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    Ist es Schicksal? Oder Zufall?

    Exklusiv für Uncut vom International Film Festival Rotterdam
    Bevor die dänischen Kinos aufgrund der Corona-Pandemie im Winter 2020 abermals zusperren mussten, erfreute sich Anders Thomas Jensens neuestes Werk „Riders of Justice“ bereits großer Beliebtheit beim heimischen Kinopublikum und nahm hinter Thomas Vinterbergs „Der Rausch“ den 2. Platz der umsatzstärksten Kinofilme des Jahres ein. Die actionreiche Tragikomödie rund um das dänische Schauspiel-Aushängeschild Mads Mikkelsen eröffnete nun das International Film Festival Rotterdam (IFFR), welches aufgrund der aktuellen Covid-19-Maßnahmen erstmals online stattfindet.

    Es scheint ein ganz normaler Tag zu werden, als Mathilde (Andrea Heick Gadeberg) gemeinsam mit ihrer Mutter einen Zug Richtung Stadt besteigt. Doch dann kommt es zu einer Explosion, die Mutter stirbt. Um sich um seine Tochter zu kümmern, kehrt Mathildes Vater Markus (Mads Mikkelsen) vom Militärdienst heim und versucht sich den schmerzlichen Verlust seiner Ehefrau nicht anmerken zu lassen. Als ihn dann jedoch der Statistiker Otto (Nikolaj Lie Kaas) aufsucht, scheint sich Markus letztendlich doch der Realität stellen zu müssen. Denn bei Otto handelt es sich um einen weiteren Überlebenden der verheißungsvollen Zugfahrt, der gemeinsam mit seinen beiden Freunden Lennart (Lars Brygmann) und Emmenthaler (Nicolas Bro) die Umstände des Unglücks untersucht – die ersten Zweifel am angeblichen Unfall entstehen.

    Jedes Ereignis löst ein anders aus. Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt zu bestimmten Ereignissen kommt? Ist es Schicksal? Oder doch Zufall?
    Diese (und viele weitere) Fragen stellt Anders Thomas Jensen in seinem Genremischmasch „Riders of Justice“, der sowohl als actionreicher Gangthriller als auch als gefühlsbetontes Familiendrama durchgehen könnte. Dass dieses zugegebenermaßen etwas wirr klingende Vorhaben jedoch nichtsdestotrotz von Erfolg gekrönt ist, ist vor allem Jensens äußerst klugem Drehbuch zu verdanken, das gekonnt geradezu konträr wirkende Elemente miteinander verbindet.

    „Riders of Justice“ lebt von seiner Dynamik, deren Weichen durch den schnellen Schnitt und die fließende Kamera gestellt werden. Das spritzige Drehbuch und der perfekt abgestimmte Cast sorgen darüber hinaus für einige Überraschungsmomente und ebenso für den ein oder anderen Lacher. Denn obwohl der Handlung eine ernste Thematik rund um Trauer und Traumata zugrunde liegt, ist Jensens neuestes Werk zwischendurch auch ziemlich witzig! Im Zentrum der Handlung stehen ganz klar Markus und seine Tochter Mathilde, deren Jungschauspielerin Andrea Heick Gadeberg dem Altmeister Mikkelsen in nichts nachsteht. Die sympathischen Nebencharaktere vollenden das Ensemble, welches aus skurrilen, aber auch sehr liebenswürdigen Charakteren besteht.

    „Riders of Justice“ scheint ein Werk voller Gegensätze zu sein: Obwohl manche Scherze auch hin und wieder etwas ausarten, beweist Jensen ebenso ein Händchen für berührende Szenen, die sich nie in Gefühlsduseleien verlieren. Und obwohl mehr Gewalt zu sehen ist, als man möglicherweise erwartet und es auch zu manch einem Logikfehler kommt, ist man letztendlich trotzdem immer gut unterhalten. Jensen beweist jedenfalls, dass verschiedene Genreelemente sehr wohl miteinander harmonieren können – vor allem wenn diese mit schwarzem Humor unterstrichen werden!
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    (Marion Schlosser)
    02.02.2021
    07:55 Uhr