bietet der Film insgesamt vor allem eine Art von Witz: direkten, rotz-frechen und meistens ziemlich tiefen Humor, gepaart mit einer ordentlichen Lust am „Hau-drauf!“ anderen gegenüber. Das ist am Anfang noch einigermaßen komisch, verpufft im Laufe des Streifens aber zunehmend.

    Auch die kurz eingebaute Kritik an den Arbeitsbedingungen in chinesischen Textilfabriken verkommt eher zu einem Feigenblatt-Thema und Auflage für den Rest.

    Wahrscheinlich funktioniert der Film noch am ehesten bei jenen, die durch die Lego-Ninjago-Filme noch unbelastet sind und weder die Thematik noch die besondere Qualität der anderen Filme voraussetzen. Es den anderen mal so richtig zu zeigen ist ein verständlicherweise beliebtes Thema in dieser schwierigen Zeit, wo man seit Monaten so vieles nicht tun kann und man ständig zur Rück- und Vorsicht gerufen wird. Man kann sich aber - auch in Pandemie-Zeiten - besser unterhalten, zum Beispiel mit dem letzten Lego-Ninjago-Kinofilm aus dem Jahr 2017.
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    (Markus Löhnert )
    03.04.2021
    12:02 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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