Filmkritik zu Recovery

Bilder: Sorø Films Fotos: Sorø Films
  • Bewertung

    Aberwitziges COVID-19-Roadmovie

    Exklusiv für Uncut vom SXSW
    Ja. Es gibt sie wirklich. Komödien, die die COVID-19-Pandemie zum Thema haben und tatsächlich witzig sind!

    Seit mittlerweile über einem Jahr sind Begriffe wie „Lockdown“, „FFP2-Masken“ und „Abstandsregelungen“ nicht mehr aus unserem alltäglichen Vokabular wegzudenken. Auch in der Filmbranche wurde das Coronavirus bereits des Öfteren thematisiert. Manche Filme, die gerade entstehen, verschleiern dabei geschickt die veränderten Produktionsbedingungen und passen sich so den Gegebenheiten an, wie das beispielsweise bei Natalie Morales und ihrer Videocall-Dramedy „Language Lessons“ der Fall war. Andere verarbeiten bewusst die aktuellen gesellschaftlichen Umstände und bauen, gerade im Komödienfach, möglichst viele Corona-Punchlines ein. Ein Film, dem dies ganz wunderbar gelingt, feierte gerade beim SXSW 2021 Premiere: „Recovery“ von Mallory Everton und Stephen Meek.

    Nachdem die Schwestern Blake (Mallory Everton) und Jamie (Whitney Call) einen besorgniserregenden Anruf aus dem Seniorenheim erhalten, steht für sie sofort fest: Sie müssen ihrer Großmutter so schnell wie möglich zur Hilfe kommen, da sich dort gerade rasend schnell das COVID-19-Virus ausbreitet. Ein lüsterner Zimmernachbar wird als Superspreader vermutet. Die beiden jungen Frauen begeben sich daraufhin auf einen Roadtrip der besonderen Art, während dem sie auf so einige skurrile Charaktere treffen, die sich allesamt an den Lockdown anzupassen versuchen. Oder auch nicht…

    Wenn man sich den Zeitplan rund um die Entstehung von „Recovery“ ansieht, erscheint das Endprodukt umso erstaunlicher: Innerhalb von zwei Wochen haben die beiden Hauptdarstellerinnen Mallory Everton und Whitney Call das Drehbuch verfasst, zwei Wochen hat die Vorproduktion eingenommen, zwei Wochen dauerte der Dreh und innerhalb von zwei weiteren Wochen entstand der Rohschnitt. Da verwundert es fast, wie viel das fertige Werk dann auch wirklich zu bieten hat. Und man bekommt in „Recovery“ wahnsinnig viel geboten! Zwei perfekt miteinander harmonierende Protagonistinnen. Viele ulkige, aber dennoch liebenswerte Nebencharaktere. Stimmungsaufhellende Gesangseinlagen, die einfach zu einem gelungenen Roadtrip dazugehören. Das schlimmste Hörbuch, was man wahrscheinlich je gehört hat und das trotzdem zu Tränen rührt. Und viele einfache Telefongespräche, die wahrscheinlich selten lustiger waren.

    Man muss aber auch sagen, dass nicht unbedingt immer jeder Witz sitzt und gerade die ernsteren Momente etwas aus der Reihe fallen. Auch zahlreiche Klischees werden bedient, was zwar Teil des Humors zu sein scheint, aber dann vielleicht doch auch schnell etwas uninspiriert wirkt. Wenn dann eine Figur beispielsweise völlig überrascht ist, warum die Preise einer Kreuzfahrt während einer Pandemie so billig ausfallen und das begeistert kundtut, ist das sicherlich nichts, was man davor nicht schon unzählige Male in irgendeiner Form gehört oder gesehen hat.

    Aber trotzdem, Everton und Meeks (der ebenso im Film zu sehen ist) ist mit „Recovery“ eine äußerst erfrischende Komödie gelungen, bei der man des Öfteren nicht anders kann, als lauthals mitzulachen. Ich bin ja der Meinung, dass man gerade während einer Pandemie diese nicht auch noch in Filmen immer vor Augen haben muss. Aber wenn schon COVID-19-Filme, dann bitte solche!
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    (Marion Schlosser)
    18.03.2021
    20:48 Uhr