Filmkritik zu Language Lessons

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Spanisch-Nachhilfe zur Trauerbewältigung

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2021
    Während einer Pandemie kommt so manch Filmemacher auf kreative Ideen. In Zeiten, in denen viele Menschen lockdownbedingt die meiste Zeit ihres Tages im Eigenheim verweilen müssen und persönliche Treffen kaum möglich sind, hat sich das Videokonferenz-Tool Zoom weltweit als neues Mittel der Kommunikation durchgesetzt. Egal ob nun Arbeitsbesprechungen, Uni-Seminare oder ganz alltägliche Gespräche mit Freunden: mittlerweile spielen sich viele Treffen, die noch vor einem Jahr in der realen Welt stattgefunden hätten, via Zoom ab. Dass man sich diese neue Form der digitalen Kommunikation eventuell auch als filmisches Erzählmittel zu Nutze machen könnte, hat Schauspielerin Natalie Morales wohl auf die Idee für ihr Regiedebüt „Language Lessons“ gebracht. Die während der Corona-Pandemie entstandene Tragikomödie spielt sich zur Gänze auf den Computer- und Handy-Bildschirmen zweier Figuren ab. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit Indie-Gigant Mark Duplass, der auch selbst an der Seite von Morales die männliche Hauptrolle übernommen hat.

    Adam (Duplass), ein neurotischer Mann mittleren Alters, staunt nicht schlecht, als er ganz überrascht erfährt, dass sein wohlhabender Ehemann Will ihn, ohne jegliche Vorankündigung, für einen via Zoom stattfindenden Online-Spanischkurs angemeldet hat. Plötzlich erscheint ihm die junge in Costa Rica beheimatete Cariño (Morales) auf seinem Bildschirm und stellt sich ihm gleich mal als seine neue Sprachlehrerin vor. Anfangs zeigt sich Adam noch wenig begeistert vom Geschenk seines Mannes, kommt aber während seiner morgendlichen Schwimm-Routine schnell mit Cariño ins Gespräch. Fortan sollen die beiden sich für die nächsten zwei vorausbezahlten Jahre jeden Montagmorgen für weitere Lektionen im Spanisch-Lehrbuch über Zoom ‚treffen‘. Als Adams Leben durch eine persönliche Tragödie auf den Kopf gestellt, steht ihm Cariño in der schweren Zeit als seelische Stütze bei. Nach und nach entwickelt sich eine enge Freundschaft zwischen den zwei geschundenen Seelen, die einander in ihren wöchentlichen Online-Meetings Halt schenken.

    Obwohl wir noch nicht einmal ein ganzes Jahr in der Corona-Pandemie feststecken, gab es in der Zwischenzeit schon mehrere Versuche, sich der Thematik filmisch anzunähern. Die Ergebnisse waren bisweilen zum Großteil eher peinlich oder schlichtweg unsensibel, wie beispielweise die kürzlich erschienene Michael Bay-Produktion „Songbird“. „Language Lessons“ muss sich glücklicherweise nicht in die bisherige Serie misslungener Pandemie-Filme einreihen. Ein wichtiger Punkt dafür dürfte sein, dass hier kein einziges Mal Corona erwähnt wird. Morales und Duplass arbeiteten hier zwar bewusst und ausgeklügelt mit den Limitierungen einer globalen Coronakrise, haben im Endeffekt aber keinen Film gedreht, in dem es explizit um Covid-19 geht. Nein, in erster Linie ist Morales‘ Regiedebüt eine sanfte und auch wehmütige Tragikomödie über zwei gequälte Figuren, die sich in ihrer gemeinsamen Einsamkeit verbunden fühlen.

    Der Film bedient sich so mancher Erzählstrukturen klassischer romantischer Komödien, der ausschlaggebende Unterschied ist eben jedoch, dass es hier auf keinerlei romantische Gefühle hinausläuft, sondern eine platonische Freundschaft. Es macht großen Spaß Adam und Cariño bei ihren ständigen Zoom-Austauschen (die zu weiten Teilen des Films auf Spanisch stattfinden) zuzuschauen. Die natürliche Chemie der beiden Hauptdarsteller*innen füllt den Film mit Leben und verleiht diesem unwiderstehlichen Charme. Trotz tieftragischen Untertönen ist „Language Lessons“ aber kein biederes Drama, sondern ein Werk voller Hoffnung und Verständnis für Menschen, die vom Leben enttäuscht wurden. Die gewitzten Gespräche zwischen den zwei Protagonist*innen sorgen für einige herzhafte Lacher und bringen in den noch so dramatischten Momenten ein wenig Licht ins Dunkel.

    Zwischenzeitig dreht sich die Tragikomödie narrativ ein wenig im Kreis und kippt in manch Moment etwas zu sehr ins Melodrama. Immerhin wurde das perfekte Schlussbild gefunden, das den Film auf einer völlig passenden Note enden lässt. Im Großen und Ganzen entpuppt sich Natalie Morales‘ experimentelles Regie-Debüt aber als voller Erfolg. Gewitzt, bewegend und innovativ erzählt.

    Eine herzerwärmende platonische Rom-Com fürs Zoom-Zeitalter!