Filmkritik zu Witch Hunt

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Thelma & Louise

    Exklusiv für Uncut vom SXSW
    In ihrem Regiedebüt „Witch Hunt“ vereint Elle Callahan Coming-of-Age-Drama mit Sci-Fi-Elementen und schafft so ein genreübergreifendes Werk, das sich im Kern seiner Metapher auf soziale Missstände in den USA, insbesondere vorherrschende Geschlechterstrukturen aber auch den Umgang mit illegalen Einwander*innen, fokussiert. Der Film feierte seine Uraufführung am South by Southwest Festival 2021 und zeigt Elizabeth Mitchell (Lost, The Expanse) und Gideon Adlon (Der Sex-Pakt, The Mustang) in den Hauptrollen.

    Claire und ihre Mutter Martha verbergen ein Geheimnis. Nachdem die USA sämtliche Hexerei verboten hat und alle Frauen, die Hexenblut in sich tragen, auf schärfste verfolgt, hat Martha in ihrem abgelegenen Haus eine Art Safe House für Hexen geschaffen, von dem aus sie sicher über die Grenze ins sichere Mexiko gebracht werden können. Ein besonders kruder Hexenjäger hat allerdings schon länger auf den „Schmuggelring“ abgesehen und so wird der Fahrer beim Versuch mit einer Hexe im Kofferraum zu flüchten getötet. Als Martha davon erfährt, warten bei ihr schon die nächsten Hexen auf die Überfahrt, die beiden Schwestern Fiona und Shae, die dabei zusehen mussten, wie ihre Mutter bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Aufgrund der akuten Gefahrenlage können die zwei vorerst nicht das Haus verlassen und werden sehr zu Claires Missfallen im Extrazimmer versteckt. Nach einer Weile freundet sie sich allerdings mit der etwa gleichaltrigen Fiona an, doch durch die magischen Fähigkeiten der Gäste scheint sich ein seltsames Ungleichgewicht ins Haus einzuschleichen, das sich in Form obskurer Erscheinungen manifestiert.

    Die Idee einen Film über junge Hexen zu kreieren, die erst lernen müssen mit ihren neu entdeckten Fähigkeiten umzugehen, findet man bereits in Genreklassikern wie „The Craft“. Gideon Adlon ist übrigens in dem Remake von 2020 in einer der Hauptrollen zu sehen. Verbunden mit der geläufigen Trope der Hexenverfolgung, die für „Witch Hunt“ in die Moderne versetzt wurde, entsteht so erstmal eine äußerst interessante Prämisse.

    Auf narrativer Ebene macht Callahan vieles richtig: Das plötzliche Erwachen einer intrinsischen Macht lässt sich gut mit den körperlichen Veränderungen, die man im Laufe der Pubertät durchmacht, vergleichen – die Coming-of-Age-Ebene des Films funktioniert bestens. Betrachtet man allerdings die fantastischen Elemente, tun sich die ersten Probleme auf. Die imaginierte dystopische Welt wirkt unausgegoren und ein bisschen fantasielos, ein Umstand, den man mit geschickterer Exposition vermutlich vermeiden hätte können. Der feministische Unterton des Films wird durch zahlreiche Anspielungen an den 90er-Jahre-Hit „Thelma and Louise“ verstärkt. Besonders erfreulich ist der starke, beinahe ausschließlich weibliche Cast, lediglich der antagonistische Hexenjäger wird von einem Mann verkörpert. Tatsächlich funktioniert der Film am besten in jenen Szenen, die Gideon Adlon und Abigail Cowen gemeinsam zeigen, weil die beiden Schauspielerinnen in ihrem Zusammenspiel ausgezeichnet miteinander harmonieren und natürlich wirken.

    Das wortwörtliche Ausbrechen aus der männlich dominerten Welt des Films, in der Hexen die größte Gefahr für die Gesellschaft darstellen sollen, ist allerdings im Endeffekt eine recht plumpe Metapher für den Bruch mit patriarchalen Strukturen und deswegen auf einer tieferen Ebene nur bedingt erfolgreich.

    Dass der Film sich mit einem eher geringen Budget begnügen musste, wird spätestens in jenen Szenen ersichtlich, in denen mit Spezialeffekten gearbeitet wurde. Manche Kameraeinstellungen, die man bestimmt auch mit praktischen Effekten hätte erarbeiten können, wirken dadurch bedauerlicherweise billig und vor allem die Szenenübergänge mit den Flammen wirken vollkommen fehl am Platz.

    „Witch Hunt“ ist ein unterhaltsames, kurzweiliges Vergnügen, das sich seines großen Potenzials leider nicht immer bewusst ist. Anstatt die angesprochenen Themen tiefer zu ergründen, wirkt der Film in seiner Message und seinem Horror zu harmlos und kommt so über das Niveau einer durchaus passablen Young-Adult-Story nicht hinaus.
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    (Julia Pogatetz)
    20.03.2021
    14:50 Uhr