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    Britain’s Got Revenge

    Exklusiv für Uncut vom SXSW
    Achtung, Achtung, Paul Dood ist los! Es erwartet Sie ein Massaker der besonderen Art! Denn die vom britischen Comedian Tom Meeten dargestellte Hauptfigur aus Nick Gillespies „Paul Dood’s Deadly Lunch Break“ findet sich nicht nur auf einer äußerst skurrilen, von Rache getriebenen Mission wieder, sondern avanciert dabei auch noch zur regelrechten Kultfigur - sowohl innerhalb der Filmwelt als auch im universellen Kosmos ikonischer Filmcharaktere.

    Paul Dood (Tom Meeten) träumt wie so viele andere Menschen davon, berühmt zu werden. Die Anzahl seiner Follower*innen auf einer angesagten Social-Media-Plattform ist allerdings noch recht überschaubar und auch seine Arbeitskolleg*innen bringen nicht viel Verständnis für seine künstlerischen Betätigungen auf. Zum Glück stehen die Auditions für die Talentshow rund um Influencer Jack Tapp (Kevin Bishop) bevor, in der Pauls großer Auftritt erfolgen soll. Gemeinsam mit Mutter Julia (June Watson) macht er sich deshalb auf den Weg zum Vorsingen, bei dem er sein Können unter Beweis stellen will. Doch auf dem Weg dorthin läuft nicht alles wie geplant, es kommt letztendlich sogar zur Katastrophe. Paul schwört den Menschen, die seiner Meinung nach an dieser nicht ganz unschuldig sind, Rache und spürt einen nach dem anderen auf, um sie alle zur Strecke zu bringen – und das alles während seiner Mittagspause.

    Wie der Name bereits vorwegnimmt: In „Paul Dood’s Deadly Lunch Break“ bekommt man in besagter Mittagspause so einiges geboten. Regisseur Nick Gillespie vereint dabei den Rachefeldzug aus „Kill Bill“ mit den Mechanismen von „Britain’s Got Talent“ und grausamen Todesarten à la „Final Destination“. Zusätzlich ist der Film auch auf jeden Fall im Social-Media-Zeitalter angekommen, persifliert gekonnt den Wahn nach möglichst vielen Follower*innen und den ständigen Drang zu Livestreams.

    Was auf den ersten Blick zwar äußerst vielversprechend und ambitioniert erscheint, stellt gleichzeitig allerdings auch die größte Schwachstelle von „Paul Dood’s Deadly Lunch Break“ dar: der Film erscheint etwas wechselhaft und findet sich nicht immer ganz zurecht zwischen Drama und Komödie. Gerade beim übermäßigen Einsatz von schwarzem Humor kann das aber schnell nach hinten losgehen und dann oftmals auch sehr bemüht wirken. Außerdem werden im Laufe der Handlung sehr viele Nebenplots angeschnitten (beispielsweise ein Seitenhieb auf die Kirche), die teilweise auch nicht wirklich ausgereift erscheinen. Insgesamt wird einfach zu viel in einen Topf geworfen.

    Wenn man über das jedoch hinwegsieht, dann hat der Revenge-Trip rund um Paul Dood auch viel zu bieten. Der Film lebt vor allem von seinen verrückten Einfällen und seinem charismatischen Hauptdarsteller, der von einem wahnsinnig tollen Nebencast (u.a. Katherine Parkinson, Alice Lowe, Kris Marshall) komplementiert wird. Und auch die ruhigeren Momente wissen zu berühren, bevor es zu einem fulminanten Finale kommt. „Paul Dood’s Deadly Lunch Break“ reiht sich somit in die Sorte britischer schwarzer Komödien ein, bei der man nicht nur herzhaft lachen kann (jedenfalls wenn einem der Humor zusagt), sondern auch die ein oder andere Träne verdrücken muss. Und während er zwar das Potential zu einem großartigen Film hatte und sich letztendlich doch nur als ganz guter Film herausstellte, ist man nichtsdestotrotz immer stets gut unterhalten.
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    (Marion Schlosser)
    21.04.2021
    11:39 Uhr