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    Viva Las Vegas!

    Exklusiv für Uncut
    Nach dem lang ersehnten „Snyder-Cut“, der sich überraschend äußerst positiven Kritiken erfreuen durfte, steht das neueste Projekt des Regisseurs schon in den Startlöchern. Bereits 2004 widmete sich Zack Snyder mit seinem Remake von „Dawn of the Dead“ dem Zombiegenre, nun folgt sechzehn Jahre später der Zombie-Heist-Film „Army of the Dead“. Obwohl Snyder die Idee zum Film bereits vor vielen Jahren entwickelt hat, wurde der Film erst 2019 nach einiger Zeit in der Produktionshölle bei Warner Bros. offiziell von Netflix übernommen. Mit einem Budget von 90 Millionen Dollar stellt „Army of the Dead“ nach der Pandemie in den USA einen der ersten größeren Blockbuster dar, der auch tatsächlich wieder in Kinos anläuft. Ob er das bei uns auch wird, steht zwar noch in den Sternen, ab Freitag ist der Actionstreifen auf alle Fälle über Netflix zum Streamen verfügbar. Zum Ensemble-Cast zählen neben Dave Bautista als Protagonisten unter anderem Ella Purnell, Omari Hardwick und der deutsche Exportschlager Matthias Schweighöfer.

    Als ein Militärkonvoi bei einem Unfall schwer beschädigt wird, entkommt aus einem aufgebrochenen Container ein vor übermenschlicher Kraft strotzender Zombie, der die Soldaten auf einem Schlag auslöscht. Bald darauf verwandeln sie sich ebenso in blutgierige Untote und die Zombieschar überrennt mit ihrem Anführer Las Vegas, das fortan nur noch als abgesperrte Quarantäne-Zone existiert. Nachdem die Regierung bekannt gibt, das gesamte Gebiet um Las Vegas mit Atomwaffen vernichten zu wollen, wird der ehemalige Soldat Scott, der aktiv bei der Evakuierung von Las Vegas mitgeholfen hat, von einem Casino-Besitzer kontaktiert. Dieser unterbreitet Scott ein Angebot, demnach er sich mit einem ausgesuchten Team von Spezialisten noch vor der endgültigen Sprengung der Stadt in sein ehemaliges Casino begeben soll, wo in einem Safe 200 Millionen Dollar liegen. Rasch hat er ein talentiertes Expertenteam zusammengetrommelt, das ihm beim Kampf gegen die Zombies zur Seite stehen soll. Im Quarantäne-Gebiet angekommen wird ihnen jedoch schnell klar, dass Zombie nicht gleich Zombie ist, da sich der erste Untote „Zeus“ eine Armee an intelligenten, schnellen Zombies aufgebaut hat, die Scotts Team einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen.

    Wenig überraschend für einen Zack-Snyder-Film bedient sich „Army of the Dead“ einer geballten Ladung CGI, es gelingt ihm hierbei allerdings bis auf kleinere Ausnahmen eine gute Balance zu finden. Auch wenn sich ein zombifizierter Tiger ein wenig „over the top“ anhören mag, das digitale kreierte Tier ist nur eines von vielen Beispielen im Film, bei dem sich der Einsatz von Spezialeffekten wirklich sehen lassen kann. Erstmals hat sich Snyder bei einem seiner Filme auch selbst als Kameramann versucht - ein Experiment, das ihm durchaus gelungen ist.

    Eines der absoluten Highlights des actiongeladenen Werks ist Dave Bautista, der schon mehrfach bewiesen hat, dass er auch ernsteren Rollen gewachsen ist und hier auf ein Neues zeigt, dass er der wohl talentierteste ist unter all jenen Ex-Wrestlern, die sich momentan als Schauspieler versuchen. (Sorry, John Cena und Dwayne Johnson!) Auch emotional aufgeladene Momente meistert der Mann mit der einschüchternden Erscheinung gekonnt. Insbesondere jene Szenen an der Seite von Ella Purnell, die im Film seine distanzierte Tochter Kate verkörpert.

    Wer bei „Army of the Dead“ nun aber einen Film erwartet, der sich selbst nicht so ernst nimmt, der muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden: Tatsächlich überwiegen im Heist-Film die dramatischen Momente und der Film versucht sich trotz seiner Materie oft gezwungen seriös zu geben. Eine bessere Balance zwischen Humor und Drama hätte hier bestimmt Abhilfe verschaffen, gerade auch deshalb, weil es bei einem Film mit einer Dauer von 148 Minuten ein schwieriges Unterfangen ist, die Zuschauer ununterbrochen bei Laune zu halten. Dieses Problem wird vor allem in einer Szene deutlich, in der ein brutaler Tonwechsel wohl einen besonderen Schockmoment auslösen soll, der auf Grund seines abrupten Einsetzens jedoch das aufgebaute Momentum der Einstellung vollkommen zunichtemacht.

    Da das Zombiegenre über die Jahre hinweg eindeutig überbeansprucht wurde, ist es umso erfrischender, wenn es gelingt eine völlig neue Art von Mythologie zu etablieren, die in dieser Kategorie mit Ausnahme von Filmen wie „Train to Busan“ oder „28 Days Later“ eine Seltenheit darstellt. Snyder setzt uns mit seinen „Alpha-Zombies“ nicht nur schnelle und übermenschlich starke Untote vor, diese neue Zombie-Spezies scheint sogar zu komplexen Gedankengängen und Gefühlen fähig. Nicht unerwartet also, dass neben dem bereits fix geplanten Prequel mit Matthias Schweighöfer in einer Doppelrolle als Regisseur und Hauptdarsteller und einer animierten Netflix-Serie, auch die finale Szene von „Army of the Dead“ viel Spielraum für eine etwaige Fortsetzung lässt.

    Abgesehen von Bautista und Purnell wirkt auch die Dynamik zwischen dem restlichen Cast durchaus authentisch, nur das abgehackte Schauspiel von Komikerin Tig Notaro mutet ein wenig seltsam an. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn die Schauspielerin wurde zur Gänze digital in die Szenen eingefügt und ersetzt somit in allen Szenen die Rolle, die eigentlich von Chris D’Elia verkörpert worden ist. Als im Sommer letzten Jahres zahlreiche Vorwürfe sexueller Übergriffe des Schauspielers publik wurden, beschloss Snyder also kurzerhand D’Elia vollkommen aus dem Film zu nehmen und mit Notaro auszutauschen. Auch wenn die weichgezeichneten Hintergründe in ihren Szenen deshalb etwas fehl am Platz aussehen, so sticht ihre Figur inmitten der ansonsten eher eindimensional gezeichneten Frauenfiguren hervor.

    Streckenweise erinnert der Film an eine Mischung aus „Oceans‘ Eleven“ und „Resident Evil“, während gewisse Szenen inmitten des verlassenen und unheimlich anmutenden Las Vegas als bewusste Anspielungen an „Silent Hill“ interpretiert werden können.

    Insgesamt ist „Army of the Dead“ zwar deutlich zu lang und in seiner Handlung wohl überaus leicht zu antizipieren, was von den hervorragend choreographierten Actionsequenzen und insbesondere der ausgezeichneten Montage zu Beginn des Films (mit großem Abstand die beste Szene) wieder wettgemacht wird.
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    (Julia Pogatetz)
    20.05.2021
    09:49 Uhr