Filmkritik zu The End of Us

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Nicht noch ein COVID-19-Film!

    Exklusiv für Uncut vom SXSW
    Es gibt sie mittlerweile wie Sand am Meer: Filme, die die aktuelle COVID-19-Pandemie zum Thema haben. Einerseits ist dies absolut verständlich, weil es natürlich etwas ist, was uns ständig umgibt und auch die Filmbranche erheblich beeinflusst. Andererseits besteht ebenso die Gefahr, dass uns noch die nötige Distanz dazu fehlt und dass man auch schnell von der Vielzahl der gerade entstehenden filmischen Beiträge, die sich diesem Thema annehmen, übersättigt wird. Es gibt dann aber Filme, die wirklich gelungen sind und mit originellen Ideen glänzen, wie zum Beispiel „Recovery“ von Mallory Everton und Stephen Meek, der gerade am SXSW 2021 Premiere hatte. Es gibt dann aber auch Filme, denen das nicht ganz so gut gelingt, wie „The End of Us“ von Steven Kanter und Henry Loevner, der dort ebenfalls debütierte.

    Nick (Ben Coleman) und Leah (Ali Vincgiano) haben es nicht leicht: Gerade hat sich das Paar getrennt, jetzt verbreitet sich auch noch das COVID-19-Virus in den USA rasend schnell. Notgedrungen bewohnen sie deshalb beide weiter das gemeinsame Haus, was allerdings ziemlich bald zu den ersten Auseinandersetzungen führt. Richtig kompliziert wird es aber erst, als Leah ein Auge auf ihren (Zoom-)Arbeitskollegen wirft und Nick Bedenken über die Trennung bekommt. Der gemeinsame Lockdown wird schon bald zur Geduldsprobe.

    „The End of Us“ funktioniert nach dem 08/15-Corona-Chaos-Prinzip: Person A und Person B leben während der Pandemie zusammen. Person A reagiert auf die Entwicklungen übertrieben paranoid, Person B sieht die Maßnahmen übertrieben locker. Irgendwann wechseln sie dann die Rollen. Person A wird unvorsichtiger, Person B geht bedachter mit der Situation um. Aber so oder so, Chaos ist vorprogrammiert. Das alles ist jedenfalls nichts, was in irgendeiner Weise besonders überrascht. Es ist auch nichts, was man nicht eh schon mehrere Male davor gesehen hat. Man will sogar sagen, das ist genau das, was man sich von einem „Corona-Film“ erwartet. Aber wenn ich im Alltag zurzeit ohnehin dauernd auf bestimmte Probleme stoße, wieso will ich das dann auch noch auf der Leinwand (oder momentan eher auf dem Bildschirm) sehen? Vor allem, wenn der Film dem Ganzen nichts Eigenständiges hinzufügt.

    Die Charaktere wirken außerdem alle ziemlich überzeichnet, so als wären sie einem Sketch entsprungen. Das Drehbuch liefert zwar auch einige lustige Stellen, schafft es auf lange Sicht allerdings nicht, den komödiantischen Grundton beizubehalten und verliert sich immer mehr in einem Genre-Mischmasch. Ist es ein humorvolles Drama oder eine dramatische Komödie? Man weiß es nicht. Die beiden Hauptdarsteller*innen ergänzen sich aber immerhin wirklich gut! Ali Vincgiano schafft es, die etwas sprunghafte Charakterentwicklung ihrer Filmfigur überzeugend hinüberzubringen und Ben Coleman mimt einen guten eifersüchtigen Ex-Freund, wenngleich seine Figur auch etwas seicht wirkt.

    „The End of Us“ liefert vielleicht ein ganz ansehnliches Zeitbild über das Zusammenleben zu Zeiten von COVID-19. Leider wirkt es allerdings auch wie eine unausgereifte Karikatur, die viel zu flach und uninspiriert wirkt, um auch wirklich aus der Maße hervorzustechen.
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    (Marion Schlosser)
    20.03.2021
    08:40 Uhr