Filmkritik zu Bantú Mama

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Von der Flüchtigen zur Ziehmutter

    Exklusiv für Uncut vom SXSW
    Das South by Southwest Festival zeigt in der Sparte „Global“ jedes Jahr Festivalfilme aus der ganzen Welt. Bei der diesjährigen Ausgabe waren beispielsweise Filme aus Finnland, Mexiko, Ägypten und Norwegen vertreten. Aber auch ein Film aus der Dominikanischen Republik, „Bantú Mama“, war dabei, was schon alleine deshalb eine Besonderheit darstellt, wenn man sich die eher geringe Anzahl der jährlich dort produzierten Filme ansieht.

    Die Kamerunerin Emma (Clarisse Albrecht) bewohnt mit ihrem Graupapagei Coco eine Wohnung in Frankreich. Eines Tages begibt sie sich auf einen Urlaub in die Dominikanische Republik, wird bei der Rückreise am Flughafen allerdings aufgrund eines Drogenschmuggels verhaftet. Ihr gelingt zwar recht schnell die Flucht, allerdings findet sie sich völlig auf sich alleine gestellt in einer fremden, gefährlichen Umgebung wieder. Da kommen drei jugendliche Geschwister, die ebenso auf sich alleine gestellt sind und ohne ihre Eltern aufwachsen, gerade rechtzeitig.

    „Bantú Mama“ stellt ein sehr schnelllebiges, aber auch wahnsinnig einnehmendes Drama dar. Der Fokus liegt dabei auf einer Frau, die sich – wie der Titel schon vorwegnimmt - auf zweierlei Art mit ihrer eigenen Identität auseinandersetzen muss:
    Einerseits stellt sich die Frage nach Emmas Heimat. Obwohl im französischen Exil lebend, ist sie eng mit der Volksgruppe der Bantu verbunden, deren Sprungtanz sie den Jugendlichen schon bald näherbringt. Zusätzlich zu Kamerun und Frankreich kommt nun aber auch die Dominikanische Republik als mögliche neue Heimat hinzu, in der sie eine Art Ersatzfamilie erhält. Diese Ersatzfamilie stellt auch die Überleitung zum zweiten Punkt dar, da Emma hier in gewisser Weise die Mutterrolle übernimmt. Gerade die Beziehung, die sich zwischen ihr und dem jüngsten der Geschwister entfaltet, ist äußerst rührend zu betrachten.

    Der Film konzentriert sich während dieser Identitätssuche ganz auf seine Protagonistin, die eindrucksvoll von Clarisse Albrecht dargestellt wird. Das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit Regisseur Herrera - da verwundert es auch nicht, dass ihr die Rolle wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Aber auch die Jugendschauspieler*innen überzeugen allesamt mit authentischen Darstellungen.

    Der Film punktet jedoch nicht nur aufgrund seiner schauspielerischen Stärke, sondern vor allem auch auf visueller Ebene. Die Kameraführung wirkt dabei stets fließend, obwohl diese sich großteils auf einem doch recht überschaubaren Setting innerhalb enger Straßen Santo Domingos und der eher kahl gehaltenen Unterkunft erstreckt. Das wird allerdings trotzdem nie langweilig, eher im Gegenteil: dadurch verstärkt sich nur das Gefühl, noch unmittelbarer ins Geschehen involviert zu sein. Die natürliche Lichtsetzung sorgt darüber hinaus für sehr malerische Aufnahmen.

    Was man „Bantu Mama“ allerdings vorwerfen könnte, ist die Tatsache, dass alles einfach viel zu schnell abläuft und dass es oftmals so wirkt, als wäre nicht alles auch immer fertig erzählt worden. Bei einer relativ kurzen Laufzeit von nicht mal 80 Minuten hätte man hier manches locker noch weiter ausführen können und gerade bei den sich entwickelnden zwischenmenschlichen Beziehungen stärker in die Tiefe gehen können. Auch das Ende legt sich der Film recht einfach zurecht.

    „Bantu Mama“ ist aber trotzdem ein sehr sehenswerter Beitrag, der einen spannenden Einblick in das Filmschaffen der Dominikanischen Republik liefert. Und zusätzlich erhält man auch noch den ein oder anderen spannungsgeladenen Moment.
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    (Marion Schlosser)
    22.03.2021
    21:55 Uhr